Faultline Faultline Kommando 161

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Bindungsverhalten: Knutschen ist Trumpf

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Liebe geht immer auch mit Verletzlichkeit einher. Das gilt nicht nur für Spezies mit Paartherapeuten, sondern eigentlich für alle, die sich näherkommen. Wer Zärtlichkeiten austauscht, teilt dabei auch Viren, Körperflüssigkeiten und die Gefahr, dass einer beißt.

Trotzdem riskieren Lebewesen auf der ganzen Welt Zuneigung, die weit über den Akt der Fortpflanzung hinausgeht. Eine neue Studie will nachspüren warum, und hat sich dafür das Küssen angesehen.

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

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Dafür muss erst mal beantwortet werden, was eigentlich ein Kuss ist. Die Wissenschaftler*innen klassifizieren ihn sehr romantisch als nicht feindlichen Mund-zu-Mund-Kontakt innerhalb der Spezies, bei dem sich Lippen und Münder bewegen, aber kein Essen ausgetauscht wird.

In ihrer Studie zeigen die Forschenden zunächst küssende Makaken, Wölfe, Eisbären und Präriehunde, um sich danach auf unseren evolutionären Ast zu konzentrieren. Was findet sich in wissenschaftlicher Literatur übers Küssen? Und was haben Spezies, die sich küssen gemeinsam? Gorillas knutschen recht selten, Menschen und Schimpansen häufig und Bonobos bemerkenswert sexuell.

Was all diese Spezies ansonsten eint, ist eine vielfältige Ernährung, elterliches Vorkauen („Kuss-füttern“) und ein Beziehungssystem, indem sich Weibchen nicht unbedingt auf ein Männchen festlegen. Systeme also, in denen es sich für Männchen lohnt, neben dem Sex auch in eine gute Beziehung zu investieren, um nicht in der Konkurrenz unterzugehen.

Dass Spezies, die besonders eng miteinander verwandt sind, auch einen Hang zum Küssen teilen (oder eben nicht), lässt die Forschenden außerdem einen genetischen Ursprung vermuten. Den verorten sie im gemeinsamen Vorfahren der Menschenaffen, irgendwann vor etwa 16,9 bis 20,5 Millionen Jahren.

Aus diesem Zeitraum lässt sich auch erschließen, dass sich Neandertaler wahrscheinlich Küsschen gaben.

„Wir sind so fokussiert auf Penisse!“, sagt Mathilde Bridle, die Hauptautorin der Studie. Und betont, wie wichtig es ist, auch andere Sexualverhalten zu erforschen. Allein deshalb, weil die wissenschaftliche Vorstellung von Biologie und Beziehung auch auf die Gesellschaft zurückwirkt.

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Ob in Form von Ratgebern, Comedysets oder Podcasts, in denen sich Männer gegenseitig zusichern, Alphas zu sein: Wenn Sex auf einen Fortpflanzungsakt reduziert wird, beeinflusst das, wie ernst wir andere Bedürfnisse nach Nähe nehmen, oder Beziehungsformen, die ganz ohne Penetration auskommen. Obendrein trägt es zu einem Weltbild bei, in dem der Fortpflanzungserfolg der Männer eigentlich mit der Ejakulation komplett ist. Die aktuelle Studie zeigt: Die Messlatte liegt schon seit mindestens 16 Millionen Jahren so viel höher.

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Source: taz