Faultline Faultline Kommando 161

Germany · taz · · 1h

Die Wahrheit: So schnell kann es gehen

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Jetzt ist es raus: Wir werden es nicht mehr schaffen bis zum Tag der Deutschen Einheit. Ob Ost, ob West, ob unvereint oder unerwartet vereint – wir kommen bis zum Samstag, dem 3. Oktober, nicht mehr zusammen, egal, wie dolle lieb wir uns plötzlich alle doch noch haben sollten, egal, wie wer was gewählt hat oder nicht oder haben wird. Denn, so hat es uns kürzlich der noch frisch geschlüpft wirkende britische KI-Entwickler Jacob Coxon aus den von oben bis unten und nach rechts sowie links total Unvereinigten Staaten sinngemäß im Werbeauftrag seines alten wie vielleicht auch neuen Arbeitgebers Anthropic getweetet: Bis Freitag in einer Woche, wörtlich: „bis zum Ende der Dekade“, sind wir nach Adam-und-Eva-KI-Riese wohl alle mausetot. Also spätestens am 25. September. Denn eine Dekade, das sind auf der Kurzstrecke des Lebens nur ganze zehn Tage oder in Papier ausgedrückt: zehn Bogen davon und nicht zehn Jahre Print.

Warum das so ist? Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin, denn die Risiken und Nebenwirkungen von künstlicher, kurz K, und Intelligenz, kurz I, sind uns allen hinlänglich bekannt, da braucht es kein Fachpersonal mehr für die Aufklärung. Wo kämen wir bloß hin, nicht nötig, da haben wir doch alle längst unsere fundierte Meinung dazu. Stopp, Spaß beiseite! Es ist schon ernst. Denn unsere letzten, globalgemeinsamen zehn Tage werden hart. Wir gehen da zusammen durch, okay?

Punkt eins auf der Dekaden-Agenda der KI-Agenten … – Agentinnen scheint es noch keine zu geben, warum eigentlich? WeggeKIckt von dicken, alten weißen Agenten mit der Nummer 01017? Wahrscheinlich. Also Punkt eins: Pleite werden wir alle schon, je nach Kontostand oder Sparstrumpf, sofort, also am Dienstagabend oder spätestens Donnerstagfrüh dieser Woche sein. Warum? Ganz einfach, die, in welcher Programmierbude auch immer, ausgebrochenen Agenten wildern wie wild ab dieser Sekunde in jeglichem nur denkbaren Bestell- und Lieferservice dieser ungeschützt analog tickenden Welt herum.Einmal eine Pizza Hawaii und einen schicken Sportschuh beim flinken ZalandoeatsUber bestellt? Oder nur darüber nachgedacht und dann noch nicht gemacht, weil wahlweise kein Geld dafür oder leckeres Essen einfach selbst gekocht oder eben in den ausgetretenen Latschen weitergelaufen?

Tja. Am Mittwoch sind jedenfalls für jeden und jede von uns je mindestens 345.890.115 Pizza Hawaii bestellt, abgebucht, aber nicht ausgeliefert an unsere jeweilige Wunschnachbaradresse. Sauerei, Geld weg, Ware nicht geliefert, das ist der wahre KI-Skandal 2.0! Und wir alle müssen trotz dieses unfassbaren Betrugs, Stand eben gerade sind wir 8.316.484.534 Milliarden Menschen, den Löffel abgeben. Nicht schön. Und es kommt noch härter.

Nicht nur, dass wir ab übermorgen sämtlich alle pleite sind. Wir werden auch nichts mehr zu lachen haben! Und das ist noch schlimmer, als nichts zu essen zu haben. Viel schlimmer! Zu trinken soll es wohl noch bis zum Wiesnbier-Anstich am kommenden Samstag geben – da können wir noch ein paar wenige Tage auf die KI zählen. Aber ab Montagfrüh wird auch hier Schluss sein, kein Wunder, denn so viel wie auf dem Münchner Oktoberfest am ersten Wiesnwochenende gestrullert wird, da kommt keine KI mit Biernachschub hinterher.

Deshalb, so lautet im Übrigen die apokalyptische Vorhersage von KI-Coxton, wird das Anthropic-Sprachmodell Claude am nächsten Montag, sprich nach den Wahlen in Meck-Pomm und Berlin, weltweit „an der technologischen Grenze“ Bier, Wein, Softdrinks und andere Quellen abknipsen. Das ist natürlich ganz schlimm, weil, wir erinnern uns: Spätestens diesen Donnerstag in der Früh sind wir sämtlich pleite; sehr bald ist der Kühlschrank leer, und die Pizza Hawaii kommt auch nicht wie nicht bestellt. Mit anderen Worten – wir sind heillos verratzt.

Was können wir dagegen tun? Gibt es Licht am Ende des KI-Tunnels, der aber nur einen Eingang und eben keinen Ausgang hat? Wo bleibt die kühle Analyse? Fragen über Fragen. Claude?! Sind Sie das? Gibt es einen Hilfe-Button? Ende.

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Source: taz