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Zunehmende Gewalt: Sechs LGBTI+ feindliche Angriffe in Berlin in zehn Tagen

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Vom Faustschlag ins Gesicht bis zur Bedrohung mit der Schusswaffe: Innerhalb weniger Tage wurden in Berlin mehrere LGBTI+ Personen angegriffen, beleidigt und verletzt. Die Angriffe sind Ausdruck eines Rechtsrucks, der queere Menschen zunehmend zum Feindbild macht. – Ein Kommentar von Eduard Dunker.

LGBTI+ feindliche Gewalt wächst nicht nur abstrakt seit Jahren massiv. Auch ganz konkret spiegelt sie sich wider. Besonders die letzten Wochen und Monate waren voll von Anfeindungen und Gewalt. Symbolisch für diese Übergriffe steht der Anschlag auf den Berliner CSD am 25. Juli, als ein islamischer Fundamentalist mit einem Transporter in eine Menschenmenge fuhr und im Anschluss mit einer Machete auf Passant:innen losging. Eine Frau wurde ermordet, 31 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Um an diesen grausamen Anschlag und an die Opfer zu erinnern, richtete die Stadt Anfang August ein kleines Denkmal ein – eine Bank in Regenbogenfarben und die Pflanzung eines Ahornbaums. Nicht einmal einen Monat später wurde dieses Andenken völlig zerstört. Die Bank wurde so stark beschädigt, dass sie abgebaut werden musste. Wenige Tage später versuchten Unbekannte, auch den Baum herauszureißen.

Angriffe in Berlin

Anfang September kam es zu weiteren Angriffen in Berlin. Am 2. September wurde eine junge trans Frau abends vor einem Restaurant in der Sonnenallee aus einer Gruppe heraus von einem Mann erst nach ihrem Geschlecht gefragt. Danach beleidigte er sie, schlug ihr ins Gesicht und warf sie zu Boden. Auf dem Boden trat er ihr noch mehrfach ins Gesicht.

LGBTI+ unter Beschuss: Queerfeindliche Gewalt steigt an

Nur einen Tag später kam es auf dem Nollendorfplatz erneut zu einem Angriff. Ein 62-jähriger wurde erst homophob beleidigt und anschließend ins Gesicht geschlagen. Er musste ärztlich behandelt werden. In derselben Woche noch wurde ein schwules Paar angegriffen und ein 17-Jähriger homophob beleidigt, geschlagen und endete im Krankenhaus.

In der Nacht von Sonntag auf Montag ereignete sich schließlich, dass eine Person am Mehringplatz auf einer Bank saß, als sie wegen ihrer Transgeschlechtlichkeit mit einer Schusswaffe bedroht wurde. In der Nacht darauf wurde eine weitere LGBTI+ Person von einem E-Scooter aus von zwei Personen angegriffen.

LGBTI+ feindliche Angriffe sind kein Phänomen nur in Berlin, das als LGBTI+ Metropole gilt. Ende August gab es in Dresden einen schweren Angriff von drei Männern auf eine trans Frau. Die Betroffene wurde zu Boden geworfen und dann auf sie eingetreten. Sie erlitt unter anderem Brüche der Nase und des Jochbeins.

Gewalt gegen LGBTI+ auf Höchststand

Die Gewalt gegen LGBTI+ Personen nimmt seit Jahren enorm zu. Der Lagebericht zur Sicherheit von LGBTI+ von 2025 in der Statistik des BKA zeigt, dass sich die Fälle in den Bereichen „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechterbezogene Diversität“ seit dem Jahr 2010 nahezu verzehnfacht haben. Im Jahr 2023 wurden 212 Gewalttaten gegenüber 197 im Vorjahr registriert.

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Eine Dunkelfeldstudie der EU kam zu dem Ergebnis, dass 96 Prozent der befragten LGBTI+ die Beleidigungen und Kommentare nicht anzeigen würden und auch körperliche und sexuelle Übergriffe zu 87 Prozent nicht meldeten. Einer der Gründe: offenbar Angst vor LGBTI+ feindlichen Polizist:innen.

Ein weiterer Ausdruck für das gesamtgesellschaftliche Anwachsen von LGBTI+ Feindlichkeit ist der allgemeine Rechtsruck in der Gesellschaft. LGBTI+ stellen durch das Ausleben ihrer Sexualität und ihrer Geschlechtsidentität die im Patriarchat notwendige Aufgabenverteilung und das binäre Geschlechtersystem infrage. Gerade diese spielen aber in der faschistischen Propaganda eine große Rolle. Es wird bewusst die Angst vor einer vermeintlichen Abschaffung der Familie geschürt, und LGBTI+ werden als Perverse und Pädophile gezeichnet.

Diese Darstellungen finden sich unter anderem auch in den Positionen und dem Wahlkampf der AfD – wie zuletzt die Wahlergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigen mit reichlich Erfolg. Neben Migrant:innen stellen LGBTI+ eines der hauptsächlichen Feindbilder der AfD dar. Dass daraus mehr Gewalt gegen LGBTI+ folgt, scheint wenig überraschend.

„Pedo-Hunter“ und der LGBTI+ Mythos

Ein Phänomen, das sich genau dieser Argumente bedient, sind sogenannte „Pedo-Hunter“-Netzwerke. Diese Online-Gruppen mit teils tausenden Followern geben sich im Internet als Jungen und Mädchen aus, verabreden sich mit Leuten, die sie verdächtigen, pädophil zu sein, und greifen sie dann an.

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Diese Chat-Gruppen setzten sich hauptsächlich aus jungen Männern zusammen, die ihre Gewaltfantasien mit dem Kampf gegen Pädophilie rechtfertigen. Die Gruppen geben sich zwar oft unpolitisch, haben aber eindeutige Überschneidungen mit der faschistischen Szene. Entsprechend wird hier etwa Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt.

Immer wieder kommt es vor, dass LGBTI+ Dating-Plattformen genutzt werden, um die Menschen in eine Falle zu locken. So etwa auch im Fall des 16-jährigen trans Mädchens Brianna Ghey aus England. Ihr wurde ebenfalls über eine Dating-App aufgelauert, bevor sie dann auf brutale Weise mit 28 Stichen ermordet wurde.

Sichtbarkeit kein Schutz

LGBTI+ sind in den letzten Jahrzehnten in der Öffentlichkeit immer sichtbarer geworden. Und heute trauen sich mehr LGBTI+, ihre Identität auszuleben. Jährlich finden hunderte CSDs statt, und hier und da kann man in der Öffentlichkeit auch mal eine Pride-Flagge entdecken. Mehr Öffentlichkeit zieht jedoch auch mehr Gewalt an.

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Und Sichtbarkeit bedeutet noch lange nicht das Ende von Unterdrückung. Die steigende Gewalt und auch die sich häufenden rechtlichen Angriffe auf die Selbstbestimmung von LGBTI+, die in den letzten Jahren zunehmen, tragen deutlich den Stempel des Rechtsrucks.

In den vergangenen Jahren ist es normal geworden, dass mit Ausnahme der meisten Großstädte immer öfter von Faschist:innen gegen CSDs mobil gemacht wird. Laut dem Verband Queere Vielfalt wurden im Jahr 2025 bundesweit mindestens 110 von 245 CSDs angegriffen – oft von organisierten faschistischen Gruppen.

Auch die Geschwindigkeit, mit welcher der politische Wille, LGBTI+ zu schützen, wegfällt, lässt Zweifel daran aufkommen, ob es ihn je gab. So hielten SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag fest, dass sie das Selbstbestimmungsgesetz überprüfen lassen wollen, obwohl es die SPD selbst war, die das Gesetz unter Olaf Scholz verabschiedete.

Ignoriert, Instrumentalisiert, Abgeschoben: LGBTI+ als Spielball der Politik

Vom Schutz von LGBTI+ hält die Regierung offenbar mehr, wenn sie diese nutzen kann, um ihre Abschiebepläne zu rechtfertigen und auszubauen. Dafür wird gerne das bekannte Märchen der importierten LGBTI+ Feindlichkeit herangezogen. So wurden gerade nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin Forderungen nach mehr Abschiebungen laut. Erst vergangen Samstag gab der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion bekannt, man wolle nun auch Menschen abschieben, die frauen-, LGBTI+- und christenfeindliche Straftaten begingen.

Wie ehrlich es die Politiker:innen dann mit dem Schutz von LGBTI+ tatsächlich meinen, belegt der Fall von Angel, einer lesbischen Frau aus Uganda. Sie wurde vor einigen Monaten nach Uganda abgeschoben, obwohl ihr dort wegen ihrer sexuellen Orientierung die Todesstrafe droht. Das betreffende Gericht hatte ihre Homosexualität geleugnet.

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Source: Perspektive Online