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Germany · taz · · 3h

Göttingens grüne OB-Kandidatin: Migrantisch, jung, ambitioniert

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Die – aller Voraussicht nach – künftige Göttinger Oberbürgermeisterin hat migrantische Wurzeln, ist jung und Mitglied der Grünen. Onyeka Oshionwu (34) holte bei der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag 41,4 Prozent der Stimmen. Sie geht als klare Favoritin in die Stichwahl am 27. September gegen den zweitplatzierten CDU-Mann Ehsan Kangarani – auch er ist ein Kandidat mit Migrationshintergrund.

Ihr gutes Ergebnis verdankt Oshionwu einerseits der starken politischen Verankerung der Grünen in Göttingen, die im Kommunalparlament erneut die mit Abstand stärkste Fraktion stellen. Zum anderen hat sie einen Wahlkampf hingelegt, der auch Ver­tre­te­r:in­nen anderer Parteien Respekt abnötigte.

Wochenlang war Oshionwu von frühmorgens bis spätabends auf Achse. Am Infostand, beim Plakateaufhängen, bei Podiumsdiskussionen und sogenannten „Wohnzimmergesprächen“, wo sie – oft in privaten Haushalten – in kleiner Runde ihre Ideen von einer ökologischen und sozialen Stadt vorstellte. Ihr Wahlkampfteam bespielte die Auftritte sowohl für die klassischen Medien als auch für Social Media.

Ihre Botschaften und Visionen einer „Stadt für alle“ verknüpfte Oshionwu mit den grünen Kernthemen Verkehr, Wohnen, Demokratie. „Ich will den Klimaschutz in Göttingen weiterdenken“, sagt sie. Mehr Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der energetischen Sanierung. Mehr Bäume und entsiegelte Flächen. Oshionwu will ein kommunales Hitzeschutzkonzept auf den Weg bringen, mit mehr Schatten, mehr Trinkwasserstellen und mehr kühlen Orten in öffentlichen Gebäuden.

Die Forderungen des von der gegenwärtigen Verwaltungsspitze weitgehend missachteten Radentscheids möchte Oshionwu konsequent umsetzen, den ÖPNV verlässlich und bezahlbar machen, die Mobilität dabei aber auch für die Menschen verbessern, die aufs Auto angewiesen sind.

Die Allerweltsforderung nach bezahlbarem Wohnraum im überteuerten Göttingen präzisiert Oshionwu auch mit konkreten Vorschlägen: Stärkung von städtischem Wohnungsbau, Genossenschaften und gemeinschaftlichen Wohnprojekten, mehr barrierefreier Wohnraum, Kampf gegen Leerstand.

Sie will eine städtische Anlaufstelle gegen Mietwucher einrichten und für prekäre Wohnsituationen das vor Jahren in Berlin entwickelte „Bunte 111“-Konzept übernehmen. Danach entwickeln Eigentümer, Bewohnende und die Stadt gemeinsam Lösungen, damit niemand mehr in verwahrlosten Häusern wie in dem verrufenen Komplex Groner Landstraße 9 leben muss.

Überhaupt sollen, wenn es nach Oshionwu geht, Ideen aus der Bevölkerung stärker in politische Entscheidungen einfließen. Deshalb setzt sie auf „Beteiligung von Anfang an“ – mit Formaten wie Bürgerforen und den im Wahlkampf schon praktizierten Wohnzimmergesprächen, in denen die Leute ihre Perspektiven direkt einbringen können. Im Rahmen eines eigens aufzulegenden „Bürgerbudgets“ sollen die Göt­tin­ge­r:in­nen entscheiden, wofür das Geld eingesetzt wird.

Onyeka Oshionwu ist die Tochter eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter und wuchs in Göttingen auf. Sie studierte an der örtlichen Universität sowie an einer Hochschule in Südafrika Politik, Wirtschaft und Englisch auf Lehramt. Um ihr Studium zu finanzieren und die Welt zu bereisen, arbeitete Oshionwu über 15 Jahre lang parallel als Flugbegleiterin bei der Lufthansa.

Hauptberuflich unterrichtet sie bisher im offenen Jugendvollzug jugendliche Straftäter. Seit November 2021 ist Oshionwu Mitglied des Stadtrates und ehrenamtliche Bürgermeisterin. Verwaltungserfahrung hat sie bisher allerdings nicht, was manche in der Stadt kritisieren.

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Source: taz