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Toilettentüren raus, Wohnungstüren raus: Hausbesitzer terrorisiert Mieter:innen in Köln
Airbnb statt Mietwohnungen? In Köln-Mülheim versucht ein Vermieter, die Bewohner:innen aus dem Haus zu ekeln. Über Nacht macht er das Haus zur Baustelle und lässt Wohnungs- und Klotüren herausreißen.
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Airbnb statt Mietwohnungen? In Köln-Mülheim versucht ein Vermieter, die Bewohner:innen aus dem Haus zu ekeln. Über Nacht macht er das Haus zur Baustelle und lässt Wohnungs- und Klotüren herausreißen. Die Polizei schreitet erst nach einer Eskalation ein, doch der Druck der Öffentlichkeit wirkt. – Leon Wandel berichtet.
298 Euro Miete für eine Wohnung in Köln? Da muss es doch einen Haken geben. Für Dennis A. und seine Nachbar:innen gibt es einen Riesenhaken. Denn der Hausbesitzer und dessen Bruder schikanieren die Bewohner des Mehrfamilienhauses mit brachialen Mitteln.
Begonnen hatte es mit einer Heizung, die nur teilweise funktionierte, mit einer Haustür, die nicht abschließbar war, und einer defekten Beleuchtung im Hausflur. Vor einigen Wochen verwandelte der Vermieter das gesamte Haus dann in eine Baustelle.
Aufgrund des Alters des Hauses sind die WCs nicht in den Wohnungen, sondern auf dem Flur. An allen Toiletten, bis auf einer, ließ der Vermieter ohne Ankündigung die Türen samt der Türrahmen herausreißen. Das bedeutet, in den meisten Stockwerken sind die Toiletten praktisch unbenutzbar und alle Bewohner:innen müssen sich eine Toilette teilen.
Im Erdgeschoss wohnt eine 83-jährige Frau, sie hat es noch härter getroffen. Sie hat im Haus zwei kleine Wohnungen, eine davon ist eingerichtet wie eine Bibliothek. An ihrer Tür klebte vor einigen Tagen plötzlich ein Stück Karton, auf dem sie aufgefordert wird, die Wohnung zu räumen.
Das Perfide: Die handschriftliche Aufforderung ist unterzeichnet mit „Stadt Köln“, ein lächerlicher Täuschungsversuch. Nachdem die Rentnerin bis in die Nacht den Raum leer räumte, wurde ihre Wohnungstür durch Handwerker herausgerissen. Seit diesem Vorfall lebe sie in Angst, sagte die Mieterin dem Kölner Stadt-Anzeiger.
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All diese Schikane dient offensichtlich dazu, dass die Mieter:innen aus ihren vier Wänden vertrieben werden. Denn der Bruder des Hausbesitzers hat in dessen Abwesenheit angekündigt, dass in dem Haus zukünftig nur noch Airbnb-Wohnungen Platz haben sollen. Das sei mit der Stadt Köln bereits geklärt. Er behauptete, dass die Mieter:innen dort illegal wohnen würden, da das Haus für eine gewerbliche Nutzung eingetragen sei. Die Stadt Köln widerspricht dieser Behauptung jedoch.
Eine offizielle Aufforderung, das Haus zu räumen, gab es nie. Nur mündlich wurden die Bewohner:innen darüber informiert. Die Mieterin Charlotte S., wohnt bereits fast 30 Jahre in dem Haus. Sie berichtete dem Kölner Stadt-Anzeiger, ihr wurde gesagt sie könne sich darüber freuen, dass ihr zwei bis drei Monate Zeit zum Ausziehen gegeben würden.
Doch der Verantwortliche hatte angeblich für alles eine Erklärung. Denn es sei niemand angegriffen oder beleidigt worden, man kümmere sich um die Mieter:innen. Die Bauarbeiten entschuldigt er damit, dass in einem so alten Haus immer mal wieder saniert werden müsse. Laut ihm wurden die Arbeiten auch fünf bis sechs Wochen früher angekündigt. Angeblich war jedoch der Postbote krank, weshalb er andeutete, dass der Brief nicht rechtzeitig angekommen sei.
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Der Druck der Öffentlichkeit wirkt
Die Polizei war bereits über die Mängel im Haus informiert, ist aber lange untätig geblieben. Nach Informationen von Perspektive Online war Dennis A. mindestens einmal bei der Polizei auf der Wache, noch bevor die Medien den Fall aufgegriffen hatten. Dort wurde ihm allerdings nicht geholfen.
Erst nachdem es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Bruder des Vermieters und einigen Mietern kam und die Polizei gerufen wurde, setzte sich die Polizei für die Mieter:innen ein. Erst als die Türen ausgebaut wurden, sind die Behörden aktiv geworden. Auf Druck der Berichterstattung durch den WDR und durch RTL hat der Vermieter angekündigt, die Türen wieder einzubauen.
Dass der Vermieter und sein Bruder es so weit treiben konnten zeigt, wie abhängig Mieter:innen von ihren Wohnungen sind. Denn die Preise fürs Wohnen sind in Köln seit 2010 um 75 Prozent gestiegen. Hinzu kommt, dass Kurzzeitvermietungen über Portale wie Airbnb den schon prekären Wohnungsmarkt noch umkämpfter machen.
Das macht es für Mieter:innen sehr schwer, eine neue Wohnung zu finden, wenn sie mit Unzumutbarkeiten durch ihre Vermieter konfrontiert werden. Gegen den Vermieter rechtlich vorzugehen, kann einen teuren Rechtsstreit bedeuten. Die diesem sitzt der Vermieter in der Regel am längeren Hebel.
Dieser Fall macht sehr eindrücklich deutlich, dass sich Vermieter in erster Linie nicht um das Wohl ihrer Mieter:innen sorgen, sondern es ihnen nur um ihren Profit geht. Aber die mediale Aufmerksamkeit und die persönliche Auseinandersetzung mit dem Vermieter haben auch gezeigt, dass die Mieter:innen den Schikanen nicht gänzlich ausgeliefert sind und es möglich ist erfolgreich, Druck auszuüben.
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