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A24-Doku über Elizabeth Holmes: Der perfekte Trailer
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I ch bin verabredet, um „Synecdoche, New York“ von Charlie Kaufman erneut anzusehen. Ein Theaterregisseur, der sich in einer existenziell-hypochondrisch-depressiven Krise befindet, will darin ein realistisches Stück inszenieren und baut dafür eine lebensgroße Replik von New York in einer gigantischen Lagerhalle nach.
Jede noch so kleine Alltagsszene findet Platz, jede Person kommt als Figur vor, auch der Regisseur wird gespielt – irgendwann castet dieser Schauspieler einen weiteren Schauspieler, der ihn verkörpern soll.
Eine Synekdoche ist eine rhetorische Figur, bei der ein Wort durch ein anderes ähnliches ersetzt wird, das das Gleiche bedeuten soll. Oft ist dieses Wort nur ein kleinerer Teil des ursprünglichen Wortes, zum Beispiel Tropfen für Wein, das Dach für das Haus, oder pro Nase für pro Person. Ein kleiner Ausschnitt soll auf was Großes deuten.
Aus Neugier suche ich den Trailer für den Film – ebenfalls ein kleiner Ausschnitt eines Ganzen, der dieses Ganze beschreiben soll. Und wie die Synekdochen im Film ebenfalls zutiefst unvollkommen. Der Trailer hat es nicht gerade leicht, die surreale Handlung einzufangen, und dennoch merke ich mal wieder: Ich verabscheue Trailer. Sie nehmen die besten Momente zur schlechtesten Musik vorweg und wollen mir vorher sagen, wie ich den Film zu verstehen habe. Jede Szene ist ein Spoiler.
Aber es gibt sie auch, die guten Trailer. Das sind sie dann, wenn sie nicht der Formel „Schnelle Schnitte + dramatische Musik + den gesamten Plot verraten + WOOOOOM WOOOOOM“ folgen, sondern wenn sie sich etwa trauen, nur eine einzige starke Szene zu präsentieren.
Eine Frau, die wie eine Puppe wirkt, ein unheimliches Lächeln, weit aufgerissene, blaue Augen, sagt den Satz: „Natürlich täusche ich dich nicht. Warum würde ich das tun?“ Sie blinzelt dabei kein einziges Mal, starrt ihr Gegenüber, den Comedian und Regisseur Nathan Fielder, an, der sichtlich verunsichert ist.
Die Szene aus „You Can See Everything“ wurde millionenfach angesehen und könnte aus einem Psychofilm stammen. Tatsächlich handelt es sich um eine Doku. Darin geht es um die erste Selfmade-Milliardärin der Welt, die heute 42-jährige Elizabeth Holmes, deren Biotech-Unternehmen Theranos als Betrug enttarnt und 2018 aufgelöst wurde. Seit 2023 sitzt sie im Gefängnis in Texas.
Dass es sich bei der Szene nicht um zwei Schauspieler_innen handelt, sondern um reale Menschen in einer kurzen, beklemmenden Interaktion, dass nicht klar ist, worum es geht, dass Holmes beteuert, die Wahrheit zu sagen, und dabei irre aussieht, macht, dass diese Vorschau funktioniert. Ein neuer, ausführlicher Trailer, der nun erschien, folgt zwar etwas mehr der Trailerformel (besonders schnelle Schnitte und Wooooom Wooooom), bleibt aber wenigstens mysteriös.
Als ich neulich mit einem Freund einen Film raussuchen möchte, schlägt er vor, den Trailer anzusehen. Ich bin entsetzt. Mit einer weiteren Person einen Film gucken ist ohnehin heikel: Guckt sie dabei aufs Handy? (Ich auch, aber legitim, da ich nachschlage, wo der Regisseur zuvor Regie führte.) Redet sie zu viel? (Bei mir in Ordnung, wenn ich bei jeder neuen Figur sage: „Ah, das ist doch der von diesem und jenem Film“.)
Jedes Verhalten, das von den in meinem Fall natürlich harmlosen bis niedlichen Marotten abweicht, könnte zum Problem werden. Genau wie das absurde Wort „Trailer“ in die Youtube-Suchleiste einzutippen.
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Source: taz