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Europameisterschaft im Cyclocross: Aus der Traum!

Radprofi Marie Schreiber fährt bei der Cross-EM das Rennen ihres Lebens. Weil die Jury sie auf Platz zwei setzt, bleibt sie der Siegerehrung fern. mehr...

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A ll diese Emotionen“, steht unter dem jüngsten Post im Instagram-Kanal von Marie Schreiber. Und: „Der größte Moment meiner Karriere.“ Eines der beiden Bilder dazu zeigt den Gefühlsausbruch der Radsportlerin aus Luxemburg, nachdem sie bei der Europameisterschaft im Cyclocross die Ziellinie als Erste überquert hatte. Auf dem anderen ist zu sehen, wie sie erschöpft, aber glücklich auf dem Herbstlaub neben der Strecke im niederländischen Zeddam liegt.

Europameisterin ist Marie Schreiber dennoch nicht. Weltmeisterin Lucinda Brand aus den Niederlanden wurde als Siegerin gekürt. Die Jury hatte beim Sprint der beiden eine Regelwidrigkeit erkannt. Schreiber soll Brand behindert haben. Das Ergebnis wurde korrigiert, die Niederländerin bekam das Europameisterinnentrikot und Schreiber sollte sich mit der Silbermedaille begnügen. Doch die 24-Jährige, die vor allem auf den Tragepassagen über eine lange Treppe allen Konkurrentinnen überlegen war, schwänzte die Siegerehrung. Auf den offiziellen Siegerinnenfotos waren nur zwei Profis zu sehen.

Die EM hatte damit einen Skandal. Es sei ihre Trainerin gewesen, die ihr geraten habe, die Siegerehrung aus Protest zu boykottieren, erzählte Schreiber später in der Mixed Zone. Es sollten ruhig alle mitbekommen, was ihr da widerfahren war. „Es ist respektlos, mir den schönsten Moment meiner Karriere zu rauben“, meinte Schreiber später im Interview beim belgischen Fernsehsender RTBF. „Ich wollte aufs Podium, aber nach dem, was sie mir angetan haben, habe ich lieber darauf verzichtet. Sie haben mich ungerecht behandelt.“

Die Entscheidung, Schreiber auf Platz zwei zurückzusetzen, hatte die Jury von sich aus getroffen. Es gab keinen Protest von Brand oder dem niederländischen Team. Brand selbst habe ihr gesagt, dass an ihrem Sprint nichts auszusetzen gewesen sei, meinte Schreiber noch. Hilft alles nichts. Die Jury war der Meinung, Schreiber habe die Linie verlassen und damit ihre Konkurrentin im Sprint behindert. In der Tat hatte sie während des Sprints noch einmal geschaltet und dabei leicht nach links gesteuert.

Genug für eine Relegation auf Platz zwei? Wenn das EM-Rennen der Frauen der Maßstab für Juryentscheidungen werden sollte, müsste bei fast jedem Zielsprint das Klassement neu sortiert werden. Nicht der kleinste versehentliche Schlenker wäre mehr erlaubt. Marie Schreibers Meinung ist eindeutig. Die Radsportverbände redeten ständig von sauberem und fairem Sport, sagte sie und fragte: „Und das ist, was sie tun?“

Marie Schreiber war auch deshalb so entsetzt von der Juryentscheidung, weil sie in Bestform zum Rennen angereist ist. Vor der EM hatte sie in dieser Saison sieben Cyclocross-Rennen bestritten. Fünf davon hat sie gewonnen. Den sechsten Sieg hat man ihr nun genommen.

Und jetzt wartet noch eine Juryentscheidung auf sie. Der Europäische Radsportverband UEC wird Schreiber wohl zu einer Geldstrafe verdonnern, weil sie die Siegerehrung boykottiert hat. „Das werde ich auch noch akzeptieren“, so Schreiber. Am Ende wird sie nach einem wirklich starken Rennen hochoffiziell als schlechte Verliererin in die Geschichte dieser EM eingehen.

Immerhin gehören ihr die Herzen der Fans. Vielleicht sollte sie in den nächsten Tagen noch ein paar Mal die Kommentare unter ihrem Instagram-Beitrag lesen. Für ihre Fans ist sie die Europameisterin. Zu denen gehört natürlich auch ihre niederländische Teamkollegin im Rennstall SD-Worx. Der Kommentar der besten Sprinterin im Profizirkus: „Champion! Da kommt noch mehr.“

Originally published bytaz
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