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Hambacher Forst: Auf dem Baum geblieben

Im Hambacher Forst leben immer noch Menschen verstreut in Baumhäusern. Doch die Besetzer und Aussteiger müssen wohl gehen: Das Land will Wildnis daraus machen. mehr...

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E r steht zwischen den Lebenden und den Toten. Auf den Schildern der Lebenden steht: Ich bin ein Ahorn. Ich bin eine Eberesche. Ich bin eine Roteiche. Die toten Bäume tragen Menschennamen. Neben der Eiche Elisa steht an diesem Juli-Nachmittag Robert Borsch-Laaks, 78, orangefarbene Hornbrille, Dreitagebart, Wanderschuhe. Elisa ist umgefallen, weil der Energiekonzern RWE immer näher an den Wald heranbaggert und so seine Ränder austrocknet. Jetzt liegt sie auf dem Waldboden, ihre vertrockneten Äste ragen über einen Graben. Borsch-Laaks will den Menschen hier in der Hambi-Oase, einer Mischung aus Baumlehrpfad und Rastplatz in einem berühmt gewordenen, besetzten Waldstück zwischen Köln und Aachen, etwas beibringen. Oft kommen Spaziergänger und Radfahrer vorbei, manchmal auch Schulklassen und Studierende. Robert Borsch-Laaks sagt über sich selbst, er habe eine Lehrerseele. Er will den Menschen den Wald nahebringen.

Die sogenannte Oase liegt kaum eine Minute Fußweg vom Tagebau Hambach entfernt, mehr als 40 Quadratkilometer braune Ödnis. Richtung Norden führt ein schmaler Pfad, gesäumt von Infotafeln, darauf Texte über die Baumarten, die hier wachsen. Richtung Süden geht ein Weg zu einem Gedenkort für den Studenten Steffen Meyn, der 2018 im Wald abstürzte und starb. Borsch-Laaks hat die Oase mit seinem Verein, den Drei Rosen e. V., errichtet, dessen Mitglieder sich gegen Kohle- und Atomstrom engagieren. Die Energiewende ist für ihn so etwas wie ein Lebensthema. Als Werkstudent bei Rheinbraun sah er in den 70er-Jahren an einem Modell, wie groß die Grube eines Tages werden sollte. Da habe er gewusst: Das kann nicht die Lösung sein.

Heute steht der Hambacher Wald wie kaum ein anderer Ort in Deutschland für einen historischen Sieg der Klimabewegung. Ersten Besetzungen im Jahr 2012 folgten weitere, immer wieder wurde geräumt, immer wieder neu besetzt. 2018 sollte der Rest des Waldes gerodet werden. Doch Besetzer, Umweltverbände und Bürger aus der ganzen Republik konnten schließlich rund 550 Hektar Wald vor den Baggern von RWE retten. Die ursprüngliche Fläche war rund achtmal so groß.

Besetzung Der Hambacher Forst ist ein noch etwa 550 Hektar großer Wald in Nordrhein-Westfalen. Er liegt zwischen Köln und Aachen, überwiegend im Gebiet der Stadt Kerpen. Der Energiekonzern RWE wollte ihn für den Abbau von Braunkohle abholzen. Jahrelang wurde er besetzt, um das Abholzen zu verhindern. Um­welt­ak­ti­vis­t*in­nen, die ihn auch Hambacher Wald oder „Hambi“ nennen, hatten 2012 die ersten Baumhäuser gebaut.

Tragischer Tod 2018 stürzte der Filmemacher und Aktivist Steffen Meyn von einem Baum und starb. Im selben Jahr wurden die Baumhäuser nach heftigem Kampf geräumt. 2020 gab die Bundesregierung mit dem Ausstiegsplan aus der Kohle das Versprechen ab, den restlichen Wald erhalten zu wollen.

Abholzung geht weiter 2025 besetzten Ak­ti­vis­t*in­nen das nahe Manheimer Sündenwäldchen, einst Teil des mittlerweile zerfrästen Hambacher Walds, das RWE für den lukrativen Kiesabbau abholzen wollte. Im November 2025 wurde auch diese Besetzung geräumt.

Das ist neben vielen anderen auch Robert Borsch-Laaks zu verdanken. Als sich die Lage um den Hambacher Wald zuspitzte, besorgten er und die Drei Rosen sich Satellitenbilder, um immer zu sehen, wo die RWE-Bagger gerade die Landschaft verwüsteten und wie sie am besten Widerstand leisten könnten. Sie protestierten, manchmal Seite an Seite mit den Besetzern. Hierhin, in die Hambi-Oase, fährt Borsch-Laaks manchmal mehrmals in der Woche. Hier hat er ein kleines Klettergerüst für seine Enkelinnen gebaut. Hier kam es zur ersten Attacke auf den Verein: Ein rotes A. Jemand hat es mit Filzstift auf eine Infotafel geschmiert, groß und breit, drumherum ein Kreis. Borsch-Laaks sagt: „Das waren Leute aus dem Wald“, und meint damit die Aktivisten, die hier in Baumhäusern und Hütten leben. „Was wollen die hier eigentlich noch, außer ein freies Leben führen?“

Einst hatte der gemeinsame Feind RWE die vielen Gruppierungen im Widerstand vereint, heute könnte die Uneinigkeit kaum größer sein. Statt Solidarität und Geschlossenheit herrschen nun Unverständnis, Misstrauen, Streit.

An vielen Stellen im Wald finden sich Spuren des Protests: Bauzäune, die die Aktivisten einst für Barrikaden nutzten, Schilder, Öfen. Die Schotterpisten, die RWE in den Wald schlug, um mit großen Maschinen die Bäume roden zu können, sind zu schmalen Wegen geworden, weil Büsche und Bäume frei wuchern können. Es ist für jemanden, der von außen kommt, nicht leicht herauszufinden, wer hier heute eigentlich alles wohnt, und das Gebiet ist unübersichtlich. Einst gab es mehr als 70 Baumhäuser und Hütten, im Juli gab es mindestens noch 12, weitere könnten sich im Wald verstecken. Manche hängen mehr als 20 Meter über dem Boden. Sie sind aus Holzresten zusammengezimmert, einige mit Ästen verziert.

Auf Bänken, Tischen, Hütten sind Sprüche geschrieben: „Chaos vergeht nicht“, „Lieber polytox statt monogam“ und „Dead Cops for future“.

Die Menschen, die noch heute im Hambacher Wald leben, laufen außerhalb ihrer Behausungen fast alle vermummt herum, nur ein Schlitz für die Augen bleibt. Einige sind offen für ein Gespräch, schweigen jedoch, sobald sie ein Aufnahmegerät oder einen Notizblock sehen. Sie geben sich Fantasienamen wie Tortilla oder Schmetterling. Ihre Hütten und Baumhäuser heißen Avalon, Hash Mountain, Yggdrasil oder Old Black Socks. Wenn sie über jemanden sprechen, heißt es meist nur „der Mensch“. Der Mensch ist nach Köln gefahren. Der Mensch hat Hunger. Der Mensch stellt Fragen. Andere Bewohner reagieren mit offener Feindseligkeit. Um ein Baumhaus ragen Metallzäune rund zwei Meter in die Höhe, daran hängen Äste, Blätter und Tarnnetze, ein Fahrradschloss verriegelt den Eingang. Ein Baumhaus wie eine Festung. Hinter dem Zaun steht eine kleine Person im Tanktop. Sie starrt und schweigt. Dann sagt sie: „I don't speak German“, und verschwindet. Ein paar Tage später geht sie durch den Wald, dieses Mal mit einem dunklen Tuch vermummt. Sie raunt: „Some people don't like to have journalists around.“

Was heute wie purer Wahnsinn wirken mag, erscheint im Schatten der Protestjahre weniger seltsam. Immer wieder war es im Wald zu Gewalteskalationen gekommen, zum Beispiel in Konfrontation mit der Polizei. Aber auch mit Securitymitarbeitern, die die Grube für RWE bewachten. Einer von ihnen, der damals bei einem Subunternehmen angestellt war, erzählt heute, wie er während einer Schicht die Aufgabe hatte, alle Überwachungskameras im Blick zu behalten. Da habe er gesehen, wie Kollegen brutal gegen einen Aktivisten vorgingen, der in die Grube eingedrungen war. Sie hätten ihn zu viert auf einen der weißen Pick-ups geworfen. „Unmenschlich“ sei das gewesen. Er selbst habe die Anweisung gehabt, in solchen Fällen die Überwachungskameras wegzudrehen, damit keine Beweismittel entstünden. Das habe er gemacht und kurze Zeit darauf gekündigt. Besagtes Sicherheitsunternehmen ist heute insolvent. Eine Anfrage der taz bleibt unbeantwortet.

Der Kampf um den Wald ist eine komplizierte Geschichte von Räumungen, Kompromissen, Gerichtsurteilen und einer Nähe zwischen Politik und RWE, die von vielen Seiten kritisiert wurde. 2012 wurden hier die ersten Baumhäuser gebaut. 2018 avancierte der Hambacher Wald zu einem bundesweiten Symbol der Klimabewegung. Der „Brandschutz“, der im selben Jahr als Begründung für eine Räumung diente, war mutmaßlich vorgeschoben, wie der WDR ein Jahr später enthüllte. 2020 stand schließlich fest: Der Wald soll bleiben. Zumindest die noch übrigen 550 Hektar. Besiegelt wurde die Entscheidung mit dem sogenannten Kohlekompromiss, in dem der Hambacher Wald ein symbolträchtiger Nebenschauplatz zu der großen Entscheidung war, dass Deutschland bis 2038 aus der Kohle aussteigt.

Dieses Jahr haben die schwarz-grüne Landesregierung, einige Naturschutzverbände wie der BUND sowie RWE einen Plan für die Zukunft des Waldes aufgestellt: Bis 2035 soll er ein sogenanntes Wildnisgebiet werden und in den Besitz einer öffentlichen Stiftung übergehen. Noch dieses Jahr soll der Plan mit einem öffentlich-rechtlichen Vertrag besiegelt werden. Wildnis heißt: Der Wald wird sich selbst überlassen. Nur um nichtheimische Arten zu entfernen, sollen Menschen eingreifen dürfen. Außerdem soll ein Radweg um den Tagebau und teilweise auch durch den Wald gebaut werden. Wenn der Wald Wildnis wird, müssen die Besetzer ihn verlassen – so sehen es zumindest Vertreter des BUND. In einer Erklärung des Naturschutzbundes heißt es, Menschen sollten „nur noch temporär“ im Wald „zu Gast“ sein, wenn er ein Wildnisgebiet werde.

Ein Mann, der hier Milo heißen soll, ist einer der Waldbesetzer – und doch auch nicht. Er vermummt sich schon seit Jahren nicht mehr, sagt er. Milo ist schmal und hat einen grauen Bart, fotografieren lassen will er sich nicht. Er lebt in einer kleinen Hütte, das Fundament aus Europaletten, die Wände aus Holzresten, auf dem Dach sind Solarpaneele. Mit dem Sammeln von Pfandflaschen im Nachbarort verdient er sich ein wenig Geld, er mache so zwei Euro am Tag, sagt er. Aus dem Mülleimer einer Tankstelle bezieht er Backwaren, zu alt zum Verkaufen, aber noch gut genug zum Essen. Wenn Milo über die anderen Waldbesetzer spricht, dann sagt er „die“ und nicht „wir“. Er ist zwei Mal ausgestiegen. Ein Mal aus dem sogenannten System und ein Mal aus der Waldgemeinschaft.

Der erste Ausstieg war 2017. Er sei frustriert von den Schikanen in einer Zeitarbeitsfirma gewesen und habe der Arbeitswelt „aus ganz egoistischen Gründen“ den Rücken gekehrt. Wo er gearbeitet hat, wie sein echter Name lautet, sein genaues Alter, all diese Details will er nicht nennen. Die Idee von Anarchismus, ja, die Idee echter Gerechtigkeit für alle, habe er schon in seiner Jugend gut gefunden, sagt er. Also habe er nach einem „Rebellennest“ gesucht, und jemand habe ihm den Hambacher Wald empfohlen.

Er zog in den Wald, lebte zuerst in einem Zelt und dann in einer Hütte. Damals, vor neun Jahren, sagt Milo, seien noch die Engagierten da gewesen. Damals sei die Stimmung noch gut gewesen. Dann kam 2020 der Kohlekompromiss und es war klar: Der Wald wird nicht gerodet. Ein Triumph – könnte man meinen. Doch ausgerechnet da sei die Stimmung schlechter geworden, sagt Milo. Die Engagierten seien gegangen, und die, die vor allem Spaß haben wollten, gekommen. Und dann seien auch noch Jugendbanden durch den Wald gezogen und hätten Böller geworfen.

Milo stieg zum zweiten Mal aus. Anlass war ein persönlicher Streit zwischen zwei Waldbewohnern. Er selbst sei gar nicht involviert gewesen, aber er sei dazu aufgefordert worden, sich in diesem Streit zu positionieren. Weil er das nicht wollte, sei er plötzlich außen vor gewesen. So erzählt er die Geschichte. Die Namen derer, denen er Vorwürfe macht, will er nicht nennen. Einige Monate nach dem Streit kam er vom Pfandsammeln heim und wurde von Flammen begrüßt. „Lichterloh“, habe seine Hütte gebrannt. Nichts mehr zu retten. Er wisse nicht, wer den Brand gelegt habe. Die Jugendbanden, Waldbesetzer – er hält beides für möglich. Wie zum Trotz baute er seine neue Hütte genau dort auf, wo auch die alte gestanden hatte.

Wenn heute Spaziergänger vorbeikommen, dann fragen sie ihn manchmal, was er hier jetzt noch wolle, wo der Wald doch gerettet sei. Er antworte dann: Solange der Wald RWE gehöre, bleibe er. Denn Eigentümer könnten mit ihrem Besitz schließlich machen, was sie wollen, im Zweifelsfall auch die Bäume roden. Der Wald sei doch besser geschützt, wenn Aktivisten darin lebten. Dabei erwähnt er nicht, dass RWE mit einer Rodung gegen diverse Beschlüsse von Bundes- und Landesregierung verstoßen würde. Milo sagt, er sei nach wie vor im Widerstand. Auch wenn er sich diesen Widerstand früher mal intelligenter vorgestellt habe, sowohl von sich, als auch von den anderen. „Irgendwie strategischer, weniger impulsiv“, sagt er. „Ich wollte rebellieren und musste nach ein paar Jahren feststellen, dass die große Weltrevolution jedenfalls nicht vom Westen aus starten wird. Hier sind alle viel zu satt.“

Im Laufe der fast zehn Jahre, die er im Wald lebe, habe er sich an die Winter gewöhnt. Heute mache ihm die Kälte nichts mehr aus. Da sei es ja schon ironisch, dass gerade jetzt, kurz vor dem nächsten Winter, wieder über eine Räumung diskutiert werde, sagt Milo und meint damit die Aussage des BUND, Menschen sollten nur noch „temporäre Gäste“ im Wald sein. Den Wald nennt Milo sein Zuhause. Wo er hinginge, wenn der Wald Wildnis werden sollte – darüber mache er sich keine Gedanken. Der Weg zurück in ein bürgerliches Leben wäre für ihn jedenfalls ein schwieriger, denn er habe alle Verbindungen gekappt. Seit Jahren lebt er ohne Krankenversicherung und Personalausweis. Er sagt: „Wenn die mich räumen wollen, dann sollen sie halt.“

Ein Dienstag im Juli, 14.30 Uhr. Robert Borsch-Laaks steht an einem Parkplatz, links eine kaputte Straße, die früher die A4 war. Er, Vertreter vom BUND und die grüne Landtagsabgeordnete Antje Grothus wollen durch den Wald spazieren und über den Wildnisplan informieren. Auch dabei sind rund 30 Bürger, darunter Veteranen aus der Antikohlebewegung, Grünen-Mitglieder und Anwohner.

Eigentlich wollten sie schon längst losgegangen sein, stattdessen diskutieren sie nun. Denn jemand hat „Stop Greenwashing“ in großen grünen Lettern auf das Auto von Borsch-Laaks, der Lehrerseele, gesprayt. Attacke Nummer zwei. Soll man die Polizei rufen, damit sie die anderen Autos im Blick behält? Ausgerechnet die Polizei? Schließlich erklärt sich einer der Spaziergänger bereit, am Parkplatz zu bleiben und die Autos zu bewachen.

Alle anderen gehen zu einem schmalen Pfad, der in den Wald führt und blicken in ein Meer aus weißen Schildern. Sie sind überall, am Wegesrand, im Gebüsch, in den Bäumen. Die Waldbesetzer haben sie extra für den Spaziergang hier aufgestellt. Da steht: Dear green Party, eure Meinung ist so biegsam wie mein Kletterseil. Hambi stays wild. Eure Perspektive 2035?! – Kohleausstieg jetzt. Politic kills, Anarchy lives. NGOs sollten nicht mit Politikern und Konzernen kooperieren.

Manche Spaziergänger grinsen, andere verziehen das Gesicht. Borsch-Laaks schaut zu Boden und schüttelt den Kopf, während er einem Bekannten vom roten A auf seiner Infotafel in der Oase erzählt. Die Landtagsabgeordnete Grothus sagt, wie sehr sie von der Graffito-Attacke auf sein Auto getroffen sei. Der Wald sei doch für alle da. Die Idee des Allmendewaldes, den alle Bürger nutzen können, habe ja schon Arnoldus gehabt, ein Heiliger aus dem Mittelalter. „Der würde sich jetzt wahrscheinlich im Grabe umdrehen.“

Die Spaziergänger erreichen die Hambi-Oase. Sie gehen an einem Pavillon vorbei, den Borsch-Laaks eigentlich schon lange zu dem Gedenkort für den verstorbenen Studenten Steffen Meyn bringen wollte, damit die Fotos und Blumen nicht im Dreck liegen müssen. Eigentlich wollte er die Besetzer in einer Mail um Hilfe beim Tragen bitten. Die Spaziergänger gehen noch ein paar Schritte, dann bleiben sie stehen. Robert Borsch-Laaks hält selbst gebastelte Schilder hoch und zählt auf, welche „Bäume des Jahres“ hier wachsen. „Esche, Zitterpappel, Bergahorn, …“, sagt er und hebt den Zeigefinger.

Da kommt ein Mann auf ihn zu. Jemand habe den Pavillon am Eingang der Oase umgerissen und sei anschließend geflohen, sagt er. „So ein Kapuzenmensch.“ Es habe gescheppert. Borsch-Laaks stöhnt. Jemand sagt, das müsse eine Attacke aus dem „Lager zwei“ sein, der „aggressiven“ und „separatistischen“ Splittergruppe unter den Waldbesetzern. Borsch-Laaks zählt mit brüchiger Stimme noch ein paar Baumarten auf, dann geht ein Großteil der Spaziergänger zu dem Oasen-Rundweg. Er selbst geht in die entgegengesetzte Richtung, zum Pavillon, ein Spaziergänger begleitet ihn. Die massive Holzkonstruktion liegt seitlich zwischen Sträuchern und Laub auf der Erde.

Sie versuchen, den Pavillon wieder aufzustellen. Keine Chance, zu schwer. Fassungslos sei er, sagt Borsch-Laaks. Dass all die Tonnen Kohle in der Erde geblieben seien, das habe man doch nur geschafft, weil alle an einem Strang gezogen hätten. „Aber jetzt bricht alles auseinander! Sie sagen, der BUND betreibt Greenwashing, die Grünen sind sowieso scheiße …“ Er traue sich kaum noch zu hoffen, dass die Waldbesetzer ihm tatsächlich helfen werden, wie geplant, den Pavillon zum Gedenkort für Steffen Meyn zu bringen. Trotzdem, ja trotzdem wolle er ihnen in den nächsten Tagen endlich eine Mail schreiben und sie darum bitten.

Borsch-Laaks dreht sich um und geht zurück zu den anderen Spaziergängern, vorbei an einem Schild auf dem steht: Danni lebt. Daneben ist ein Bäumchen, das ein Waldbesetzer aus dem Dannenröder Forst gespendet hat, jenem Wald in Hessen, der erst von Umweltschützern besetzt und schließlich 2020 für den Ausbau der A49 gerodet wurde. Ein Naturführer hat den Waldbewohnern Wasserkanister hingestellt und sie gebeten, das Danni-Bäumchen zu gießen. Jetzt ist es vertrocknet.

Originally published bytaz
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