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Germany · taz · · 2h

Deutsches Team bei Basketball-WM: „Wir spielen besser, als wir sind“

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Lange konnten sich die deutschen Spielerinnen nicht ausruhen. Nach dem deutlichen Sieg gegen Mali (83:58) am Montag folgte am Dienstag direkt das K.-o.-Spiel gegen Südkorea und die Entscheidung, wer ins Viertelfinale einziehen darf – und wer aus dem Turnier fliegt.

Dass diese dann doch so eindeutig ausfällt, hatten sie vermutlich nicht gedacht. 94:56 für das deutsche Team heißt es am Ende auf der Anzeigetafel in der Berliner Uber-Arena. Deutschland steht zum ersten Mal in der Geschichte des Frauenbasketballs in einem WM-Viertelfinale und kann sich zu den Top 8 der Welt zählen – sieht man von dem kaum bekannten Fakt ab, dass die Auswahl der DDR 1967 WM-Vierte wurde.

Es ist in der Halle richtig zu spüren, wie der Druck nach Abpfiff von den Spielerinnen abfällt. Fast möchte man meinen, sie hätten die WM schon gewonnen, so ausgelassen, wie sie sich von den knapp 50 „Ultras“ in der Fankurve bejubeln lassen. Sogar die Pressekonferenz verschiebt sich mit der Begründung nach hinten, das Team feiere noch.

Es ist ein verdienter Sieg für die Mannschaft, die zunächst mit einer deutlichen Niederlage gegen Spanien in das Turnier gestartet war. Doch nun ist es wieder da, die Spielerinnen strotzen nur so vor Selbstbewusstsein, obwohl der Tag mal wieder mit einem Feueralarm im Hotel begonnen hatte, schon der zweite während des Turniers.

Doch von Müdigkeit oder Nervosität ist am späten Abend auf dem Parkett nichts mehr zu spüren. Das deutsche Team beginnt stark, geht sofort in Führung und gibt diese bis zum Ende nicht mehr ab. Es ist vor allem die harte, konsequente Verteidigung, die Trainer Olaf Lange später lobt, die die durchschnittlich kleineren und schnellen Koreanerinnen kaum zum Korb ziehen lässt. Deren Taktik, es stattdessen mit Dreiern und Würfen von außen zu versuchen, scheitert ebenfalls. Die Körbe scheinen bald nur noch für die Deutschen zu fallen. „Player of the Game“ wird am Ende Marie Gülich, die insgesamt 19 Punkte macht. Es hätte aber genauso gut Leonie Fiebich mit ihren 11 Rebounds sein können. Und dann sind da noch Frieda Bühner, Luisa Geiselsöder und Nyara Sabally, die alle auch zweistellig punkten.

Das deutsche Team hat gezeigt, dass es weiter im Turnier bleiben will. Und kann. Gerade Newcomerin Bühner ist jetzt schon mit einem Schnitt von 15,3 Punkten pro Spiel Topscorerin ihrer Mannschaft. Und weiß, dass es wichtig ist, „im Moment zu bleiben“, wie sie selbst nach dem Spiel sagt. Gar nicht so einfach bei so viel Euphorie.

Doch der nächste Gegner ist nicht irgendwer, sondern der amtierende Europameister Belgien. Ebendieses Belgien, gegen das das deutsche Team schon bei der EM vergangenes Jahr im Viertelfinale verloren hat. Denn Belgien ist ein harter Gegner. Ein Gegner mit erfahrenen Spielerinnen wie Basketball-Legende Emma Meesseman, übrigens auch ein Idol der jungen Frieda Bühner, die nun gegen sie auflaufen wird.

Doch das belgische Spiel dreht sich nicht nur um Meesseman, da sind unter anderem noch die WNBA-Spielerinnen Julie Allemand und Kyara Linskens, die wissen, wie mit Drucksituationen umzugehen ist. In der Vorrunde haben die Belgierinnen alle Spiele gewonnen. Durch die direkte Qualifikation fürs Viertelfinale hatten sie somit, im Gegensatz zum deutschen Team, einen zusätzlichen Ruhetag.

Und nicht nur das. Belgien ist ein Team, das liefern will. Nachdem es 2025 den Europameistertitel zum zweiten Mal in Folge gewonnen hat und bei den letzten Weltmeisterschaften „nur“ den 4. und 5. Platz belegte, ist Belgien heiß auf den Titel und wird sich nicht einfach geschlagen geben. Andererseits: Beim vorletzten Aufeinandertreffen bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 gewann das deutsche Team.

„Die Belgierinnen sind super smart“, sagt Bühner. Das Viertelfinale werde eine komplett neue Herausforderung. Und für Coach Lange sieht das Spiel der Belgierinnen immer ein wenig aus „wie bei einem Videospiel“. Trotzdem könne man gewinnen, wenn man diszipliniert und guten Basketball spielt. Gepaart mit den Glauben an die eigene Stärke und mit einer Verteidigung, wie man sie im Spiel gegen Korea durchgezogen habe, können Synergien entstehen, glaubt Lange. Mit Ergebnissen, die man nicht für möglich gehalten habe. Er stockt kurz, bevor er es ausspricht: „Wir spielen jetzt in manchen Bereichen besser, als wir sind.“ Weil die Verbundenheit und das Selbstbewusstsein im Team in den letzten Tagen durch die Siege gegen Japan, Mali und nun Korea stark gewachsen sei.

Mental scheint das deutsche Team also schonmal perfekt vorbereitet fürs Viertelfinale. Jetzt heißt es, Kräfte sammeln. Wenn wirklich alles passt am Donnerstag, könnte die Sensation sogar gelingen. Wenn.

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Source: taz