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EU-Beitrittskandidat Montenegro: Die orthodoxe Kirche wurde zum Handlanger der Politik

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H alleluja, so viel Aufmerksamkeit und Anteilnahme hätte Ratko Mladić wohl gefallen. Der kürzlich verstorbene bosnisch-serbische Ex-General und von einem internationalen Gericht rechtskräftig verurteilte Kriegsverbrecher mischt posthum auch die exjugoslawische Republik Montenegro auf.

Ausgerechnet ein hochrangiger Würdenträger der in Montenegro sehr einflussreichen Serbisch-Orthodoxen Kirche konnte das (Weih-) Wasser nicht halten und lobpreiste bei einem Gottesdienst Mladić, den viele Menschen immer noch als „serbischen Helden“ verklären. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt Podgorica gegen den Gottesmann – wegen Aufstachelung zu nationalem, rassischem und religiösem Hass.

Die Vorwürfe und Anschuldigungen sind alles andere als abwegig. Denn Mladić wird auch die Verantwortung für das Massaker in Srebrenica zugeschrieben. Dort wurden im Juli 1995 über 8.000 muslimische Jungen und Männer kaltblütig abgeschlachtet – eines der monströsesten Verbrechen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit diesem und anderen Gräueltaten während der Jugoslawienkriege steht – nicht nur in Serbien – bis heute aus.

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Doch das Problem geht weitaus tiefer. Viele orthodoxe Kirchen sind zu Handlangern einer nationalistischen und menschenverachtenden Politik ihrer jeweiligen Regierungen geworden. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Russisch-Orthodoxe Kirche unter ihrem Oberhaupt Kirill, die auch zu ihrem serbischen „Ableger“ engste Beziehungen unterhält.

Der Moskauer Patriarch unterstützt vorbehaltlos Wladimir Putins völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Auslöschung eines Volkes im Namen den Herrn und in der Priesterrobe – noch Fragen? Eben.

Für Montenegro, seit 2017 Mitglied der Nato, kommt die Auseinandersetzung über Mladić und sein „Erbe“ zur Unzeit. Das Land mit knapp 630.000 Ein­woh­ne­r*in­nen schickt sich an, möglichst schon 2028 Mitglied der Europäischen Union zu werden.

Die Chancen auf einen baldigen Beitritt des Musterschülers und „Frontrunners“ auf dem Westbalkan stehen nicht schlecht, allein beim wichtigen Kapitel „Justiz“ hapert es noch.

Dummerweise ist die Causa Mladić auch in der Politik angekommen. Ein Parlamentsabgeordneter sowie der Präsident der Volksvertretung konnten ebenfalls nicht umhin, Mladić ihren Respekt und ihre Ehrerbietung zu zollen. Entsprechende Rücktrittsforderungen sowie Strafanzeigen sind mittlerweile anhängig. Wie das Ergebnis lauten wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Eines jedoch steht fest: Brüssel wird und muss die weitere Entwicklung genau beobachten. Wegsehen gilt nicht, zumal ja auch noch andere Kandidaten aus der Region in der Warteschleife stehen.

Wie heißt es immer so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt, der Glaube vielleicht auch.

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Source: taz