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Germany · Perspektive Online · · 2h

Safe Abortion Day – Bundesweite Proteste für sichere Schwangerschaftsabbrüche

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Unter dem Motto „Für sichere Schwangerschaftsabbrüche – JETZT ERST RECHT!“ hat das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung auch in diesem Jahr wieder zu Aktionen am Safe Abortion Day (dt. internationaler Tag für sichere Schwangerschaftsabbrüche) aufgerufen. In diesem Zuge wurde der 28. September von verschiedenen kämpferischen und aufklärenden Aktionen begleitet.

Im Mittelpunkt stand dabei der Kampf für die Selbstbestimmung der Frau sowie das Recht auf legale und sichere Abtreibung. Bundesweit sind am Montag Menschen auf die Straße gegangen, um für die Abschaffung der §§ 218 und 219 StGB, den Ausbau der medizinischen Versorgung und die Endstigmatisierung von Abtreibungen zu kämpfen. Auch der Deutsche Paritätische Gesamtverband und Ver.di hatten zu Aktionen aufgerufen.

Noch immer werden Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland rechtlich kriminalisiert. Frauen, die abtreiben möchten, werden mit rechtlichen Anforderungen konfrontiert und das Risiko der Strafverfolgung für Ärzt:innen ist hoch, wenn die Anforderungen der §§ 218 und 219 StGB nicht erfüllt sind. Deshalb und auch weil das Angebot in Krankenhäusern nicht verpflichtend ist, entscheiden sich viele dagegen, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Dies hat zur Folge, dass die medizinische Versorgung vielerorts mangelhaft ist.

Protest gegen „Marsch für das Leben“ in Berlin und Köln

In vielen Städten haben insbesondere Frauen und trans Personen Kundgebungen und Demonstrationen veranstaltet. Neben dem Kampf für das Recht auf sichere Abtreibungen wurden dabei auch Brücken zu anderen Problemen geschlagen, die Frauen besonders betreffen. So ging es auch immer wieder um internationale Frauensolidarität, Militarisierung und Sozialabbau.

In Hamburg hatte das Bündnis Safe Abortion Day zu einer Demonstration aufgerufen, an welcher sich über 100 Personen beteiligten. Unter anderem sind Organisationen wie Zora, Medical Students for Choice, Pia Pro Familia, die Föderation klassenkämpferischer Organisationen (FKO) und die LAG Feminismus der Partei Die Linke aufgetreten. Die Demonstration zeigte insgesamt eine kämpferische Perspektive im Kampf für sichere Abtreibungen auf.

Durch Transparente mit Losungen wie „Freiheit den inhaftierten Frauen in der Türkei. Frauen kämpfen international. Sieg der Frauenrevolution in Rojava!“ wurde ebenso auf internationale Errungenschaften von kämpferischen Frauen aufmerksam gemacht und Solidarität mit ihnen gezeigt.

Auch in Leipzig sind rund 100 Personen – vor allem Frauen – durch die Straßen gezogen, um für ihre Selbstbestimmung zu kämpfen. Es gab im Laufe der Demonstration immer wieder Redebeiträge, bei denen unter anderem auch andere Formen der staatlichen Gewalt gegen Frauen aufgegriffen wurden. Die Kommunistischen Frauen haben beispielsweise in einem Redebeitrag auf Paula Maier aufmerksam gemacht, die in türkischer Abschiebehaft von einem Beamten vergewaltigt worden ist.

Paula Maier im Interview: „Sexualisierte Gewalt zielt darauf ab, uns Frauen zu demütigen und mundtot zu machen“

Außerdem gab es einen Redebeitrag, der von persönlichen Erfahrungen bei einer Abtreibung berichtete. Die Rednerin erzählte, dass der Staat ihr immer wieder Steine in den Weg gelegt habe und dass es gerade ihr Umfeld war, das ihr Halt und Kraft gegeben habe. Die Demonstrierenden riefen im Anschluss an den Redebeitrag gemeinsam die Parole „Dieser Staat schützt mich nicht. Meine Schwestern schützen mich!“.

Auch von Passant:innen und Anwohner:innen stieß die Demonstration immer wieder auf großen Anklang. Die durchgängig kämpferische Stimmung erreichte einen Höhepunkt, als von einem Gebäude ein Transparent mit der Aufschrift „Jin, Jiyan, Azadî“ (dt. Frauen, Leben, Freiheit) heruntergelassen wurde.

Die junge Frauenorganisation Zora veranstaltete in Berlin eine Kundgebung vor dem Rathaus in Neukölln, an welcher sich ebenfalls etwa 100 Personen beteiligten. Auch die FKO beteiligte sich an der Kundgebung.

In einem Redebeitrag machte eine Sprecherin der FKO auf die Verbindung zwischen Sozialabbau und Schwangerschaftsabbrüchen aufmerksam: „Durch die Kürzungen der Merz-Regierung im Gesundheits- und Sozialwesen nehmen die Hürden für Menschen, die ungewollt schwanger geworden sind, noch weiter zu. […] Besonders wütend macht es mich, dass die Gesellschaft, die von einem verlangt, Kinder zu bekommen, die man nicht möchte, danach nicht mal Unterstützung leistet. Im Gegenteil: Die Regierung kürzt beim Eltern-, Wohn- und Bürgergeld“.

Durch Parolen wie „My Body, My Choice – raise your voice“ oder „Frauen, die kämpfen, sind Frauen, die leben. Lasst uns das System aus den Angeln heben.“ wurde immer wieder auf die Selbstbestimmung der Frau aufmerksam gemacht.

Frauen kämpfen für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung

Neben zahlreichen weiteren Demonstrationen und Kundgebungen fanden bundesweit außerdem Informations- und Bildungsveranstaltungen statt. Dabei ging es darum, über Schwangerschaftsabbrüche aufzuklären, Vorurteile abzubauen und Wissen über reproduktive Gesundheit und Selbstbestimmung zu vermitteln.

Pro Familia hat sich in Bayern dazu entschieden, über mehrere Tage auf ihren Kanälen in den sozialen Medien informative Beiträge hochzuladen und Fragen-und-Antwort-Aktionen abzuhalten, um rund um das Thema Schwangerschaftsabbrüche aufzuklären.

In Gießen gab es einen Infostand, der von Pro Familia, Doctors for Choice und dem Büro für Frauen und Gleichstellung veranstaltet wurde. Darüber hinaus wurden in der Stadt lilafarbene Luftballons aufgehängt, um auf den Aktionstag aufmerksam zu machen. Auch in Saarbrücken gab es in der Innenstadt einen Infotisch, um mit Passant:innen in den Austausch zu kommen und Vorurteile aufzuklären.

Dabei wurden auch diverse Aktionsformen genutzt, um über Schwangerschaftsabbrüche und die Lage von Frauen zu informieren. In Münster veranstaltete das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung beispielsweise ein Pub Quiz zu Schwangerschaftsabbrüchen. Eine Lesung mit anschließender Podiumsdiskussion zu reproduktiven Rechten und Selbstbestimmung gab es derweil in München.

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Source: Perspektive Online