Faultline Faultline Kommando 161

Germany · Perspektive Online · · 2h

Gruppenvergewaltigung an US-Eliteuniversität – „Cornell Seven“ werden erst zwei Jahre später angeklagt

Deutsch (original) · Read in English ⇄

Im Oktober 2024 vergewaltigten Studenten der angesehenen Cornell University eine Kommilitonin. Zwei Jahre später erlangt der Fall durch die Anklage der Täter weltweite Aufmerksamkeit, nachdem die Leitung der Universität bislang weitestgehend untätig geblieben ist.

In der Kleinstadt Ithaca im US-Bundesstaat New York befindet sich die Cornell University. Diese ist Mitglied in der berüchtigten Ivy League, deren Universitäten als Schulungsort der US-amerikanischen Elite gelten. Doch in den vergangenen Tagen hat sich der Ruf der Cornell University gewandelt: Weltweit wird ihr Name nun mit dem systematischen Schutz von Vergewaltigern vor Konsequenzen in Verbindung gebracht.

Grund ist ein Vorfall aus dem Oktober 2024. Eine Studentin der Cornell University besuchte einen Freund in einem Haus der Studentenverbindung Chi Phi. Der bereits betrunkenen Frau wurde zunächst auf dieser Party im „Frat House“ (Kurzform von „fraternity“, dt. Bruderschaft) noch mehr Alkohol zu trinken gegeben. Zu diesem Zeitpunkt sei sie laut den Gerichtsunterlagen bereits nicht mehr in der Lage gewesen, eindeutige Zustimmung auszudrücken.

Fall Claudia Wuttke löst Entsetzen über Verjährungsfrist von Vergewaltigung aus

Nach einer Weile brachte sie ihr Freund in ein Zimmer im Obergeschoss. Dort drängte er zusammen mit einem weiteren Mann die Frau zum Konsum des starken Betäubungsmittels Ketamin. Ferner wurden ihr Marihuana und zusätzliche Mengen hochprozentigen Alkohols verabreicht. Durch die Drogen geriet das Opfer in einen wehrlosen Zustand. Anschließend begannen die beiden Männer, sexuelle Handlungen an dem Körper der Frau vorzunehmen – ohne, dass diese jemals zugestimmt hätte. Im Gegenteil: neben der fehlenden Zustimmung versuchte die Frau zudem, einen weiteren hinzugekommenen Mann mit der Hand wegzustoßen.

Währenddessen schickte einer der drei ursprünglich beteiligten Männer eine Nachricht in eine Chatgruppe, die der lokale Ableger von Chi Phi auf dem Messenger-Dienst Snapchat betreibt. Sinngemäß wurde denjenigen, die zu dem entsprechenden Gebäude kämen, „kostenloser“ Sex versprochen. Laut einem entsprechenden Screenshot, der dem Gericht vorliegt, waren die Reaktionen ausschließlich positiv und signalisierten Bewunderung für den Absender.

„Akademie des Vergewaltigens“: Internationale Telegram-Gruppe für organisierte sexualisierte Gewalt aufgedeckt

Vier weitere Männer betraten daraufhin den Raum. Die insgesamt sieben Männer verteilten und konsumierten Ketaminpulver auf dem nackten Körper des Opfers. Erneut wurden Schutzreflexe wie das versuchte Verstecken unter der Bettdecke bewusst übergangen. Fünf der Täter verließen nach einer Weile den Raum. Zurück blieb jener Mann, der die Betroffene ursprünglich in das Haus eingeladen hatte, sowie ein weiterer durch die Snapchat-Nachricht hinzugeholter Mann. Beide zwangen die Frau zum Konsum von noch mehr Ketamin und vergewaltigten sie erneut. Erst nachdem ihr Opfer bewusstlos geworden war, hörten sie auf.

Einige Stunden später wachte die Betroffene auf und kehrte in einem Schockzustand in ihre eigene Unterkunft auf dem Gelände der Cornell University zurück. „Was mir passiert ist, war schrecklich und zutiefst verstörend“, berichtet sie gegenüber der Studierendenzeitung The Cornell Daily Sun. „Fast zwei Jahre später trage ich die Folgen davon noch immer jeden Tag und jede Nacht mit mir.“

Kaum Konsequenzen durch die Leitung der Universität

Anfang November meldete die Betroffene schließlich die Ereignisse an die auf dem Campus stationierte Polizei. Die sieben Beschuldigten wurden als Folge zunächst von der Universität suspendiert. Allerdings erhielten sie die Möglichkeit, durch das Schreiben von Essays über ihre Vergehen eine Milderung der Strafen zu erreichen. Später stellte sich heraus, dass zwei Beschuldigte exmatrikuliert wurden – die übrigen fünf durften weiterstudieren.

Alle Acht Minuten: Sexualisierte Gewalt und Täter-Opfer-Umkehr bei Uber

Im November 2024 veröffentliche die Uni eine offizielle Stellungnahme und im Januar 2025 gab sie eine Untersuchung zu „sexuellem Fehlverhalten“ auf dem Campus der Cornell University in Auftrag. Deren Ergebnisse wurden am 4. November 2025 publiziert. Ihr Fazit ist, dass es an der Cornell University ein besorgniserregendes Maß an sexueller Übergriffigkeit gebe. Der lokale Ableger der Studentenverbindung Chi Phi wurde als Reaktion auf die Vorwürfe geschlossen.

Dennoch wurde von keiner in Kenntnis gesetzten Seite Strafanzeige gestellt. Weder von den anderen Mitgliedern der Snapchat-Gruppe, der Campuspolizei noch von der Universitätsleitung wurden rechtliche Schritte eingeleitet. Erst die Strafanzeige der Betroffenen selbst sorgte für eine hinreichend ausführliche Betrachtung des Falls durch ein Gericht.

Widerstand aus der Studierendenschaft

Die Studierendenzeitung The Cornell Daily Sun spielte eine zentrale Rolle bei der öffentlichen Aufarbeitung des Falls: Die Redakteurin Cereese Qusba recherchierte monatelang und berichtete im September 2025 erstmals ausführlich über die Klage. In einem Leitartikel kritisierte die Redaktion die Universität scharf: „Wir weigern uns, dass dieses Opfer auf eine weitere Geschichte reduziert wird. Cornell hat es versäumt, seine Studierenden zu schützen.“

Auf und neben dem Platz: Patriarchale Gewalt bei der Fußball-WM

Auch danach berichtete die Zeitung weiter über die Folgen des Falls und stellte insbesondere die mangelnde Transparenz der Universität in den Mittelpunkt. In einem Artikel veröffentlichte die Redaktion zudem die Namen der sieben in der Klage beschuldigten Männer und kritisierte, dass fast zwei Jahre lang kaum Informationen über den Umgang der Universität mit den Vorwürfen bekannt waren. The Cornell Daily Sun wollte damit nach eigener Darstellung verhindern, dass der Fall in Vergessenheit gerät.

Die Taten der als „Cornell Seven“ bezeichneten Tätergruppe haben sich in den USA und darüber hinaus zu einem politischen Thema entwickelt. Hochrangige Politiker:innen wie die Gouverneurin des Bundesstaats New York und eine Kongressabgeordnete forderten eine Revision des Falls durch das zuständige Gericht. Darüber hinaus richteten Aktivist:innen eine Internetseite ein, auf der ausführliche Informationen und auch die Gerichtsakte des Falls einsehbar sind.

Paula Maier im Interview: „Sexualisierte Gewalt zielt darauf ab, uns Frauen zu demütigen und mundtot zu machen“

Der Fall werde durch „die grausame Untätigkeit, mit der die Universitätsleitung in den vergangenen zwei Jahren mit diesem Vorfall umgegangen ist, noch verschlimmert“, heißt es in einer Petition aus der Alumni-Gemeinschaft der Universtität. Die Alumni fordern personelle Konsequenzen, mehr Transparenz bei den Untersuchungen sowie eine öffentliche Entschuldigung, unabhängige Prüfung und verbindliche neue Richtlinien und wollen bis dahin ihre Unterstützung und Spenden zurückhalten.

Der Beitrag Gruppenvergewaltigung an US-Eliteuniversität – „Cornell Seven“ werden erst zwei Jahre später angeklagt erschien zuerst auf Perspektive.

Read the full story at the source

Source: Perspektive Online