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Germany · taz · 2h

EU und Grönland: Auf der Suche nach einem Platz an der nordischen Sonne

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Die EU baut ihre Zusammenarbeit mit Grönland weiter aus. Bei einem Besuch in der grönländischen Hauptstadt Nuuk kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Montag ein neues Investitionsprogramm im Wert von 200 Millionen Euro an.

Das Geld soll die Erschließung kritischer Rohstoffe sowie den Ausbau von sicheren Internetverbindungen über Satelliten und Unterseekabel voranbringen. Einen Teil der Mittel will die grönländische Regierung zudem nutzen, um ihre lokale Verwaltung auszubauen. Außerdem geht es um nachhaltigen Tourismus und Wohnungsbau.

„Grönland kann auf die EU zählen“, sagte von der Leyen. Die Arktis-Insel sei ein „strategischer Alliierter und ein vertrauenswürdiger Freund“. Sie betonte das Selbstbestimmungsrecht Grönlands und warnte US-Präsident Donald Trump vor einer Annexion. „Über die Zukunft Grönlands entscheiden die Menschen in Grönland und Dänemark. Niemand sonst.“

Ähnlich äußerte sich Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen. Das neue EU-Programm werde die vor 40 Jahren geschlossene Partnerschaft „auf das nächste Level“ heben, sagte sie. Grönland brauche die EU, und die EU brauche Grönland, sagte die sozialdemokratische Politikerin.

Allerdings ist der Beziehungsstatus kompliziert. Grönland hat sich 1985 offiziell von der Europäischen Gemeinschaft (EWG, heute EU) abgewandt. Zur EU gibt es nur ein loses Band – über Dänemark, zu dem Grönland als autonome Region zählt. Neuerdings suchen die Grönländer aber wieder die Nähe der Europäer – wegen US-Präsident Trump. Dieser hatte Anfang des Jahres erneut Besitzansprüche auf Grönland erhoben und der EU mit Sanktionen gedroht. Der Streit drohte zu eskalieren, als mehrere EU-Länder – darunter Deutschland – einige Soldaten auf die Insel schickten. Die Lage hat sich erst nach Vermittlung von Nato-Generalsekretär Mark Rutte etwas beruhigt.

Allerdings hat Trump seinen Anspruch zuletzt wieder bekräftigt. Die Gespräche zwischen Grönland, den USA und der Nato haben noch keine Einigung erbracht, der Status der Insel ist weiter umstritten. Gleichzeitig hat sich das imperiale Ringen um die Arktis, an dem auch Russland und China beteiligt sind, intensiviert. Die EU droht ins Hintertreffen zu geraten – zumal sich Island vor einer Woche in einem Referendum gegen Gespräche über einen EU-Beitritt entschieden hat. Dies war ein herber Rückschlag für die Erweiterungs-Agenda der EU, aber auch für die Arktis-Politik, die durch den Klimawandel ständig an Bedeutung gewinnt.

Das ewige Eis schmilzt – und macht neue Seewege durch die Arktis und den Zugriff auf kritische Rohstoffe in Grönland frei. Nun sucht nicht nur Trump, sondern auch von der Leyen einen Platz an der nordischen Sonne. Allerdings lässt die angekündigte neue Arktis-Strategie der EU auf sich warten. Die letzte Fassung stammt aus 2021. Immerhin haben sich die EU, Grönland und Dänemark auf eine gemeinsame Erklärung geeinigt, in der sie die engen historischen und politischen Bande betonen. Auch die Arktis wird in dem Text erwähnt, aber nur am Rande. Zum Schluss betonen die Partner, dass die Erklärung keinerlei rechtliche oder finanzielle Bindewirkung habe.

Grönland hält sich damit alle Optionen offen, während Dänemark mehrgleisig fährt: In Nuuk sprach Frederiksen nicht nur über die EU, sondern auch über die Nato. Zudem betonte sie, dass Dänemark auch mit den USA enger zusammenarbeiten wolle – trotz Trumps Drohungen sehe sie die größte Gefahr in Russland.

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Source: taz