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Germany · taz · · 3h

HSV holt gegen Köln ersten Sieg: Warten auf den Heilsbringer

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Der HSV hatte einiges für die Stimmung getan während der Woche: Am Dienstag hatte er das Mannschaftstraining seiner Fußball-Männer ins Volksparkstadion verlegt, an dem erstmals nach fast vierjähriger auch Doping-Sperre Verteidiger Mario Vušković wieder teilnehmen durfte. An die 6.000 Fans feierten den Kroaten wie einen Heilsbringer. Am Freitag dann, einen Tag vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln, wurde der Vertrag von Trainer Merlin Polzin und seinem Team verlängert, bis 2029.

Das ist ein bemerkenswertes Signal, weil die Hamburger zu diesem Zeitpunkt punktloser Tabellenletzter waren und aus den ersten drei Bundesliga-Spielen der Saison zwölf Gegentore kassiert, aber selbst kein einziges geschossen hatten. Es gab Zeiten, da wären sie am Volkspark in so einer Situation nervös geworden und hätten mit einer solchen Festlegung für die Zukunft zumindest gezögert.

Doch inzwischen herrscht große Ruhe in dem Verein, der einst eine Art Synonym für „hire and fire“ war. Und das Vertrauen in den 35 Jahre jungen Coach ist riesig, denn er hat nicht nur den ersehnten Wiederaufstieg in die erste Bundesliga im siebten Anlauf geschafft, sondern auch mit einem weit gehend neu formierten Team letztlich souverän die Klasse gehalten. Und er identifiziert sich über alle Maßen mit seinem Herzensverein HSV.

Mit großer Ruhe hat der HSV auch auf dem Transfermarkt gehandelt. Der erste Spieltag war schon absolviert, als am letzten Tag der Transferperiode Schlüsselspieler dazustießen: Es kamen der Norweger David Møller Wolfe und Marokkaner Zakaria el Ouadhi, die seitdem auf den beiden Schienen in der Startelf stehen. Sein Meisterstück gelang Sportdirektor Claus Costa aber mit einem, der schon im Vorjahr auf den letzten Drücker leihweise dazugestoßen war: Den offensiven Unterschiedsspieler Fabio Viera schickte er nach der Saison demonstrativ zurück zu seinem Stammverein Arsenal London, um zu demonstrieren, dass er nicht bereit wäre, die festgeschriebene Ablösesumme von 20 Millionen Euro zu zahlen. Nur um ihn dann am „Deadline day“ für weniger als die Hälfe zu bekommen.

Aus der Branche regnete es Respektsbekundungen und es schien ausgemachte Sache, dass der HSV in dieser Saison weiter oben in der Tabelle angreifen würde. Doch dann setzte es zum Auftakt drei Niederlagen. In Dortmund und Leipzig kann man schon mal verlieren – aber 0:5 zuhause gegen Mainz 05? Lag es daran, dass das Team noch nicht eingespielt war? Hatte man sich zu sehr darauf verlassen, dass die Neuverpflichtungen vom ersten Tag an performen würden, weil das im Vorjahr schließlich auch geklappt hatte?

Zweimal fünf Gegentore sprechen dafür, dass auch die Innenverteidigung Sorgen bereitet, die traditionelle Problemzone der Hamburger. Und just die ist nicht verstärkt worden, im Gegenteil: In der Vorsaison war es der 18-jährige Luka Vušković, der sich, quasi in Vertretung seines großen Bruders Mario, innerhalb von ein paar Tagen zum Abwehrchef aufgeschwungen hatte und fortan den Laden zusammenhielt. Doch auch der war von Tottenham Hotspur nur ausgeliehen und eine feste Verpflichtung weit außerhalb der HSV‑Möglichkeiten. Ohne ihn ist der HSV defensiv deutlich anfälliger.

Auch gegen zunächst überlegene Kölner brauchten die Hamburger Innenverteidiger ein paar Mal Glück, ehe einer von ihnen, Nicolás Capaldo, den HSV kurz vor der Pause in Führung köpfte. Erst als Teilzeit-Stürmer Yussuf Poulsen kurz nach Wiederanpfiff das 2:0 erzielte, befreite sich der HSV immer häufiger vom Druck der Kölner und verdiente sich den Sieg, auch wenn der nach Ragnar Aches Anschlusstreffer für die Kölner in der Nachspielzeit noch mal in Gefahr geriet.

Beim HSV werden sie nun die Rückkehr von Mario Vušković in den Kader herbeisehnen. Die Versuchung muss riesig sein, den hochveranlagten Innenverteidiger bald nach Ablauf seiner Sperre Mitte November wieder einzusetzen. Und Trainer Polzin hatte nach den ersten Trainingseinheiten gesagt, er habe ihn in gutem Zustand gesehen. Ob Vušković nach vier Jahren ohne Teamtraining oder Wettkampferfahrung wieder zu alter Stärke zurückfinden wird, vermag indes noch niemand seriös zu sagen. Vielleicht bringt der HSV ja auch in dieser Frage die nötige Ruhe auf.

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Source: taz