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25 Jahre nach 9/11: Rudy Giuliani nimmt es persönlich
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Wenn am Freitag am Ground Zero New York zum 25. Jahrestag von 9/11 der Opfer des Terroranschlags gedacht wird, wird sich auch Bürgermeister Zohran Mamdani selbstbewusst unter die Honoratioren mischen. Zu ihnen gehören die ehemaligen Präsidenten Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama aber auch Mamdanis Vorgänger Michael Bloomberg und Rudy Giuliani.
Insbesondere Giuliani gefällt die Anwesenheit Mamdanis jedoch gar nicht. Der Mann, der zum Zeitpunkt des Attentats die Stadt regierte und sich einen Namen als „Amerikas Bürgermeister“ machte, gehörte in der vergangenen Woche zu den lautstärksten Kritikern von Mamdanis Anwesenheit bei dem Festakt. „Dass er da ist, beleidigt mich persönlich“, sagte Giuliani dem Trump-nahen, rechten Propagandasender Newsmax.
Giulianis Vorbehalte hängten sich, wie die von zahlreichen Mamdani-Kritikern, an der Personalie von Ramzi Kassem auf, dem leitenden Justiziar von Mamdanis Regierung. Der Juraprofessor an der Columbia-Universität und ehemalige Rechtsberater von Joe Biden in Einwanderungsfragen hatte sich nach 9/11 gegen die pauschale Strafverfolgung und Kriminalisierung von Muslimen stark gemacht. Dabei verteidigte er auch Insassen des Strafgefangenenlagers Guantánamo, das Kassem für illegal hält.
Besonderen Anstoß nahmen die Kritiker Mamdanis, zu denen auch der ehemalige Gouverneur von New Jersey, George Pataki, gehört, an dem Umstand, dass Kassem unter anderem Ahmed al-Darbi, ein Al-Qaida-Mitglied, verteidigt hatte. Der hatte gestanden, 2002 an der Bombardierung eines französischen Öltankers beteiligt gewesen zu sein.
Giuliani ging in seiner Tirade gegen Mamdani auf Newsmax aber noch weiter und attackierte dessen Glauben. „Der Islam ist nicht irgendeine Religion“, behauptete er. „Die bekommen vom ersten Tag an beigebracht, dass sie uns alle vernichten und beherrschen sollen.“
Mamdani würdigte die Bemerkungen Giulianis keines Kommentars. Giuliani ist tief gesunken, seit er in den Jahren nach 9/11 als amerikanischer Held gefeiert wurde. Er hatte die Stadt mit innerer Ruhe und klarem Kopf durch die Krise rund um 9/11 gesteuert. Seine Popularität, so glaubte er, werde ihn automatisch zu einem Spitzenkandidaten für die Präsidentschaft machen.
Nach seinem frühen Ausscheiden 2008 verfiel er jedoch in eine tiefe Depression und rang mit Alkoholproblemen. Seine Probleme wurden noch schlimmer, als er sein eigenes politisches Schicksal an das von Donald Trump knüpfte. Er tat sich bereits im Wahlkampf 2016 als übereifriger Unterstützer des Präsidenten hervor, als dessen sexistische Kommentare ans Licht kamen.
Nach der Wahlniederlage Trumps 2020 war er einer der lautstärksten Vertreter der These, die Wahl sei gestohlen worden. Giuliani ging sogar so weit, zwei Wahlhelferinnen direkt der Manipulation zu beschuldigen. Sie verklagten ihn erfolgreich auf 148 Millionen Dollar Schadensersatz. Danach musste Giuliani Privatinsolvenz anmelden und seine Immobilien verkaufen.
Giulianis Offensive ist nicht zuletzt eine Reaktion auf das, was er zweifellos als Angriff auf seine Person durch Mamdani ansieht. Mamdani veröffentlichte in der vergangenen Woche 170.000 Dokumente. Sie belegen, dass die Luftqualität im unteren Manhattan lange nach dem Attentat weitaus schlechter war, als die damals Verantwortlichen das behauptet hatten. Giuliani hatte Anwohner unmittelbar nach dem Anschlag wieder in das Areal gelassen, Arbeiter am Ground Zero waren ungeschützt.
Die Dokumente sind für viele Anwohner und Rettungskräfte eine verspätete Genugtuung. Sie mussten zum Teil einen langen, harten politischen Kampf um Entschädigung und Versorgung wegen schwerer gesundheitlicher Spätfolgen führen.
Zu seinem Besuch der Gedenkveranstaltung am Freitag sagte Mamdani selbstbewusst: „Ich bin stolz, der Bürgermeister dieser Stadt zu sein. Ich liebe diese Stadt. Ich liebe dieses Land. Ich möchte, dass es in dieser Woche um die Menschen geht, die einen geliebten Angehörigen während der grauenhaften Anschläge vor 25 Jahren verloren haben, und um die vielen Helfer, die ihr Leben riskiert haben.“
Mamdani hatte sich vorher in Interviews häufig gegen eine pauschale Assoziation von Muslimen mit islamistischem Terror ausgesprochen. Seine Wahl war nicht zuletzt auch ein Zeichen dafür, dass die Stadt New York weitestgehend gegen eine weit verbreitete Islamophobie immun ist.
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Source: taz