Faultline Faultline Kommando 161

Germany · taz · · 1h

Elektronische Orgelmusik in Berlin: Im Maschinenraum des Sounds

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Wenn die Jehmlich-Orgel im Konzerthaus gespielt wird, erklingen oft Konzerte von Mozart, Bach oder Brahms, manchmal auch von Arvo Pärt, gespielt von renommierten Solist*innen. Beim diesjährigen Aggregate Festival steuern jedoch Softwares die Pfeifenorgel und spielen Kompositionen von Laurie Spiegel, Seth Horvitz, Phillip Sollmann, Konrad Sprenger und dem Duo Gamut Inc, bestehend aus Marion Wörle und Maciej Sledziecki.

Wörle und Sledziecki sind auch die Veranstalter von Berlins jährlichem Festival für neue Musik und computergesteuerte Pfeifenorgel. Für ihr fünfjähriges Jubiläum haben sie eine besondere Neuheit mitgebracht. Die hunderte Jahre alte Orgel des Konzerthauses bekommt ein Upgrade; sie wird modernisiert und zur sogenannten Hyperorgel umgebaut. Erstmals lässt sie sich über eine Midi-Schnittstelle komplett selbstständig und direkt über einen Computer steuern.

Das Ganze sieht erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig aus. Der Spieltisch der Orgel steht auf der Bühne bereit, aber niemand bedient ihn. Stattdessen sitzen sich Gamut Inc an zwei Laptops gegenüber, scrollen gelegentlich und wippen mit den Köpfen zur Musik. Sie haben von der Komponistin Laurie Spiegel die Stücke „East River Dawn“ und „Drums“ aus ihrem Album „The Expanding Universe“ mitgebracht und für die Konzerthausorgel adaptiert. Aber auch ihre speziell angefertigte, winddynamische Pfeifenorgel „Black Square“ kommt zum Einsatz.

Spiegels vielschichtig gewebter Klangteppich dehnt sich als erste musikalische Darbietung am Eröffnungsabend aus, das Atmen der Pfeifenorgel verliert hier und da seinen typischen Charakter; das Elektronische gewinnt die Überhand. Getaktete Triolenabläufe greifen wiederholt ineinander, erfinden sich neu und finden sich wieder. Mal schneller, mal langsamer, gänzlich unaufhaltsam schieben sich die Harmonien nach vorne.

Seth Horvitz, dessen Künstlername Rrose ist, übernimmt vor der Pause mit „studies for automated pipe organ“, seiner Uraufführung. Er sitzt am Spieltisch im ersten Rang, spielt ihn jedoch nicht. Sein Rücken ist dem Publikum zugekehrt, als sich die eindringliche Chromatik über den Saal des Konzerthauses ergießt. Immer höher klettern die Töne, bis es zu einem abrupten Ende kommt. Der Künstler erklärt nach dem Applaus, die Orgel sei ihr neues Dasein als elektronisches Musikinstrument noch nicht gewöhnt und mache manchmal komische Dinge, sie müsse neu hochgefahren werden.

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Source: taz