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Derby im Frauenfußball: Die Teuersten im Norden
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Friederike „Fritzy“ Kromp stammt aus Würzburg, gleichwohl hat die Trainerin in ihrem zweiten Bremer Jahr verinnerlicht, was beim SV Werder wirklich zählt: das Nordderby gegen den Hamburger SV zu gewinnen. Bei Männern wie Frauen.
Bereits 25.000 Tickets sind verkauft, wenn sich nun am vierten Spieltag der Frauen-Bundesliga die Nordrivalen (Freitag 18.30 Uhr, Magenta TV und DAZN) duellieren. Angesichts des prächtigen Rahmens steige die Vorfreude „von Stunde zu Stunde“, sagt Kromp, für viele Spielerinnen stehe „das größte Spiel in ihrem Leben“ an. Sie müsse irgendwie zusehen, mit ihrer Stimme durchzudringen, erklärt die 41-Jährige grinsend.
Es sei eine Herausforderung, „unter den besonderen Umständen die Leistung abzurufen, weil es nicht alltäglich ist“, erläutert Kromb, die auch als Fernsehexpertin bekannt wurde. Ihr Ensemble soll nach einem Umbruch mit der Japanerin Mei Shimada und den Belgierinnen Elena Dhont und Luna Vanzeir nach einem guten Start mit zwei Siegen bitte „99 Prozent der grün-weißen Energie nutzen“. Als Werder in der Vorwoche unglücklich beim Vizemeister VfL Wolfsburg (2:3) verlor, schauten 2.698 Besucher zu, was ungefähr dem Schnitt in Deutschlands höchster Frauenspielklasse entspricht.
Beim Nordderby aber ist die Kulisse fast zehnmal so groß. Für die um ihre Reputation ringende Liga helfen solche Highlightspiele, die Sichtbarkeit zu vergrößern und neues Publikum zu gewinnen. Die Brisanz wird zudem vergrößert, weil Kromps Gegenüber Rodolfo Cardoso sowohl für Werder als auch den HSV gespielt hat. Vor einem Jahr feierten 37.000 Besucher im Weserstadion Werders 2:0-Heimsieg. Nur gab es danach einige Verstimmung, weil Werder-Stürmerin Medina Desic eine Ehrenrunde mit einem HSV-Wappen auf einem Kothaufen drehte. In den sozialen Medien folgte ein Shitstorm.
Dabei kann man nicht gerade sagen, dass es an Herausforderungen in der Frauen-Bundesliga mangelt. Das spürt auch Werder Bremen gerade. Trotz der Erhöhung des Etats für die Frauenabteilung auf 3 Millionen Euro wechselte mit Lina Hausicke die langjährige Kapitänin noch auf den letzten Drücker zu Union Berlin. Wochenlang hatte die 28-Jährige auf ihren Wunsch nach Veränderung gepocht. Bei einer niedrigen sechsstelligen Ablöse willigte Werder am Deadline-Day ein. „Unfassbar schade und bitter“, nennt Fritzy Kromp den Weggang der Mittelfeldspielerin, doch es sei ja ein offenes Geheimnis, dass Spielerinnen bei Union „in komplett anderen Dimensionen“ verdienen könnten.
Dominik Kupilas, Werders neuer Leiter für Frauenfußball und Internationalisierung, fühlt sich in seiner These bestätigt, dass in Zukunft auch Ablösesummen für „andere wirtschaftliche Hebel sorgen“. Langfristig ist für ihn der Frauenfußball mit so „viel Potenzial ausgestattet, dass er auch profitabel sein wird“. Bremen soll bei dieser Entwicklung „ein Stück weit auch Vorreiter sein“.
Werder ist seit bald 20 Jahren in der Bundesliga dabei, während der Hamburger SV seine Frauen 2012 aus Kostengründen abgemeldet hatte. Nach dem Aufstieg 2025 werden allerdings auch an der Elbe die Anstrengungen intensiviert.
Interessant ist eine Studie der HHL Leipzig Graduate School of Management. Die hat errechntet, dass ein investierter Euro im Frauenfußball im Schnitt 106-mal mehr sportlichen Erfolg als derselbe Euro im Männerfußball bringt. Der Kaderwert sei bei den Frauen noch viel mehr ein Indikator für sportlichen Erfolg. Die Botschaft für Investoren: Im Frauenfußball trifft niedriger Kapitaleinsatz auf hohe sportliche Wirkung. Aber offenbar hat sich das in Deutschland noch nicht genug herumgesprochen, sonst würde international nicht der Bedeutungsverlust drohen.
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Source: taz