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Bodenschätze Simbabwes: Das Lithium unter ihrem Land
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Nach dem Läuten der Schulglocke machte John Tauya sich auf den Weg in sein Heimatdorf Mukwasi in der Provinz Manicaland, ganz im Osten Simbabwes. Er freute sich auf warme Maiskolben und Kürbisblätter mit Maisbrei, in der lokalen Shona-Sprache Sadza genannt. Danach wollte er sich in seiner Hütte ausruhen. Doch als der Schüler das Grundstück seiner Familie erreichte, sah er nur einen Haufen Trümmer.
Dort, wo das Haus gestanden hatte, war nichts mehr. „Es fühlte sich an, als wäre ein Teil von mir weggerissen worden“, sagt er später. Fremde hätten ihm gesagt, er befinde sich auf „Privatgrund“. John ging, ohne zu wissen, wo er seine Eltern finden konnte, von denen er sich eine Erklärung erhoffte.
In Simbabwe vergibt die Regierung zunehmend sogenannte Exclusive Prospecting Orders (EPOs). Sie geben Bergbauunternehmen oder Einzelpersonen das exklusive Recht, in einem festgelegten, oft riesigen Gebiet nach bestimmten Rohstoffen zu suchen. Das Kürzel EPO klingt harmlos, für die betroffenen Dorfgemeinschaften kann die Wirkung jedoch der einer Atombombe gleichen. In kürzester Zeit können Hoffnungen, Häuser und Lebensgrundlagen ausgelöscht werden.
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Chinas grüne Wende hat zahlreiche chinesische Bergbaufirmen und Investoren nach Simbabwe geführt. Das afrikanische Land verfügt über große Rohstoffvorkommen, zugleich sind staatliche Strukturen schwach und Korruption ist weit verbreitet. Mit den EPOs in der Hand suchen chinesische Unternehmen nach Metallen, Mineralien und anderen Rohstoffen, beispielsweise Lithium. Werden sie fündig, können sie Bergwerke errichten. Auch dort, wo seit Generationen Menschen leben und Landwirtschaft betreiben.
Genau das geschah bei der Sabi-Star-Mine, einem mehrere Millionen Dollar schweren Lithiumprojekt in Manicaland. Für die Mine wurden 41 Familien aus Mukawasi Village von ihrem angestammten Land vertrieben, ohne vorherige Warnung oder öffentliche Bekanntmachung. Eine von ihnen war die Familie von John Tauya. Der stand kurz davor, seinen ersten Schulabschluss zu machen, und wollte danach auf eine weiterführende Schule gehen. Doch nachdem das hinter der Mine stehende chinesische Unternehmen Max Mind Investments 2022 seine Familie vertrieben hatte, war seine Zukunft ungewiss.
„Ich hatte mich auf die Abschlussprüfungen vorbereitet und gehofft, anschließend das Advanced Level zu machen. Aber all meine Mühe war umsonst, weil ich die Schule abbrechen musste“, sagte John.
Die 41 vertriebenen Familien schliefen zunächst auf einer Brache neben dem Haus des Gemeinderats im Nachbarort Murambinda. „Ich war zufrieden mit dem wenigen, das wir hatten. Aber jetzt kann ich das nicht mehr sein“, sagt John und zeigt dem Reporter bei einem Besuch die erbärmlichen Verhältnisse, unter denen die Familien nun leben.
2025 entfielen rund 10 Prozent der weltweiten Lithiumproduktion auf Simbabwe. Im Februar 2026 verbot die Regierung in Harare die Ausfuhr von Lithiumkonzentrat. Die Regierung wollte den Rohstoff im Land behalten, um von der Weiterverarbeitung zu profitieren. In der Folge kam es etwa an der Börse von Guangzhou in China zu einem starken Anstieg der Lithiumpreise und der Aktienkurse. Gleichzeitig wuchs die Sorge, dass das weltweite Angebot des für Batterien wichtigen Rohstoffs knapper werden könnte.
An der Guangzhou Futures Exchange sprang der Preis zunächst um 6 Prozent auf 177.000 Yuan pro Tonne und dann bis Mai weiter auf fast 210.000 Yuan (rund 27.000 Euro). Doch der Exportstopp scheint bislang vor allem auf dem Papier zu bestehen. Weiterhin werden EPOs vergeben, chinesische Unternehmen vergrößern ihre Anlagen. Lastwagen mit unverarbeitetem Lithium werden nach wie vor auf dem Weg zur Grenze beobachtet – über die Nachbarländer soll der Rohstoff anschließend nach China gelangen.
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Max Mind Investments ist eine Tochtergesellschaft des chinesischen Konzerns Shenzhen Chengxin Lithium Group. Den Dorfbewohnern versprach das Unternehmen zunächst, ihnen nach der Umsiedlung Häuser mit 5 Zimmern zu bauen. Tatsächlich wurden sie in kleine Wohnparzellen von rund 300 Quadratmetern umgesiedelt. Sie verloren 5 Hektar landwirtschaftliche Flächen. Ihre Einkommensquellen und Lebensgrundlagen sind zerstört: Gärten, Brunnen und Bohrlöcher ebenso wie Hühner, Ziegen und Kühe.
Johns Familie erhielt eine Entschädigung von 1.000 US-Dollar pro Kind und 1.500 US-Dollar pro Erwachsenen. Für jeden verlorenen Baum erhielten die Familien zusätzlich 20 US-Dollar. Zerstörte Viehställe wurden überhaupt nicht entschädigt, auch nicht die Exhumierung der Gräber ihrer Vorfahren.
Das Geld war bald aufgebraucht. Die höheren Lebenshaltungskosten in der Stadt verschlangen die Ersparnisse der Familie und zwangen John schließlich dazu, die Schule abzubrechen. Viele der Dorfbewohner:innen sahen sich gezwungen, ihr verbliebenes Vieh zu verkaufen. Ihre wirtschaftliche Not verschärfte sich dadurch weiter.
Emerson Njanjamangezi, einst bekannter Journalist im Land, heute Sprecher der Sabi-Star-Mine, ließ Anfragen dazu unbeantwortet.
Die vertriebenen Bewohner:innen wandten sich über die NGO Buhera Residents Network Trust an das Parlament. Sie beklagten, dass der Lithiumabbau ihre Gemeinden in zentralen Lebensbereichen beeinträchtige – bei der Wasserversorgung, der Gesundheit, beim Zugang zu Land und bei der Ausübung wirtschaftlicher Tätigkeiten. Sie legten Karten, Labordaten, Fotografien und Aussagen von Bewohnern vor.
Panas Muteera aus Mukwasi Village verwies bei einer Anhörung auf die enorme Staubbelastung. „Teils fahren am Tag rund 100 Lastwagen über die Straße“, sagte er. Die Häuser seien mit Staub bedeckt. „Kinder und ältere Menschen wachen hustend und mit Kopfschmerzen auf. Die meisten Schulen liegen direkt an der Straße.“ Hinzu kämen die regelmäßigen Sprengungen. Sie hätten Risse in den Häusern verursacht und viele Gebäude instabil gemacht. Gleichzeitig verschärfe sich der Wassermangel, insbesondere während der Trockenzeit.
„Unsere Brunnen sind etwa 40 Meter tief, die Schächte der Mine reichen mehr als 200 Meter hinunter. In der Trockenzeit trocknen unsere Bohrlöcher aus, während das Wasser in die Mine läuft“, sagte Muteera.
Der Ex-Bergbauminister Polite Kambumura verwies auf eine Vereinbarung mit dem Minenunternehmen, mindestens 80 Prozent der Arbeitsplätze mit Einheimischen zu besetzen. „Doch daran halten sie sich nicht“, sagte Kambumura.
Die Delegation, die die Petition der Bewohner anhörte, ging auf die Beschwerden nicht ein, sondern lobte die Maßnahmen der Mine im Bereich der sozialen Unternehmensverantwortung, etwa die Errichtung einer Klinik sowie von Brunnen und Wohnraum in Murambinda. Bei vielen Simbabwern wächst so die Sorge, dass chinesische Investoren gegenüber der lokalen Bevölkerung bevorzugt behandelt werden.
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Source: taz