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Hape Kerkeling und das AfD-Verbot: Zur Lage der Nation in drei Sätzen
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E in Komiker, der es ernst meint. Der in drei Sätzen zusammenfassen kann, worum es geht. In aller Klarheit. Das ist Hape Kerkeling, der am Mittwochabend mit Sicherheit die Rede der Woche gehalten hat. Eine Rede, die zum Tag der Deutschen Einheit in Dauerschleife laufen sollte.
Denn Kerkelings Credo lautet: Erstens: Das Grundgesetz ist antifaschistisch. Zweitens: Wer die verbrecherische Vergangenheit dieses Landes verharmlost und umdichtet, verwirkt jede politische Daseinsberechtigung in unserer Demokratie. Und drittens: Wer nicht verantwortungsvoll mit der Geschichte Deutschlands umgeht, darf nicht Verantwortung für seine Zukunft übernehmen.
Vorgetragen hat er seinen Dreisatz im Justizausschuss des Thüringer Landtags bei der Anhörung über die Einleitung eines Parteiverbotsverfahrens gegen die AfD, wie es ganz formal hieß. Eingeladen war er nicht als Komiker, auch nicht als Justizexperte, sondern als Nachfahre eines NS-Opfers. Sein Großvater war drei Jahre im Konzentrationslagers Buchenwald inhaftiert. Schon zum Jahrestag der Befreiung des KZ im April hatte Kerkeling mit einer eindrucksvollen Rede daran erinnert.
Gerade aus dieser persönlichen Geschichte hat er nun den Blick auf das heutige Deutschland abgeleitet. Und auf ein Verbot der AfD, dass er für unumgänglich hält. Denn eine Partei, die schon wie die Nazis vor 100 Jahren auf Angst Lügen und Hass baue, habe in unserem Land mit seiner grauenvollen Geschichte keinen Platz.
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Er wünsche sich einen Tag, an dem niemand Angst haben müsse, nur weil er lebt, anders aussieht oder anders glaubt, sagte Kerkeling. Und fügte unmissverständlich hinzu: „Diesen Tag bauen wir nicht mit Schweigen, wir bauen ihn mit einer Unterschrift“ – unter den Antrag zum AfD-Verbotsverfahren.
Denn das Versprechen unseres Staats laute: Wir dulden keinen Faschismus in Deutschland. Und wer schweige, wenn die Demokratie angriffen werd, habe sich schon für eine Seite entschieden. Auch wenn er vielleicht glaube, neutral geblieben zu sein. Denn die Verteidigung des Grundgesetzes sei keine Frage von links oder rechts.
Jeder einzelne Satz seines fünfminütigen Statements hat gesessen. Und spätestens wenn man Kerkeling dabei zuhört, wie er den ersten Artikel, den wichtigsten Satz des Grundgesetzes, nicht einfach nachbetete, sondern durch die betonte Zerlegung der Silben – die Würde des Menschen ist un – an – tastbar! – die ganze humanistische Kraft oder, wie Kerkeling es später in der Aussprache betonte, die Zärtlichkeit des Wortes „unantastbar“ hervorhebt, dann freut man sich nicht nur über seine klare Sprache, sondern fragt sich sogleich: Wäre diese Sprachgewalt kombiniert mit Haltung nicht geradezu prädestiniert für ein Amt im Staate Deutschland?
Anfang 2027 wird ein neuer Bundespräsident gewählt. Nichts wäre stärker, zeitgemäßer für das Amt als ein Mensch wie Hape Kerkling. Tatsächlich gibt es schon seit Monaten auf WeAct eine Initiative, die die Fraktionsvorsitzenden der demokratischen Parteien im Bundestag auffordert, Kerkeling als Kandidaten zu benennen. Fast 150.000 Menschen haben den Aufruf mittlerweile unterzeichnet. Zu Recht, denn er wäre mit seiner Haltung und seiner Geschichte die Person, den unabdingbaren Widerstand gegen den aufkeimenden Faschismus verkörpern könnte.
Natürlich wird Kerkeling dennoch nicht zum Bundespräsidenten gewählt werden. Nicht, weil er als Komiker ungeeignet wäre. Nicht, weil er trotz seiner betonten Überparteilichkeit dann doch als etwas zu links für eine die Bundesversammlung dominierende CDU/CSU gelesen werden kann. Sondern weil er mit seinem klaren Antifaschismus vor allem die Union verschreckt, der so viel Brandmauer zu weit geht. Es ist fatal.
Ein Komiker, der es ernst meint, würde dem Land guttun. Stattdessen wird es wohl wieder eine:r von denen, die es ernst meinen, aber meist nur komisch wirken.
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Source: taz