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Politics · taz · · 2h

Affäre um Ferat Koçak: „Grüße mit Respekt an deinen Vater“

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Der Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak gerät wegen Verbindungen zur organisierten Kriminalität in die Kritik. Eine rechte Kampagne behauptet seither, Berlin versinke unter der Herrschaft einer islamistischen, antisemitischen, kriminellen und linksextremen Partei. Was ist passiert?

Am Sonntagabend tauchte Issa Remmo, Oberhaupt einer deutsch-arabischen Großfamilie, bei der Wahlparty der Neuköllner Linken auf. Spitzenkandidatin Elif Eralp distanzierte sich sofort von ihm, der Bezirksverband betonte, es gebe „weder politische noch persönliche Beziehungen“. Doch am Montag veröffentlichte Issas Sohn Firas Remmo eine Instagram-Story.

Zu sehen ist ein Chatverlauf von ihm mit Ferat Koçak. Koçak schreibt darin: „Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater.“ Danach fragt er nach einem persönlichen Treffen. In einer weiteren Nachricht vom 17. Februar bittet Koçak um die Verbreitung eines Videos seiner Bundestagsrede, in der er die Debatte über „Clans“ als „hysterische Dauerdebatte“ kritisiert. Firas Remmo antwortet: „Gerne Bruder.“

Die Chats sind nicht das Einzige, wofür Koçak sich rechtfertigen muss. Auf derselben Wahlparty entstand ein Foto von ihm mit Ibrahim Ibrahim, einem Funktionär der in der EU als Terrororganisation eingestuften „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP). Nachdem das Bild auf X kursierte, distanzierte sich Koçak ausdrücklich von „gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen der genannten Person“.

Jetzt herrscht Empörung. Koçak kündigte an, sich vorerst von seinen Ämtern zurückzuziehen. Bis „vollumfängliche Transparenz“ hergestellt sei, werde er nicht an den Sitzungen des Innenausschusses des Bundestags teilnehmen, so der Linken-Fraktionschef Sören Pellmann.

Doch vieles wird hier vermischt: Koçak hat als Bundestagsabgeordneter mit der Berlinwahl nichts zu tun. Trotzdem werden seine Fehler und die des Neuköllner Bezirksverbands zum moralischen Gesamturteil über die gesamte Landespartei aufgeblasen. Aus der einseitigen Palästinasolidarität des Bezirksverbands wird ein pauschales Antisemitismusproblem, aus einem Neuköllner Problem ein Berliner Problem – trotz Eralps klarer Verurteilung von Antisemitismus.

Veröffentlicht wurden die Chats vom ehemaligen Bild-Journalisten Peter Rossberg. „Die organisierte Kriminalität, Antisemiten und Islamisten werden heute Abend gemeinsam feiern. Wenn @dielinkeberlin an die Macht kommt, wird Berlin sicherheitspolitisch fallen“, schrieb Rossberg am Wahlabend auf X. Etablierte Medien sprangen bereitwillig auf und beten seitdem das Ende der Demokratie herbei.

Bei aller Empörung über das Antisemitismusproblem der Linken wird das Antisemitismusproblem anderer Parteien wie der CDU unter den Teppich gekehrt. Während Eralp sich permanent zu Antisemitismus erklären muss, spielen die Vorwürfe rund um veruntreute Antisemitismusgelder, die aktive Verschleppung der Aufklärung des Berliner Fördermittelskandals oder antisemitische Äußerungen in den eigenen Reihen kaum eine Rolle. Besonders absurd: Ausgerechnet die nun so empörte CDU lud Issa Remmo im Januar 2025 ins Abgeordnetenhaus ein. Der zuständige Abgeordnete behauptet ebenso unglaubwürdig wie Koçak, nicht gewusst zu haben, wer da zu Besuch kam.

Der Unterschied zwischen CDU und Linken: Kanzler Merz schadet seiner Partei erheblich und verkündet stolz, alles bleibe, wie es ist – vor allem er an der Spitze. Koçak hingegen übernimmt Verantwortung und lässt seine Parlamentsämter vorerst ruhen.

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Source: taz