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Aktion vor der Landtagswahl in MV: Mit Schokolade, Vanille und bunten Streuseln
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In Sarow und Demmin, in Pasewalk und Papendorf schmeckt Demokratie diesen Sommer nach Vanille. Oder Schokolade. Eiskaffee gibt’s auch. Und bunte Streusel. Das alles kommt aus einem blauen Bus, von dessen Dach – natürlich nur gemalt – Eis herunterschmilzt.
Softeis, genauer gesagt. Der Eisbus Gabi tourt diesen Sommer durch Vorpommern, und wenn es mit der Finanzierung klappt, auch noch über den Sommer hinaus. Das Eis gibt’s auf Spendenbasis, man zahlt, was man kann. Ums Geldverdienen geht es Gabi nämlich gar nicht. „Wir wollen gute Laune verbreiten“, sagt Wibke Seifarth, eine der Betreiberinnen. „Es geht darum, Begegnungsräume zu schaffen und ins Gespräch zu kommen.“ Deshalb auch das Motto: „Eis to meet you“. Das Eis ist nur Mittel zum Zweck – und genau das richtige für die heißen Sommertage.
Dass Gabi gerade jetzt durch die kleinen Ortschaften tourt, vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September, ist kein Zufall. Die Idee kam von Julia Sachs aus dem Netzwerk „Zusammen bewegen“, einem „Bündnis für ein solidarisches und gerechtes Mecklenburg-Vorpommern“, wie es auf dessen Webseite heißt. Seifarth, die Sachs aus anderen Zusammenhängen kennt, steuerte die Eismaschine bei. Dann kamen weitere Frauen aus Vorpommern hinzu.
Seifarth kennt sich aus damit, Begegnungsräume zu schaffen. Sie ist freiberufliche Pädagogin und Moderatorin für Jugendbeteiligung, lebt in Gatschow und betreibt dort den Verein „Landkombinat“ mit einer offenen Werkstatt, einem Reparaturcafé und regelmäßigen Bildungsangeboten. Im Telefonat mit der taz erzählt sie, wie sie mal mit einem Sofa durch Demmin reiste, an Orte, an denen sich Jugendliche aufhielten, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen und deren Ideen sichtbar zu machen: Was geht ihnen durch den Kopf, welche Aktivitäten und Einrichtungen wünschen sie sich?
Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern könnte erstmals seit 1945 eine rechtsextreme Partei an die Regierung kommen. Es gibt vor Ort aber auch eine lebendige Zivilgesellschaft, die die Wahlen noch nicht verloren gibt. In der Serie „Richtig gute Leute“ stellen wir sie den Sommer über vor.
So ähnlich funktioniert auch Gabi. Auf den Tischen liegen „Klön-Schnack-Tischdecken“, auf denen Fragen stehen. „Was bewegt dich?“, zum Beispiel. Es gehe darum, dass sich Menschen austauschen, sich gesehen und gehört fühlen und anfangen, sich Gedanken über ihre Wünsche und Ideen zu machen. Und: Gerade für Jugendliche sei es wichtig, auf Menschen mit anderen Ideen zu stoßen, die Weltoffenheit verkörpern und neue Horizonte eröffnen, sagt Seifarth.
Zwei bis drei Einsätze pro Woche hat Gabi. Bevor es in einen neuen Ort geht, kontaktieren die Macherinnen lokale Vereine, Engagierte und Politiker*innen. So wie Anfang Juli. Da fuhr Seifarth mit Gabi nach Sarow. Vorher rief sie den Bürgermeister an. Thomas Wellenbeck war ganz angetan von der Idee, machte Werbung für die Aktion und kam dann auch selbst zum Eisessen. Nicht alle Bürgermeister*innen seien so aufgeschlossen, erzählt Seifarth. Manche antworteten auf Anfragen gar nicht oder lehnten ihre Beteiligung ab.
Das Eismobil kommt gut an, sagt Seifarth. Das freut sie, aber es sei auch Ausdruck eines Symptoms: „Ich denke, wir kitten etwas, das in den vergangenen Jahren vernachlässigt wurde.“ Alltagsorte, an denen man sich begegne, seien immer mehr verschwunden. Das liege auch an mangelnder politischer Unterstützung. Um diese sogenannten Dritten Orte zurück in die kleinen Orte in Vorpommern zu holen, brauche es mehr als einen Softeis-Nachmittag. „Da braucht es eine größere Strategie.“
Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stellen wir Engagierte aus der Zivilgesellschaft vor. Alle Texte finden Sie hier.
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Source: taz