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Brics-Gipfel in Delhi: Nicht westlich, aber nicht gegen den Westen

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Indiens Hauptstadt Delhi hat sich in eine Festung verwandelt, denn an diesem Wochenende haben sich die Staats- und Regierungschefs der sogenannten Brics-Staaten angekündigt. „Nicht westlich, aber nicht antiwestlich“, so beschreibt der indische China-Experte Srikanth Kondapalli das Bündnis. Und seine Worte fassen den Widerspruch ganz gut zusammen. China und Russland wollen den Einfluss westlich dominierter Institutionen zurückdrängen. Indien beharrt auf strategischer Eigenständigkeit und sucht engere Beziehungen zum Westen. Gleichzeitig sind Schwellenländer auf Wachstum und Exporte in die USA und nach Europa angewiesen.

Wie diese unterschiedlichen Interessen zusammenpassen, wird sich jetzt beim 18. Gipfeltreffen zeigen. Indiens hindunationalistischer Premierminister Narendra Modi trifft dabei auf Chinas Staatschef Xi Jinping, der erstmals seit sieben Jahren Indien besucht. Erwartet werden zudem Russlands Präsident Wladimir Putin, Irans Präsident Massud Peseschkian sowie UN-Generalsekretär António Guterres. Unter den wenigen Frauen ist auf der Gästeliste Ugandas Vizepräsidentin Jessica Alupo. Uganda ist Brics-Partner, aber kein Mitglied.

Seit den Anfängen vor 20 Jahren hat sich Brics stark verändert. Aus der informellen Gruppe Brasilien, Russland, Indien und China wurde ein Bündnis mit elf Mitgliedern, der Entwicklungsbank NDB und zehn Partnerstaaten. Die Brics-Staaten stellen knapp die Hälfte der Weltbevölkerung und laut Angaben der indischen Präsidentschaft rund ein Viertel des Welthandels. Indien und China sehen das Bündnis zudem als Plattform, um sowohl sich als auch dem Globalen Süden mehr Einfluss zu verschaffen.

Brics-Staaten stellen knapp die Hälfte der Weltbevölkerung

In Delhi wird es deshalb um Handel und Investitionen, Technologie, Energie- und Ernährungssicherheit sowie resilientere Lieferketten gehen. Zu den Vorhaben gehören ein Start-up-Netzwerk oder ein Innovationsfonds. Weniger in US-Dollar zu handeln, steht offenbar auch zur Debatte. „Das kurzfristige Ziel ist, die Abwicklung in lokalen Währungen voranzutreiben“, sagte Tianjiao Jiang von der Fudan-Universität der taz. Trotz starken Wachstums mache der Handel innerhalb der Brics-Staaten noch immer nur rund 5 Prozent des Welthandels aus, sagt Kim Catechis vom Franklin Templeton Institute. Das zeige „erhebliches ungenutztes Potenzial“.

Für Xi geht es um das Verhältnis zum Gastgeber. Die vorsichtige Annäherung zwischen Indien und China begann beim Brics-Gipfel 2024. Damals trafen Xi und Modi erstmals seit fünf Jahren wieder formell aufeinander. Seither wurden Dialogkanäle wiederbelebt, Direktflüge und Touristenvisa wieder aufgenommen und Investitionsbeschränkungen gelockert.

Von einer vollständigen Normalisierung könne aber noch keine Rede sein, sagt Kondapalli. Nach dem tödlichen Zusammenstoß im Galwan-Tal 2020 hatte Indien chinesische Investitionen stark eingeschränkt. Eine umfassende militärische Deeskalation steht weiter aus. Auch das indische Handelsdefizit gegenüber China und der gegenseitige Marktzugang dürften bei den Gesprächen eine Rolle spielen. Xis Teilnahme sei zugleich ein Signal, Brics als internationale Plattform auszubauen, sagt Jiang. China übernimmt 2027 den Vorsitz. Trotz Konflikten sei es für China, Indien und Russland „essenziell, sich vor einem größeren geopolitischen Hintergrund zu koordinieren“. Die Zusammenarbeit könne zum Motor für Brics werden.

Zum Testfall könnte der Irankrieg werden. Mit Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten gehören zwei Staaten dem Bündnis an, deren Beziehungen schwer belastet sind. Zugleich treffen steigende Energie-, Lebensmittel- und Düngemittelpreise gerade die Länder des Globalen Südens, sagt Kondapalli. Eine Brics-Erklärung allein werde den Krieg kaum beeinflussen, solange die USA und Israel nicht am Tisch säßen. Dennoch wird Indien versuchen, eine Abschlusserklärung zu erreichen.

Indien hat seinen vierten Brics-Vorsitz unter das Motto „Resilienz, Innovation, Kooperation und Nachhaltigkeit“ gestellt. Der Gipfel dürfte zeigen, ob aus dem gewachsenen politischen Gewicht mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit entsteht und wohin sich das Bündnis dieser sehr unterschiedlichen Staaten entwickelt.

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Source: taz