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Kartellgewalt und Umweltkatastrophen: Mehr als zwei Millionen Menschen in Mexiko auf der Flucht

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Eine Erhebung des mexikanischen Statistikamts INEGI gibt erstmals einen umfassenden Einblick in die Dimension der Vertreibung im Land. Mehr als zwei Millionen Menschen wechselten zwischen 2020 und 2025 ihren Wohnort, während rund 1,1 Millionen Mexikaner:innen in die USA emigrierten.

Ende September veröffentlichte das mexikanische Institut für Statistik und Geografie (INEGI) erstmals Erhebungen zur Vertreibung innerhalb des mittelamerikanischen Landes. Für diese groß angelegte Studie wurden mehrere Millionen mexikanische Haushalte befragt.

Das Ergebnis der Befragung: Im Zeitraum von Oktober 2020 bis Oktober 2025 sahen sich über zwei Millionen Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und innerhalb Mexikos an einem anderen Ort Zuflucht zu suchen. Nicht berücksichtigt sind diejenigen, ins Ausland geflohen sind. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bezeichnet diese als Flüchtlinge, während Menschen, die ihren Wohnort verlassen mussten, aber innerhalb des Landes umsiedeln, als Binnenvertriebene kategorisiert werden.

Kriminelle Kartelle sind häufigste Vertreibungsursache

Die überwältigende Mehrheit davon wurde aufgrund organisierter Kriminalität beziehungsweise grassierender Kartellgewalt zum Wegzug gezwungen. Rund 1,6 Millionen Vertriebene gaben dies als Grund an.

Der anteilsmäßig höchste Wegzug aufgrund von Kriminalität ist in den Bundesstaaten Michoacán und Chiapas zu verzeichnen. Im letztgenannten Bundesstaat sahen sich in der Gemeinde Chicomuselo gar mehr als ein Viertel der Bewohner dazu gezwungen, ihren Heimatort zu verlassen. Zacatecas, Morelos, Michoacán, Querétaro und Colima sind weitere Bundesstaaten, die unter enormen Wegzugsraten aufgrund der Gewalt von Kartellen leiden.

Weltweit 117 Millionen Menschen auf der Flucht

Eine weitere knappe halbe Million Befragter gab wiederum an, dass Umweltkatastrophen wie Wirbelstürme oder Hochwasser sie zur Flucht gezwungen hatten. Im Falle von klimabedingten Fluchtursachen geht das UNHCR davon aus, dass sich die Vertriebenen nur temporär an einem anderen Ort niederlassen und schneller wieder in ihre Heimat zurückkehren können.

Präsidentin Sheinbaum muss sich beweisen

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat sich bisher nicht vollumfänglich zu den Ergebnissen geäußert. Sie forderte detaillierte Informationen bezüglich der Erhebung und der Verfahrensweise des INEGI an, um sich ein besseres Bild davon machen zu können. Die linksliberale Präsidentin sieht sich seit ihrem Amtsantritt mit zahlreichen innenpolitischen Herausforderungen konfrontiert. Allen voran der Kampf gegen die Kartelle und rechte Oppositionelle sind dauerhafte Konfliktfelder für die 64-Jährige.

Wie sich diese beiden Themenfelder überschneiden, zeigten Proteste vor knapp einem Jahr: Nach dem Mord an Carlos Manzo, dem rechten Bürgermeister von Uruapan, gingen Tausende auf die Straße. Die Protestierenden wollten sich als Teil der weltweiten Gen-Z-Proteste inszenieren und dabei die Missstände bei der Bekämpfung von Kartellen in den Vordergrund stellen. Die Proteste verbreiteten allerdings in vielen Fällen rückschrittliche Forderungen und es kamen Vorwürfe auf, dass politisch relevante Akteure hinter der Organisierung stünden.

Eskalation in Mexiko: „Gen Z-Protest“ oder rechte Inszenierung?

Vermehrte Flucht und Konflikt mit den USA

Hinzu kommt ein anhaltender Konflikt mit dem Nachbarland USA und dessen Präsidenten Donald Trump. Dieser ist nicht nur wegen der unterschiedlichen politischen Ausrichtungen Sheinbaum gegenüber kritisch eingestellt, sondern vor allem aufgrund von Trumps wichtigstem Wahlkampfthema: Den vermeintlich illegal einreisenden Hispanics, die über die mexikanische Grenze in die Vereinigten Staaten gelangen.

Mexikaner:innen sehen sich nicht nur innerhalb ihres Landes von Vertreibung betroffen. Viele befinden sich in einer derart aussichtslosen Situation, dass sie sich im Nachbarland bessere Chancen auf ein würdiges Leben erhoffen. INEGI geht davon aus, dass zwischen 2018 und 2023 fast 1,1 Millionen Menschen aus Mexiko in die USA emigriert sind. Hierbei ist grundsätzlich zunächst jegliche Form der Migration inbegriffen. Eine weiterführende Studie geht allerdings davon aus, dass rund 40 Prozent derjenigen ohne Einreisedokument in die USA gekommen sind und somit von Fluchtursachen ausgegangen werden kann.

Sowohl die Binnen- als auch die internationale Migration stellen Mexiko vor große demografische Herausforderungen, zumal die jährliche Bevölkerungswachstumsrate auf 0,7 Prozent gesunken ist. Die momentane Geburtenrate liegt bei 1,2 Kindern pro Frau und ist damit eine der niedrigsten weltweit.

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Source: Perspektive Online