Faultline Faultline Kommando 161

Germany · taz · · 2h

Fisch essen in Hamburg: Zwischen Schlager und Scholle

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F isch. Als Hanseatin mit Angelschein lege ich ihn euch ans Herz. Einmal pro Woche muss er auf den Tisch, allerdings nicht zwingend auf den eigenen. In meiner Kindheit, nach dem Einkaufen in der Innenstadt mit meiner Großmutter (als Altonaerin sagte sie „wir fahren in die Stadt“, womit sie Hamburg meinte, weil Altona ja bis 1937 gar nicht zu Hamburg gehörte), gingen wir früher entweder ins Alsterhaus, um Königinpasteten zu essen, oder zu Daniel Wischer, wo es Fischfrikadellen oder Matjes oder Scholle gab. Und Fassbrause.

Ich fand die Meereskost dort eher öde, daher führte ich diese Tradition in späteren Jahren nicht fort, aber Tex Rubinowitz isst, wenn in Hamburg, ja stets bei Wischer, findet das Lokal toll und versucht, uns immer wieder zu überreden, dort gemeinsam einzukehren.

Um es kurz zu machen: Ich kam heute dran vorbei, hatte Hunger und war neugierig, ob sich da inzwischen was verändert hat. Hat es nicht. Aber nennt mich nostalgisch – mir wurde warm ums Herz. Im gediegenen Ambiente genoss ich solide norddeutsche Küche, die ruppig serviert wurde (zwei Fischfrikadellen, drei Salatblätter, Kartoffelpürree auf einem separaten Teller, Mayonnaise muss man extra ordern: 90 Cent).

Mein Blick wanderte während des Essens immer wieder über die Fotogalerie an der Wand mit historischer Werbung und Bildern von Prominenten, die vor Konzerten oder Talk-Show-Auftritten bei Wischer eingekehrt waren, um sich eine Grundlage zu legen.

Wahnsinn. ANDREA BERG! Die dunkle Königin des Trennungs- und Fremdgehschlagers ist auch mal zu Gast gewesen. Ich verstehe nicht, warum sie nicht gleich für eine Werbekampagne des Traditionsbetriebs eingespannt wurde. Bodenständig und pumperlgsund, wie sie wirkt. Ich kann mir ihr Foto gut großflächig plakatiert vorstellen. Vielleicht im Anglerdress? Mit einem stattlichen Barsch auf dem Arm? Slogan natürlich: „Die Geflügel haben Schweigepflicht!“ Logisch.

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Source: taz