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Verkauf von russischem Ölkonzern: Trump-Familie will durch Ukrainekrieg profitieren

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Um die wirtschaftliche Ordnung in Russland und der Ukraine nach dem Krieg wird längst gerungen. Parallel zu den Friedensgesprächen zwischen USA und Russland wird eine Übernahme des russischen Konzerns Lukoil verhandelt. Nicht zum ersten Mal könnte Trumps Familie profitieren.

Seit nun fast viereinhalb Jahren hält der Krieg in der Ukraine an. Die Dynamik der Kriegsführung ist dabei stark gewandelt. Von Panzer und Artillerie, zu den heute dominierenden Drohnen und Cyberangriffen. Hinter den Kulissen verhandeln NATO, Washington und Moskau jedoch weiter über ein mögliches Kriegsende.

Darin enthalten sind wohl nach Recherchen der New York Times auch Milliardenwerte des russischen Ölkonzerns Lukoil. Der Konzern könnte zukünftig aus den USA aufgekauft werden. Im möglichen Käuferkonsortium sitzen US-Milliardäre, Golfinvestoren und eine US-Regierungsinstitution. Verbindungen führen etwa in das Geschäftsnetzwerk der Trump-Familie selbst.

Laut den Recherchen wurde das Geschäft sogar direkt gegenüber den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner thematisiert. Wladimir Putin soll ihnen bei ihrem Treffen im Kreml am 5. September vorgeschlagen haben, die Übernahme als Zeichen dafür zu nutzen, dass Russland und die USA wieder profitable Geschäfte miteinander machen können.

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20 Milliarden Dollar auf dem Verhandlungstisch

Das US-Finanzministerium setzte Lukoil am 22. Oktober 2025 auf die Sanktionsliste. Nur wenige Tage später kündigte der Konzern an, seine Vermögenswerte zu verkaufen. Am 29. Januar 2026 schloss Lukoil eine Vereinbarung mit dem US-Finanzinvestor Carlyle über einen Verkauf im österreichischen Wien ab. Der Deal ist allerdings nicht exklusiv: Lukoil verhandelt weiterhin mit anderen Interessenten und benötigt noch die Genehmigung der US-Behörden.

Es geht dabei nicht bloß um irgendeinen russischen Ölkonzern. Lukoil verfügt über ein internationales Netz aus Förderanlagen, Raffinerien und Tankstellen. Dazu gehören Beteiligungen an Ölfeldern im Irak und in Afrika, sowie Raffinerien in Europa und Tankstellen in den USA. Der Wert des internationalen Portfolios wird auf rund 20 Milliarden Dollar geschätzt.

Zu den wichtigsten Anlagen gehören das West-Qurna-2-Ölfeld im Irak, die Raffinerie Neftochim Burgas in Bulgarien, Petrotel Ploiești in Rumänien sowie eine Beteiligung an der Zeeland-Raffinerie in den Niederlanden. Hinzu kommen Tausende Tankstellen in Europa, der Türkei und den USA. Dahinter stehen Milliardenwerte und langfristige Einnahmen.

Investoren mit Verbindungen zu Trump

Eine Investorengruppe mit Kaufinteresse wird vom US-Milliardär Todd Boehly angeführt. Außerdem gehören zur Gruppe neben privaten Investor:innen aus Westasien auch die staatliche U.S. International Development Finance Corporation. Eine Bundesbehörde, die Auslandsinvestitionen finanziert.

Boehly hat nach vorliegenden Berichten rund eine Million Dollar für Trumps politische Kampagne gespendet. Gleichzeitig werden Geschäftsbeziehungen zum Umfeld von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Steve Witkoff unterhalten. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Trump-Regierung Wirtschaftsabkommen als mögliches Instrument für Ende von Kriegen verwertet.

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Trump: Präsidentschaft als Geschäftsmodell

Donald Trump und sein Umfeld profitieren stark durch die Präsidentschaft. Trump hat während seiner zweiten Amtszeit sein privates Geschäftsvermögen massiv ausgeweitet. „Trump hat einen Weg gefunden, die Präsidentschaft, die politische Macht und die öffentliche Politik auf eine Weise zu monetarisieren, die kein anderer Präsident erreicht hat“, erklärte der Princeton-Historiker Julian Zelizer dem Guardian.

Dieser berichtete im August 2026, Trumps laufende Einnahmen hätten sich allein 2025 auf mehr als 2,2 Milliarden US-Dollar belaufen. Einen erheblichen Teil davon machen Krypto-Geschäfte aus. Mehr als eine Milliarde Dollar flossen hier. Hinzu kommen Einnahmen aus Immobilien, Golfanlagen, Lizenzgeschäften und weiteren Trump-Produkten. Allein mit Trump-Uhren wurden 4,7 Millionen Dollar umgesetzt.

Dazu kommt, dass über das von Trump gegründete Soziale Netzwerk Truth Social, ein neues System Investoren für 100.000 Dollar im Monat Zugang zu Trumps Beiträgen ermöglichen soll. Senator Mark Warner warnte davor, politischen Einfluss direkt in einen finanziellen Vorteil zu übersetzen.

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Die „offen korrupteste“ Präsidentschaft

Besonders in Auslandsgeschäften wird immer wieder über einen vermeintlichen Interessenkonflikt zwischen Trump als Präsident und Trump als Geschäftsmann berichtet. So nahm Trump ein Flugzeug im Wert von 400 Millionen US-Dollar von der katarischen Regierung als Geschenk an. Damit setzte er sich über die sogenannte Emoluments Clause in der US-Verfassung hinweg. Diese soll ursprünglich Amtsträger:innen vor ausländischer Einflussnahme abhalten.

Dazu kommt, dass ein mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) verbundenes Unternehmen 2025 rund 500 Millionen Dollar in das Krypto-Unternehmen World Liberty Financial investiert hat und damit 49 Prozent des Unternehmens erwarb. World Liberty Financial gehört der Trump-Familie und dem Umfeld von Westasien-Sondergesandter Steve Witkoff.

Kurz darauf fällte die US-Regierung eine politische Entscheidung zugunsten der VAE und genehmigte den Verkauf fortgeschrittener KI-Chips. Trotz ursprünglicher Sicherheritsbedenken.

„Trump nutzt die Befugnisse der Präsidentschaft, sowohl real als auch imaginär, um seinen Geschäftsinteressen und den Geschäftsinteressen seiner Familie auf einem beispiellosen Niveau finanziell zu nützen“, erklärte Larry Noble, US-Experte für Wahlkampffinanzierung.

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Profite während und nach dem Krieg

Während im Zuge des Krieges Vermögenswerte auf dem internationalen Markt neu verteilt werden, wird gleichzeitig der Zugriff auf ukrainische Rohstoffe in der Zeit nach Kriegsende vorbereitet.

Im April 2025 schlossen Washington und Kiew ein Rohstoffabkommen. Dieses verpflichtet Kiew, 50 Prozent der Einnahmen aus neuen Rohstofflizenzen in einen gemeinsamen US-ukrainischen Wiederaufbaufonds zu investieren. Trump stellte den Deal ausdrücklich als wirtschaftlichen Anreiz für die USA dar, sich langfristig am Wiederaufbau und der Unterstützung der Ukraine zu beteiligen.

Anfang Oktober wurden fünf neue Projekte im Umfang von insgesamt rund 70 Millionen Dollar beschlossen. Darunter befindet sich ein 30-Millionen-Dollar-Projekt für kritische Rohstoffe wie Seltene Erden, Uran, Beryllium und Zirkonium.

Damit verbindet die Trump-Regierung die amerikanische Unterstützung für die Ukraine unmittelbar mit langfristigen wirtschaftlichen Interessen. Der Fonds soll in Rohstoffe, Energie und Infrastruktur investieren und weiteres privates Kapital anziehen. Für US-Unternehmen ist dabei ein bevorzugter Zugang zu den strategischen Rohstoffen vorgesehen.

Kritische Rohstoffe sind für Industrie, Rüstungsproduktion und den technologischen Wettbewerb mit China für die USA strategisch relevant. Für die ukrainische Regierung sind ausländisches Kapital und Investitionen wiederum zentral, um die zerstörte Wirtschaft nach dem Krieg wieder aufzubauen und Schulden in Milliardenhöhe bei den Staaten der NATO abzubauen.

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Merz mit Wirtschaftsdelegation zu Besuch in Kiew

Auch Deutschland versucht, sich wirtschaftlich in der ukrainischen Rohstoff- und Energiebranche zu positionieren. Im April 2026 vereinbarten Berlin und Kiew eine engere Zusammenarbeit bei der Erkundung und Entwicklung ukrainischer Rohstoffvorkommen.

Beim Besuch von Friedrich Merz am 4. Oktober wurde diese wirtschaftliche Verbindung weiter ausgebaut: Eine Wirtschaftsdelegation begleitete den Kanzler. 16 Unternehmensabkommen mit einem Gesamtwert von rund 6,5 Milliarden Euro wurden unterzeichnet. Neben Rüstung und Energie geht es auch um deutsche Unternehmen, die am Wiederaufbau und künftig an der Erschließung ukrainischer Rohstoffe beteiligt sein könnten.

Merz sagte Kiew zudem 1,35 Milliarden Euro für Waffen und Infrastruktur zu. Damit fließen deutsche staatliche Mittel in einen Krieg und Wiederaufbau, während gleichzeitig deutsche Unternehmen ihre (zukünftige) wirtschaftliche Position in der Ukraine ausbauen.

Krieg geht weiter

Gleichzeitig zu Wirtschaftsdeals und Friedensverhandlungen verschärft sich die militärische Lage vor Beginn des Winters. Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes soll Präsident Putin erklärt haben, im Krieg gebe es keine Regeln mehr. Anfang Oktober wurden in Kiew innerhalb mehrerer Tage mehrere Brücken über den Dnipro angegriffen. Erst traf eine Drohne die Südbrücke. Einen Tag später wurde die Nordbrücke angegriffen. Während des Besuchs von Bundeskanzler Merz wurde die Nordbrücke erneut getroffen. Mehrere Verkehrsverbindungen mussten zeitweise gesperrt werden.

Auch die Ukraine verstärkt ihre Angriffe auf Ziele tief im russischen Hinterland. Ukrainische Drohnen haben wiederholt Raffinerien und andere Anlagen der russischen Ölindustrie getroffen. Präsident Volodymyr Selenskyj kündigte am 3. Oktober an, die Angriffe auf russische Raffinerien weiter auszuweiten. Damit zielt Kiew nicht nur auf militärische Infrastruktur, sondern auch auf einen zentralen Teil der russischen Kriegswirtschaft: die Verarbeitung und den Export von Öl und damit eine wichtige Einnahmequelle des russischen Staates.

Die Bevölkerung trägt derweil die unmittelbaren Kosten: die Zerstörung von Städten und Infrastruktur, ein drohender Winter ohne Strom und Heizungen, die Kriegsmobilisierung und die wirtschaftlichen Folgen.

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Source: Perspektive Online