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Germany · taz · · 2h

Die Wahrheit: Keine Babys zum Frühstück

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Am Dienstag dieser Woche wurde Seine Königliche Hoheit Prince George Alexander Louis of Windsor in Eton eingeschult. Der 13-jährige künftige Thronfolger geht nun auf eine Schule, die sein Vater Prince William bereits besucht hat – wie auch viele Adlige, Politiker oder Prominente. Das im Jahr 1440 von König Heinrich VI. gegründete Eton College gilt als Kaderschmiede der britischen Elite und nennt einige sehr seltsame Traditionen sein Eigen, die Prince George beachten sollte, um den gewissenhaften Fortgang seiner Bildung nicht zu gefährden. Die Wahrheit listet hier die 13 wichtigsten Etonian Rules und Strafen für Verstöße auf.

Dem Käseliebhaber und ersten Premierminister des Vereinigten Königreichs Sir Robert Walpole (1676–1745) verdanken die Eton-Eleven die Order, dass jeder Neuankömmling ein Stück Cheddar unter sein Bett nageln muss, wo der Käse eine Woche hängen soll. Bei Zuwiderhandlung muss der Deliquent vor der versammelten Schule das lyrische Werk „A Gest of Robyn Hode“ auswendig aufsagen, das als längste Ballade der englischen Literatur gilt.

Auf den Schriftsteller Simon Raven (1927–2001) geht das ungeschriebene Gesetz zurück, dass beim gemeinsamen Frühstück im zentralen Speisesaal keine Babys gegessen werden dürfen. „Babys“ werden die eigenen Popel genannt; die von Mitschülern zu verspeisen, ist hingegen erlaubt.

Mädchen werden nur „Rose“ genannt. Es sei denn, es sind Bedienstete, dann heißen sie „Ruby“. Sie dürfen auf keinen Fall angesprochen werden, nur angelächelt. Verstößt jemand gegen diese eiserne Regel, muss er für einen Tag „Hangmans Slip“ tragen, eine stählerne Unterhose aus dem 16. Jahrhundert, die bei jedem Schritt klirrt.

Der als „Wild Etonian“ bekannte Brexit-Premier Boris Johnson (1964–…) belebte eine Tradition aus dem 17. Jahrhundert wieder, dass nämlich bevor das Abendbier getrunken wird, man in seinen eigenen Humpen spucken muss. Wer es nicht tut, muss das Pint herumreichen, um den Speichel der anderen einzusammeln.

Das Lieblingsgetränk der Etonians heißt „Nasser Hund“ und wurde erstmals von dem Alumni Ian Fleming (1908–1964) gemixt. Die genauen Ingredienzien sind unbekannt, der Drink soll aber aus Gin mit Achselschweiß bestehen. Wer ihn verschüttet, muss ihn vom Boden auflecken.

Dem Schauspieler Hugh Laurie (1959–…) haben Eton-Zöglinge eine der erbarmungslosesten Strafen zu verdanken. Wer Hand an sich legt und erwischt wird, erhält als Buße sonntägliches „Barnaby“-Gucken. Eine Folter aus vorelisabethanischen Zeiten, bei der ein bis zur Besinnungslosigkeit langweiliger Kriminalinspektor in provinziell öden Fernsehfällen ermittelt, die stundenlanges Bauchweh verursachen.

Eine der für den jungen Prinzen wichtigsten Regeln lautet: Wer wider den König flucht, muss Bettelmann werden und eine Nacht im Eton-eigenen Schweinestall schlafen.

Der Romancier Anthony Powell (1905–2000) ist schuld an einer besonderen Sporttradition: Beim Rugby kein Blumenkohlohr davonzutragen, gilt als Schande ersten Grades. Notfalls wird, wie bei Powell erstmals, mit einer sogenannten „Schelle“ das Ohr bis zur Vornehmheit malträtiert.

Beim traditionellen „Untertauchfest“ am 1. November werden Erstjährlinge mit dem Kopf in einen „God“ genannten Bottich mit übers Jahr gesammelten Pferdeäpfeln getunkt. Es handelt sich dabei um das berühmte „Döppen“, das auch genauso ausgesprochen wird und auf eine royale Tradition des Königshauses mit seinen deutschen Wurzeln im viktorianischen Zeitalter zurückgeht.

Besonders wichtig! Wer einen Lehrer nicht mit „Sir“ anredet, wird mit Brennesselpeitschen durch den Schlafsaal aufs Dach gejagt, wo der Zögling die Nacht verbringen muss, ohne sein Wasser abschlagen zu dürfen.

Auf die Zeit des späteren Schriftstellers George Orwell (1903–1950) in Eton zurückzuführen ist eine der gefürchtetsten Strafen des College: Wer sonntags den Gottesdienst verpasst, muss montags zum „Tea with the vicar“, einer ebenso geheimnisvollen wie unappetitlichen Sportübung.

Eine noch sehr moderne Regel lautet: Wer dem geheimnisumwitterten „Club der Wintersportler“ beitritt, sollte mit silberner Nase geboren sein. Andernfalls wird es teuer, all das weiße Pulver für die Kommilitonen zu besorgen.

Als eines nach heutigen Erziehungsmaßstäben zur schwarzen Pädagogik zählendes Ritual gilt der sogenannte „Kokosnusserlass“ aus dem 19. Jahrhundert. Jeder Schüler muss mindestens einmal am Tag ein Wortspiel mit „Butt“ und „Coconut“ bilden. Bei Nichtbefolgen ist der Übeltäter angehalten, Liedgut zum Besten geben, das in etwa vergleichbar ist mit Mallorca-Schlagern wie „Finger im Po Mexiko.“

Ob der kleine Prinz George das Eton College trotz all dieser mysteriösen und durchaus auch grausamen Regeln unbeschadet übersteht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Allerdings sind die meisten Eton-Absolventen berühmt-berüchtigt für ihren Riesenhau.

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Source: taz