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Abgang eines Ausnahmefußballers: Gracias, Messi!

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Es war ein emotionaler Abend in Buenos Aires. Am Dienstag gab Lionel Messi sein Abschiedsspiel in der argentinischen Nationalmannschaft. „Emotionen“ war das meistgehörte Wort an dem Abend. „Ich bin mit Messi in der Albiceleste aufgewachsen und nun soll Schluss sein?“, brachte ein Fan die Gefühle von vielen zum Ausdruck. 21 Jahre hat der 39-jährige Messi im hellblau-weißen Trikot gespielt. Freude und Tristesse, Lachen und Tränen und immer wieder „Danke, danke, Messi“ bestimmten den Abschied.

Das Spiel gegen den Gegner aus Benin ist schnell erzählt. Die erste Halbzeit war unterhaltsam, blieb aber torlos. Drei Minuten nach dem Wiederanpfiff brachte Nicolás Otamendi nach einem Messi-Eckball Argentinien in Führung. In der 61. Minute erhöhte Nico Paz mit einem wunderschönen Schlenzer auf 2:0. Wieder war Messi der Vorlagengeber. Nicht wenige sahen in diesem Spielzug eine Art Staffelübergabe: Paz könnte künftig die Nummer 10 tragen. Doch zumindest diesmal noch setzte Messi den Schlusspunkt. In der 71. Minute verwandelte er einen Elfmeter zum 3:0-Endstand.

Bereits die Anfahrt der Buskolonne auf der eigens gesperrten Stadtautobahn glich einem Triumphzug. Auf beiden Seiten der Piste standen die Menschen und konnten den vorbeifahrenden Fahrzeugen kurz zujubeln. Wer das Glück hatte, online eine der innerhalb von weniger als 90 Minuten ausverkauften Eintrittskarten zu ergattern, war vielleicht schon im 85.000 Zuschauer fassenden Stadion Monumental. Wer dagegen noch auf dem Schwarzmarkt Ausschau hielt, rieb sich die Augen. Bis zu 1.500 Dollar wurden für eine Karte verlangt.

Dazu ein bisschen Statistik der Superlative: In seinen 208 Länderspielen hat Messi 126 Tore für die argentinische A-Nationalmannschaft geschossen. Seit der WM 2006 in Deutschland war er sechsmal bei einer WM dabei, stand dreimal in einem WM-Finale und gewann 2022 in Katar den Titel. Seinen allerersten internationalen Titel holte er sich 2005 bei der U-20 WM in den Niederlanden, bei der er Torschützenkönig und bester Spieler wurde. 2008 folgte die Goldmedaille mit der U23 bei den Olympischen Spielen in Peking. Und auch das gehört dazu: Bei seinem Debüt am 17. August 2005 wurde er im Spiel gegen Ungarn in der zweiten Halbzeit eingewechselt, sah aber 40 Sekunden später nach einer Tätlichkeit die Rote Karte vom deutschen Schiedsrichter Dr. Markus Merk und flog vom Platz.

Ohnehin gab es nicht nur Superlative. Im Juni 2016 hatte Argentinien das Finale der Copa América, der Südamerikameisterschaft verloren. Messi hatte im entscheidenden Elfmeterschießen über die Latte geschossen. Es war zudem das dritte Finale in Folge, das er mit der Albiceleste verloren hatte. „Für mich ist die Nationalmannschaft vorbei“, kündigte er an. Zwei Monate später versprach er zurückzukehren.

Vor der Partie am Dienstag erhielt Messi die Ehrendoktorwürde der Universität von Buenos Aires (UBA). Laut UBA steht Messi für Werte wie Exzellenz, Beharrlichkeit, Demut und die verantwortungsvolle Repräsentation Argentiniens. Dass Messi mit 13 Jahren zum FC Barcelona ging und danach nie bei einem argentinischen Verein gespielt hat, hat ihm niemand je krummgenommen. Im Gegenteil, gerade deshalb kann sich ganz Argentinien mit ihm identifizieren.

Dass Messi sein letztes Spiel gegen Benin und damit nicht gegen einen hochkarätigen Gegner bestritt, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Das Länderspiel zuvor fand ohne ihn am vergangenen Samstag gegen Burkina Faso statt. Dazu schrieb das Internetportal Fasosportstv aus Burkina Faso: „Zwar übernimmt der argentinische Fußballverband AFA Unterkunft, Kosten und Anreise der gegnerischen Mannschaft, doch zahlt er weder eine Antrittsprämie noch beteiligt er den Gegner an den durch die Begegnung erzielten Einnahmen.“

Von den im laufenden Jahr ausgetragenen sieben Freundschaftsspielen fanden vier gegen afrikanische Teams statt. Dazu schrieb Fasosportstv.com: „Deshalb suchen sie sich afrikanische Mannschaften aus dem Mittelfeld oder solche mit geringeren finanziellen Mitteln aus; diese akzeptieren die Bedingungen, weil sie gegen Argentinien antreten dürfen“, kommentiert ein Funktionär eines Verbandes, der von der Albiceleste für ein Freundschaftsspiel angefragt wurde.

Seit der WM 2022 hat Argentinien 18 Freundschaftsspiele ausgetragen und auch gewonnen. Mit Australien, Ecuador und Venezuela waren nur drei Gegner zum Zeitpunkt der jeweiligen Begegnung in den Top 50 der Fifa-Weltrangliste. Die übrigen Gegner rangierten darunter. Ein Schelm, wer denkt, es ginge dem Fußballverband und seinem Präsidenten Claudio Tapia mehr ums Prestige und weniger ums Abkassieren.

Gegen Tapia sowie verschiedene Mitglieder der AFA-Führungsebene laufen inzwischen mindestens ein halbes Dutzend gerichtlicher Untersuchungen in Argentinien und den USA. Die Vorwürfe reichen von mutmaßlicher Geldwäsche und unrechtmäßiger Bereicherung bis hin zu Veruntreuung und Steuerhinterziehung. Zwar sitzt Tapia fest im AFA-Sattel, doch mit Messi geht sein wichtigster Vermarktungsfaktor in Sachen Spieleverkäufe.

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Source: taz