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Angriffe auf deutsches Stromnetz: Noch mehr Raketen – aber weiter keine Spur von Daniel V.
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Die Anschlagsserie auf das deutsche Stromnetz beschäftigt die Sicherheitsbehörden weiter. Am Montag fanden Ermittler nahe dem sächsischen Umspannwerk Graustein weitere Abschussvorrichtungen für Raketen. Erste Sprengkörper waren dort schon am Samstag entschärft worden. Der mutmaßliche Täter Daniel V. ist weiter auf der Flucht.
Die in Graustein gefundenen Raketen entsprechen denen, die vergangene Woche bei Angriffen auf das Stromnetz in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen eingesetzt wurden. Dort flogen einige der mit Zeitzündern versehenen Flugkörper tatsächlich in die Stromleitungen von Umspannwerken und verursachten Kurzschlüsse. An beiden Orten mussten daraufhin Blöcke nahegelegener Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Die Stromversorgung blieb jedoch stabil. In Sachsen spürte die Polizei die Raketen dagegen rechtzeitig auf und entschärfte sie, bevor sie ausgelöst wurden.
Bei einem weiteren Vorfall erhärtete sich der anfängliche Terrorismusverdacht am Montag nicht. Der Brand in einem Berliner Umspannwerk am Vormittag geht offenbar nicht auf einen gezielten Angriff zurück. Ursache war wohl ein technischer Defekt. Das Berliner Stromnetz blieb trotz des Vorfalls stabil, allerdings fielen zwischenzeitlich rund 90 Ampeln im Stadtgebiet aus.
Der mutmaßliche Täter Daniel V. hatte sich nach den ersten beiden Anschlägen vergangene Woche ein Bekennerschreiber an die taz geschickt. Er habe die Taten begangen, weil Stromerzeugung in Kohlekraftwerken „ein Verbrechen“ sei, „das unsägliches Leid nach sich zieht“. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach deshalb von mutmaßlichem „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters.
Allerdings gibt es auch Zweifel an der These, dass V. allein hinter den Anschlägen steckt, wie er es in seinem Bekennerschreiben schildert. So ist es höchst ungewöhnlich, dass Täter in solchen Texten ihre Identität samt Adresse preisgeben – zumal V. gleichzeitig weiter versucht, sich den Behörden zu entziehen. Auch die Sprache des Bekennerschreibens wirkt mit Formulierungen wie „Recht und Ordnung“ nicht typisch für Personen aus der linken oder klimabewegten Szene.
Obwohl die Polizei mit Hochdruck nach V. sucht, konnte er sich bislang entziehen. Zuletzt ging die Polizei offenbar davon aus, dass V. sich im Hambacher Forst aufhalten könnte und durchkämmte Teile des Gebiets, allerdings ohne Erfolg. Der Forst ist ein symbolträchtiger Ort für die Klimabewegung, seit große Proteste 2018 verhindern konnten, dass der Wald für den Braunkohleabbau zerstört wird.
Am Montag suchte die Polizei aber auch ein Gebiet nahe einem Umspannwerk im Raum Remscheid-Wuppertal ab. Und auch nahe einem Umspannwerk in Wesel am Niederrhein gab es einen Großeinsatz in Verbindung mit der Anschlagsserie.
Unabhängig von der Täterschaft haben die Anschläge auf das Stromnetz die grundsätzliche Verletzlichkeit der deutschen Infrastruktur deutlich gemacht. Zusammen mit dem inzwischen klar Russland zugeordneten Drohnenangriff am Flughafen Leipzig im August, ergibt sich das Bild eines Landes, das für seine Feinde eine leichte Beute ist.
Als Reaktion hatte Innenminister Dobrindt zuletzt angekündigt, Betreiber von Einrichtungen der kritischen Infrastruktur mehr Kompetenzen bei der Sicherung ihrer Anlagen zu geben. Sie sollen Drohnen künftig selbst abwehren dürfen. Außerdem soll ein „Cyberdome“ getauftes Netzwerk digitaler Sensoren künftig Hackerangriff auf Infrastruktureinrichtungen erkennen und so deren frühe Bekämpfung ermöglichen.
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Source: taz