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Germany · taz · 2h

Gedenken an Ratko Mladić: Letztes Geleit für den Kriegsverbrecher

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Tausende Menschen haben am Montag den serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladić geehrt, der vor eineinhalb Wochen in einem UN-Gefängnis gestorben war. Dort hatte er eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord verbüßt.

Vor der Beerdigung auf dem Topčider-Friedhof in der serbischen Hauptstadt Belgrad war der Sarg mit den sterblichen Überresten Mladićs in der Sveti-Luka-Kirche (St. Lukas) im Stadtteil Vidikovac aufgebahrt. Auf dem Sarg, flankiert von einer uniformierten Ehrenwache, lagen seine militärische Mütze (Sajkaca), sein Säbel sowie militärische Orden.

Tausende Menschen reihten sich in die Schlange vor der Kirche ein. Viele trugen serbische Fahnen und Bilder Mladićs. Viele waren mit aus verschiedenen Teilen Serbiens und aus der Republika Srpska mit Bussen angereist, die eigens bereit gestellt worden waren. Nach orthodoxem Brauch und aus Ehrerbietung beugen sich bei solchen Begräbnissen die Trauernden über den Sarg, bekreuzigen sich, berühren oder küssen das Holz des Sarges. Viele Trauernde und Weggefährten weinten, verharrten im Gebet und bekundeten Mladićs Angehörigen, seiner Frau Bosiljka und seinem Sohn Darko, ihr Beileid.

Das Defilee sollte einige Stunden dauern – lange genug, um bewusst oder unbewusst dem ganzen Spektakel eine historische Tiefe und Bedeutung zu verleihen. Mladić wird neben seiner Tochter Ana begraben, die 1994, auf dem Höhepunkt der ethnischen Verbrechen, Suizid begangen hatte.

Nur einer wollte fehlen. Serbiens Präsident Serbiens Aleksandar Vučić blieb dem Trauerzug fern. Als offizielle Begründung nannte er einen Staatsbesuch des Präsidenten von Usbekistan, Schawkat Mirsijojew. Offensichtlich wollte Vučić Vorsicht walten lassen und die EU nicht völlig herausfordern, jedoch auch nicht mit den Seinen brechen. Serbien ist seit 2012 EU-Beitrittskandidat.

Entsprechend entschieden waren hingegen die Reaktionen aus der EU auf den Mladić-Kult in Serbien. So sagte EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos ihren für diese Woche geplanten Besuch in Belgrad ab. Die Verherrlichung Mladićs sei unvereinbar mit den Werten der EU. Dazu gehörten die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, echte Versöhnung und der Respekt gegenüber den Opfern von Kriegsverbrechen, sagte Kos. Das war mehr als eine symbolische Protestnote.

Nur serbische Menschenrechtsaktivsten und einige Intellektuelle setzen sich mit der serbischen Schuld an den Massenmorden in Bosnien auseinander. Sie sehen die Feierlichkeiten als Beleg dafür, dass die serbische Gesellschaft ihre Verantwortung für die Kriege der 1990er Jahre weiterhin keine Vewrantwortung übernehmen will.

In der bosnisch-herzegowinischen Hauptstadt Sarajevo nach all den Erfahrungen der vergangenen Jahre ohnehin niemand mehr daran geglaubt, dass in Serbien und der serbischen Entität in Bosnien – der Republika Srpska – eine tiefgehende Diskussion über die Geschichte und die Rolle Mladićs stattfinden würde. Die Beerdigungszeremonie lenke nur von den Massengräbern ab, meinen einige der Kritiker wie Emir Suljagić, Direktor der Gedenkstätte für die Opfer in Srebrenica.

Die Beerdigungsfeierlichkeiten dienten den serbischen Nationalisten lediglich dazu, Mladić als einen Helden für die serbische Sache zu präsentieren – genauso wie der serbischen nationalistischen Führungsschicht in der Republika Srpska. Mladić, so die Erzählung. habe die Serben Bosniens vor den Feinden gerettet. Wenn aber Mladić als ein Kriegsverbrecher dastünde, würde damit zwangsläufig auch die Legitimität der Republika Srpska in Frage gestellt.

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Source: taz