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Strom- und Gaspreise sinken leicht – Energiepreise bleiben enorm hoch
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Im ersten Halbjahr 2026 sind die Preise für Strom und Gas gesunken, liegen allerdings noch immer deutlich über dem Niveau vor dem Ukraine-Krieg. Währenddessen wird der Iran-Krieg zum neuen Preistreiber im Energiebereich.
Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, sind die Strom- und Erdgaspreise im ersten Halbjahr diesen Jahres gesunken. Im Verglech zum zweiten Halbjahr 2025 zahlten Privathaushalte 5,3 Prozent weniger für Gas und 6,4 Prozent weniger für Strom. Nicht-Haushalte – also primär Unternehmen – mussten zwar bei den Gaspreisen eine leichte Steigerung von 1,8 Prozent hinnehmen. Dafür sanken ihre Strompreise um ganze 8,3 Prozent.
Dabei fallen die gesunkenen Preise je nach Verbrauch etwas unterschiedlich aus. So profitieren bei den Strompreisen in Privathaushalten beispielsweise vor allem die Vielverbraucher:innen, während die Preise für diejenigen, die jährlich weniger als 1.000 Kilowattstunden verbrauchen nur um etwa 2,5 Prozent fielen. Bei den Gaspreisen verhält es sich eher andersherum, dort sparten Geringverbraucher:innen im ersten Halbjahr mehr pro Kilowattstunde.
Die Momentaufnahme zeigt also eine temporäre Senkung der Energiepreise. Insgesamt sind allerdings noch immer enorme Preissteigerungen seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs und den damit verbundenen Sanktionen auf russisches Öl und Gas zu spüren. Der Gaspreis lag auch im ersten Halbjahr 2026 mehr als 80 Prozent über dem Niveau vor dem Krieg, Strom ist ebenfalls 16,4 Prozent teurer.
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Öl als neuer Hauptantreiber der Teuerungen
Nicht in diese Daten mit eingeflossen ist der Ölpreis, der in diesem Jahr eine besondere Rolle gespielt hat. Der Angriff der USA und Israels auf den Iran sowie dessen Gegenangriffe sorgen hier für eine weitere Preisexplosion. Grund dafür ist einerseits die Blockade der Straße von Hormus, die Transportschiffe davon abhält, die arabische Halbinsel zu verlassen. Andererseits sind viele der in und um den Iran ansässigen Ölförder- sowie Speicheranlagen von den Angriffen der Kriegsparteien betroffen. Dadurch sinkt das Ölangebot auf dem Weltmarkt drastisch.
Die hohen Energiepreise betreffen die Bevölkerung auf vielseitige Weise. Sie wirken sich auf Heiz-, Strom- und Treibstoffkosten aus und können sich durch ihren negativen Einfluss auf die Wirtschaft sogar in Lohn und Arbeitslosigkeit niederschlagen.
Gerade in Haushalten mit geringem Einkommen macht sich der Preisanstieg bemerkbar. So konnten laut statistischem Bundesamt schon 2025 – vor den erneuten Preissprüngen – fast vier Millionen Mneschen den Zahlungsforderungen ihrer Versorgungsunternehmen nicht nachkommen.
Fast vier Millionen Menschen können sich Strom und Gas nicht mehr leisten
Wie geht es weiter?
Wer eine Prognose bezüglich des Öl- und Gaspreises wagen will, wird sich damit konfrontiert sehen, dass die Preise stark von der weltpolitischen Lage abhängen. So könnte ein Waffenstillstand der USA und Israels mit dem Iran die Öl- und Gaspreise langfristig stabilisieren, ein Ausweiten des Konflikts oder ein weiterer Krieg die Preise allerdings auch weiter steigern.
In den für die Preissteigerungen verantwortlichen Kriegen ist allerdings noch kein Ende absehbar. Im Bezug auf Gaspreise ist es mehr als fraglich, inwieweit die Handelsbeziehungen Deutschlands mit Russland nach einem Ende des Kriegs in der Ukraine wieder hochgefahren werden können.
Auch ein Ende des Angriffs auf den Iran würde nicht dafür sorgen, dass die Ölpreise auf ein Vorkriegsniveau abfallen würden. Zum einen sind große Teile der Infrastruktur zur Öl- und Gasförderung im Iran und im Umland zerstört worden, wodurch die Förderung nicht sofort wieder auf voller Kapazität möglich wäre. Zum anderen werden Preisentlastungen auf dem Weltmarkt oft nicht gänzlich an die Endverbraucher weitergegeben. So können Versorgungsunternehmen ihre Gewinnspanne unauffällig auf ein Niveau über jenem vor dem Preisanstieg erhöhen.
Allerdings drohen die Energiepreise nicht nur zu stagnieren, sondern könnten diesen Winter erneut massiv ansteigen. Der Grund dafür findet sich im geringen Füllstand der deutschen Gasspeicher. Diese sind mit einem Füllstand von etwa 53 Prozent auf einem historischen Tiefstand. Ein kalter Winter mit einem entsprechend hohen Energiebedarf könnte dafür sorgen, dass der Speicherstand weiter sinkt oder es sogar zu einem Leerstand kommt. Zwar scheint die Energieversorgung von Privatpersonen dadurch nicht akut bedroht zu sein, allerdings könnten sich leere Speicher gravierend auf die Wirtschaft auswirken und für eine weitere Kostenexplosion bei den Energiepreisen sorgen.
Was tut die Politik?
In Deutschland wird die Beschaffung von Öl und Gas nicht über den Staat direkt geregelt, stattdessen liegt sie in der Hand von Versorgungsunternehmen, die darauf spekulieren, mit der für die Bevölkerung notwendigen Versorgung Profite zu erwirtschaften. Der niedrige Füllstand der deutschen Gasspeicher ist dadurch zu erklären, dass die Versorgungsunternehmen darauf spekuliert hatten, nach Ende des Iran-Krieges wieder günstiges Öl und Gas ankaufen zu können.
Bezüglich der Gasspeicher bemüht sich die Bundesregierung darum, die Lage herunterzuspielen. So verkündete Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), dass es keinen Grund zur Sorge gäbe, da Deutschland zusätzlich zu den Speicheranlagen auch noch über laufende LNG-Terminals verfüge. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mahnt zur Ruhe und betont, dass Reiche wiederum „genau das Richtige tut, um die Gasversorgung im Winter sicherzustellen”. Welche konkreten Aktionen „das Richtige” umfasst, dazu äußert er sich allerdings nicht. Man befände sich im Austausch mit den Betreibenden.
Neben dem Ernst der Lage verkennen solche Äußerungen, dass nicht nur ein totaler Ausfall der Energieversorgung die Bevölkerung gefährden würde. Auch die Preissteigerungen an sich sind eine Last. Viele Bewohner:innen spüren den Kostenanstieg in ihrem Budget. Sollten sie die Autofahrt zur Arbeit oder die Heizkosten ihrer Wohnung nicht mehr stemmen können, kann auch ein hoher Ölpreis für sie existenzgefährdend werden.
Erdöl-Blockade im Roten Meer: Bringt Tankrabatt Nummer drei wieder nur Extraprofite für Konzerne?
Tankrabatt als Abhilfe?
Als letzte konkrete Maßnahme wurde von der Regierung ein Tankrabatt verabschiedet. Er soll das Tanken wieder bezahlbarer machen. 17ct pro Liter Benzin oder Diesel sollen Verbraucher durch Steuersenkungen sparen.
Allerdings erntet auch dieser Vorstoß massive Kritik. Während Autofahrer und Wirtschaft von dem Rabatt zunächst profitieren, wird er aus den Steuern aller Bürger:innen bezahlt. Die Energiekosten von nicht bis wenig Auto fahrenden Personen bleiben gewohnt hoch, während ihre Steuerlast dadurch steigen könnte.
Auch wird befürchtet, dass der Tankrabatt nicht komplett auf die Verbraucher:innen übertragen wird. Es ist üblich, dass derartige Rabatte von Mineralölkonzernen genutzt werden, um die Treibstoffpreise irregulär anzuheben, sodass nur Teile des Tankrabatts beim Verbraucher ankommen, während der Bundeshaushalt für die kompletten Kosten aufkommen muss.
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Source: Perspektive Online