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USS Abraham Lincoln: 5.000 Soldat:innen legen in „Sündenmetropole“ Pattaya an
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Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln hat nach fast 300 Tagen auf See im thailändischen Pattaya angelegt. Die Besatzung hatte einen fünftägigen Landgang in der für Partyurlaub und Sextourismus bekannten Stadt. Erst durch US-Soldat:innen im Vietnamkrieg wurde Pattaya zur „Sündenmetropole“.
Für 286 Tage am Stück war der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln der US-Marine unterwegs. Etwa 5.000 Soldat:innen sind seit dem 21. November 2025 unterwegs. Erst war die Besatzung im Einsatz zur Abschreckung Chinas und als Übung im Indopazifik. Mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs Anfang des Jahres veränderte sich jedoch der Einsatzort. Die USS Abraham Lincoln war seitdem etwa an Seeblockaden infolge des Krieges beteiligt. Ursprünglich sollten die Soldat:innen schon gegen Mai dieses Jahres wieder in die USA zurückkehren.
Vor einigen Wochen erreichten schockierende Berichte über den Zustand des Flugzeugträgers die Öffentlichkeit. Ein Soldat soll von der Reling gesprungen und gerettet worden sein. Andere wurden davon abgehalten. Angehörige berichten von Suizidgedanken der Menschen an Bord, die US-Marine dementiert dies jedoch über offizielle Kanäle. Außerdem sollen die Soldat:innen an Bord über Engpässe bezüglich medizinischer Versorgung und Nahrung berichtet haben. Verschiedene Krankheiten sollen sich verbreitet haben.
Zudem ist durch den langen Einsatz der Rumpf des Schiffes voller Rost. Diesen vollständig zu entfernen dürfte länger als die fünftägige Pause andauern. Das Reinigen des Rumpfes ist ist besonders aufwändig und einer der unbeliebtesten Aufgaben für Soldat:innen bei der Marine.
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Pattaya hoffte auf Tourismusgelder
Die von internationalen Tourist:innen gern erkundete Küstenstadt erhoffte sich durch die 5.000 Besucher:innen eine Ankurbelung der lokalen Wirtschaft in der Nebensaison. Prognosen beliefen sich auf Einnahmen in Höhe von drei Millionen Dollar, die durch den Landgang generiert werden sollten. Unter anderem auch durch den Verkauf von Hygieneartikeln wie Zahnpasta.
Dabei unterliegt der Besuch der Stadt offiziell strengen Regeln, die Verantwortliche der Marine mit den thailändischen Behörden vorher vereinbart hatten. So sollte die Marine das Rotlichtviertel nicht besuchen dürfen, mit Ausnahme der für unter anderem für Prostitution bekannten „Walking Street“. Jedoch nur bis zwei Uhr nachts. Der Konsum von Cannabis, das Betreten von Apotheken und Wassersportaktivitäten zählen ebenfalls zu den Tabus für US-Militärs. Um diese zu kontrollieren, sollte unter anderem die Polizeipräsenz an bestimmten Orten verstärkt werden. Zudem wurden im Vorfeld dutzende Prostituierte eines Straßenstrichs von der lokalen Polizei in Gewahrsam genommen.
Die Vereinbarungen entsprechen offiziellen Regeln des Militärs, gemäß denen die Inanspruchnahme von Prostitution offiziell verboten ist. Sie entsprechen aber auch thailändischen Gesetzen, wie dem Verbot von E-Zigaretten und Vapes. Die Stadt befürchtete etwa Schwierigkeiten im Umgang mit den Besucher:innen.
Zu Beginn des Landgangs kam es nachts zu einer Schlägerei zwischen zwei Matrosen, infolge derer die Polizei gerufen wurde. Danach mussten beide auf dem Schiff bleiben. Außerdem berichteten Bewohner:innen der Stadt von keinem unangemessenen Verhalten. Unter Videos, die die Armeemitglieder in Clubs tanzend zeigen wird kommentiert, dass sie wirken würden wie „reiche Kids, die einfach nur in den Krieg ziehen wollten.“
R&R: Tradition des US-Militärs
Rund 28 Millionen Tourist:innen besuchen jährlich Pattaya. Dabei war die Stadt bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts nur ein kleines Fischerdorf. Heute wird Pattaya in der Presse auch als „Sin City“ (dt.: „Sündenmetropole“) betitelt. Das liegt insbesondere am dort prominenten „Sextourismus“.
Zwar ist Prostitution nach dem Gesetz in Thailand illegal, jedoch wird sie vielerorts offen praktiziert. Besonders in der Hauptstadt Bangkok und eben Pattaya. Die Zahl an Prostituierten wird unterschiedlich hoch geschätzt. Einige Schätzungen gehen von 50.000 bis 200.000 Personen aus. Viele davon sind Betroffene des internationalen Frauenhandels und werden teils als „Exotinnen“ aus anderen Ländern nach Thailand gebracht.
Die Geschichte der etablierten Prostitution in Thailand geht zurück ins 20. Jahrhundert zurück. Infolge des Vietnamkriegs genehmigte die Regierung Thailands die Errichtung mehrerer US-Militärstützpunkte vor Ort. Darüber hinaus wurden Maßnahmen getroffen, um Städte wie Pattaya zu sogenannten „Rest and Recreation Areas“ (R&R) zu machen. Ein Bestandteil davon war die Legalisierung von Prostitution.
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Die Zahl der Prostituierten stieg in diesen Jahren. Besonders bekannte Formen waren einerseits Frauen, die einen Monat lang die Ehefrau eines Soldaten spielten, bis dieser wieder Thailand verließen. Auch gab es Prostitution in Bordellen, bei denen die Frauen auch an Soldaten gegen Ablöse ganz verkauft wurden. Oft waren es Frauen aus armen Bauernfamilien.
Die Besatzung des Flugzeugträgers sollte durch den Aufenthalt in Pattaya ähnlich wie die Soldat:innen vor mehreren Jahrzehnten von den unzumutbaren Zuständen des Schiffes und begangener Kriegsverbrechen abgelenkt werden. Nun sollen der Flugzeugträger auf seiner Heimreise den US-Hafen in San Diego ansteuern und Mitte des Monats erreichen.
Globaler (Sex-)Tourismus nach Pattaya
Mit dem Ende Vietnamkriegs 1973 hörte das Geschäft jedoch nicht auf. Vielmehr expandierte der Tourismus nach Pattaya global. Die Prostitution wurde zum Anziehungspunkt für überwiegend männliche Touristen. Auch Reiseagenturen aus Deutschland warben etwa in den 1980er Jahren für Touren alleinreisender Männer nach Thailand. Die Dienste thailändischer Frauen waren wesentlich günstiger als Preise für Prostituierte in Deutschland.
Mit steigenden Tourismuszahlen stiegen dann auch die Zahlen an Bordellen oder Massageräumen. Von dem Fischerdorf mit 1.000 Einwohner:innen um 1950 wuchs Pattaya zu einer Großstadt mit 120.000 Einwohner:innen in knapp 50 Jahren.
Mittlerweile bemühen sich die Behörden Thailands, den Ruf Pattayas zu verbessern, und mehr Familien oder Naturliebhaber:innen nach Pattaya zu locken. Doch ein entschiedenes Vorgehen der Behörden gegen Prostitution würde wohl mit einem starken Einnahmeverlust durch wegbleibende vorwiegend männliche teils wohlhabende Touristen einhergehen.
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Source: Perspektive Online