Skip to content
Faultline Prefer us on Google

Germany taz

+++ Liveticker GenZ regelt +++: Die Jugend will laut und friedlich protestieren

In 34 deutschen Städten werden rund 180.000 Menschen zu Demos gegen Sozialkürzungen und Wehrpflicht sowie für ein bezahlbares Leben und Klimaschutz erwartet. mehr...

Deutsch (original) ·Read in English ⇄

Veronika Dinter, die Pressesprecherin von Gen-Z regelt in Berlin, distanziert sich bereits im Voraus von einer anderen Demonstration, die in der Hauptstadt für den späteren Nachmittag angemeldet ist: „Wir übernehmen nur Verantwortung für das, was wir angemeldet haben.“ Zu der Demonstration mit dem Namen „Gen Z hat genug“, um 17:30 Uhr am Rosenthaler Platz, ruft unter anderem das Offene Rote Treffen Berlin (ORT) auf. Die Polizei erwartet zwar, dass auch diese Demonstration friedlich verläuft. Insider erwarten dort jedoch durchaus Protestierende mit Interesse an „Aktionismus“. (mst)

Unsere Reporterinnen und Reporter schwirren aus und covern die heutigen Proteste in Hamburg, Berlin, Leipzig, Erfurt, Köln, Bielefeld, Frankfurt, Stuttgart und München.

Teilnehmen wollen laut der Website von GenZ aktuell die meisten Menschen in Köln, wo sich mehr als 16.000 Personen angemeldet haben. In Frankfurt sind es mehr als 14.000, in Berlin mehr als 12.000 und in München mehr als 9000 Zusagen. Ob tatsächlich alle, die sich angemeldet haben, auch auf die Straße gehen, wird sich zeigen.

In Städten wie Hamburg, Berlin und Frankfurt sollen jeweils mehr als 1000 Polizeikräfte eingesetzt werden. Stefan Müller, seines Zeichens Polizeipräsident von Frankfurt am Main, scheint sich aber eher wie ein Hundeherrchen zu fühlen. „Ich freue mich über den friedlichen Protest und dann kriegen sie von mir maximalsten Leine“, sagte er vorab bei einer Pressekonferenz – ganz so, als wären die Demonstrierende Hunde. Wenn es „kippe“ seien seine Leute da, um zu „beschränken“. (lol/cay)

Etwas haben die „Gen Z regelt“-Proteste bereits erreicht, bevor sie überhaupt losgegangen sind: Zu zeigen, welche Ängste allein die Ankündigung eines Jugendprotestes nach französischem Vorbild in Deutschland auslöst. Gegen einen angeblich „gewaltbereiten Mob“ müsse man „mit aller Härte des Rechtsstaates zurückschlagen“, beschwor etwa der Innenminister von Baden-Württemberg, Manuel Hagel. Die Jungen Union wollte gar Soldaten gegen die Jugendlichen einsetzen. Ein Polizeigewerkschafter schürte ein rassistisches Bild, in dem er von „Krawallmigranten“ sprach, die „keine Gnade“ zu erwarten hätten, wochenlang wurde über eine Unterwanderung der Bewegung durch Linksextreme oder sogar Islamisten fantasiert.

Heute ist nun der Tag der Wahrheit. Gelingt es der neuen Bewegung, dieses Momentum nach Deutschland zu tragen? Oder bleibt es bei einem von vielen Versuchen linker Aktivist:innen, in Deutschland Sozialproteste auf die Beine zu stellen? Werden am Abend Bilder von bunten Schildern oder doch von brennenden Mülltonnen die Nachrichten beherrschen – obwohl „Gen Z regelt“ mehrfach friedliche Absichten betont hat? (tk)

Der Berliner Sozialwissenschaftler Christian Volk sieht in den geplanten „GenZ“-Demonstrationen das Potenzial für eine größere Protestbewegung. „Es ist enorm viel Druck im Kessel“, sagte der Professor der Humboldt-Universität der Nachrichtenagentur AFP. „Wohnungsnot, Kürzungen im Bildungsbereich, Wehrpflichtdebatte und gesellschaftlicher Rechtsruck – da kommt vieles zusammen.“ Die jungen Menschen forderten ein, „dass ihre politischen Erfahrungen und Zukunftserwartungen auch gehört werden“ (afp).

Unter dem Motto „Mehr Geld für Klima, Schulen, bezahlbares Leben für alle“ wollen am Samstag in 34 Städten junge Menschen auf die Straße gehen. Angemeldet haben sich auf der Website GenZ-regelt rund 180.000 Leute. „Alle sind willkommen, egal wie alt“, steht dort.

Die Initiative „Gen Z regelt“ besteht aus Einzelpersonen, die in Köln, Frankfurt, Berlin und München Versammlungen angemeldet hat. Weitere Proteste, die sich dem Aufruf angeschlossen haben finden zum Beispiel in Dresden, Aachen, Kiel und Freiburg statt. In den meisten Städten sind Proteste ab 14 Uhr angekündigt.

Unterstützt haben den Aufruf auch linke Polit-Gruppen, etwa durch Posts, die wiederum von Gen Z regelt verbreitet wurden. Daraufhin haben CDU und Polizeigewerkschaft mit einer Polizei ohne Gnade gedroht. Der Verfassungsschutz schwadronierte von einem linksextremistischem Einfluss. „Belastbare Erkenntnisse über gezielte extremistische Einflussnahme oder Steuerung der Gruppierung“ lagen der Polizei aber nicht vor. Andere Beobachter fürchten eher, dass die Bewegung so brav wird wie Fridays For Future es waren. Eine erste Blockade hatte es bereits am 12. Oktober im Französischen Gymnasium in Berlin-Tiergarten gegeben. Mehr über die Entstehung der Bewegung lesen Sie hier.

In Frankreich, aber auch Spanien, Italien, Albanien oder Portugal entlädt sich bereits seit mehreren Wochen die Wut der Jugend über kaputtgesparte Bildungs- und Sozialsysteme, das Totalversagen von Regierungen in der Klimakrise, über Aufrüstung und Krieg. (tk/lol)

Originally published bytaz
Read the original