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„Die größten Krawallmacher sitzen doch in der Regierung“

Heute gehen in ganz Deutschland Jugendliche unter dem Motto „Gen Z regelt“ auf die Straße. Wir haben mit Jakob von Gen Z regelt Augsburg über die Forderungen gegen Aufrüstung und Sozialkürzungen, die

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Heute gehen in ganz Deutschland Jugendliche unter dem Motto „Gen Z regelt“ auf die Straße. Wir haben mit Jakob von Gen Z regelt Augsburg über die Forderungen gegen Aufrüstung und Sozialkürzungen, die Inspiration durch die Proteste in Frankreich und den Umgang mit Hetze und Verbotsdrohungen gesprochen.

Für den 31. Oktober habt ihr auch in Augsburg unter dem Motto „Gen Z regelt“ zu Protesten aufgerufen. Warum, und was fordert ihr genau?

Wir haben es satt, dass die Politik unsere Zukunft immer wieder gegen die Wand fährt. Egal ob bei Sozialkürzungen, Wehrpflicht oder auch steigender Gewalt gegen Frauen, wir sehen, dass ihnen unsere Interessen am Ende egal sind. Überall gibt es Probleme und Krisen. Das führt bei vielen zu einem Gefühl von Perspektivlosigkeit: Eigentlich ist jetzt schon klar, dass man kaum eine Chance hat, einen guten Job zu finden oder sich ein WG-Zimmer leisten zu können.

Die Antwort der Regierung darauf ist, noch weiter nach Rechts zu rutschen, einen Sparkurs auf unserem Rücken durchzusetzen und die Schuld für die schlechte Lage Geflüchteten zu geben.

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Was wir fordern ist also ein Ende dieser Politik, bei der wir alle unter die Räder kommen. Wir wollen keine Aufrüstung und keine Sozialkürzungen. Das Geld soll stattdessen dahin, wo es gebraucht wird: Also in Klimaschutz, Bildung, Gesundheit oder Gewaltschutz für Frauen.

„Gen Z regelt“ steht auch für einen Anspruch: Wir nehmen das jetzt selbst in die Hand. Was heißt das konkret?

Es ist an der Zeit, dass sich wirklich was ändert. Damit das passiert, dürfen wir nicht herumsitzen und darauf warten, dass jemand anderes sich für uns einsetzt. Wir müssen uns mit unseren Freund:innen und Mitschüler:innen zusammenschließen und eine Bewegung aufbauen, die der aktuellen Politik wirklich den Kampf ansagen kann. Dazu können wir alle einen Teil beitragen! Zum Beispiel, in dem wir an unseren Schulen Treffen veranstalten, Schulzeitungen herausgeben oder selbst Proteste organisieren.

In Augsburg haben wir zum Beispiel offene Treffen veranstaltet, bei denen wir die Demo geplant und Material gebastelt haben. Wir organisieren alles selbst: Technik, Kontakt mit den Behörden, Werbung auf Social Media oder Flyeraktionen an Schulen. Dabei freuen wir uns immer wenn neue Leute auftauchen, die Lust haben mitzumachen.

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In Telegram-Kanälen haben sich bereits Hunderte bis Tausende Jugendliche versammelt, und auf der Website von „Gen Z regelt“ haben Zehntausende ihre Teilnahme zugesagt. Was erhofft ihr euch von den Demonstrationen am Wochenende?

In den Telegram-Gruppen sind viele Jugendliche, die bisher noch nie auf einer Demo waren und sich noch nicht so viel mit Politik beschäftigt haben. Diese Demos am Samstag werden also der erste richtige Berührungspunkt mit Politik für Viele. Da hoffen wir natürlich, dass einige Leute kommen und wir unseren Protest auch wirklich laut auf die Straßen tragen können.

Andererseits gab es ja schon krasse Drohungen von Polizei und Regierung. In Stuttgart hat die CDU gefordert, ein Verbot der Demo zu prüfen. Hier in Augsburg hat uns das Ordnungsamt immer wieder Steine in den Weg gelegt und uns dazu gedrängt, unsere Route mehrmals zu ändern. Mit diesem Druck konnten wir aber gut umgehen, weil es einen sehr starken Zusammenhalt in unserer Gruppe gibt.

Die Bewegung ist im Zuge der Schulblockaden und der großen Protestwelle in Frankreich entstanden. Inwiefern haben euch diese Proteste inspiriert?

In Frankreich haben sich breite Teile der Bevölkerung zusammengetan, um gegen die rechte Politik der Regierung anzukämpfen – Schüler:innen, Studierende, Gewerkschafter:innen, Bäuer:innen und so weiter. Trotz rassistischer Hetzte und Spaltungsversuchen in den Medien gibt es dort einen sehr starken Zusammenhalt. Das finden wir sehr beeindruckend. Auch von bestimmten Aktionsformen wie Schul- oder Uniblockaden haben wir uns inspirieren lassen.

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Natürlich ist die Situation in Frankreich eine andere als hier in Deutschland, und man kann diese Proteste nicht einfach übertragen. Aber wir können von den Jugendlichen dort lernen, und wir können uns über die Grenzen hinweg unterstützen. Wenn der Protest international überschwappt, was ja gerade in ganz vielen Ländern der Fall ist, setzt das die Regierungen umso mehr unter Druck. Deshalb reagiert ja gerade auch die deutsche Regierung und Polizei so hart: Die haben Angst, dass wir zu einem Problem für sie werden.

In den Medien ist von „drohenden Krawallen“ die Rede, und gegen junge Migrant:innen wird gehetzt. Der Verfassungsschutz warnt vor einer „Unterwanderung durch Linksextreme aus In- und Ausland“. Was ist dran an diesen Vorwürfen?

Die größten Krawallmacher sitzen doch in der Regierung. Also im Ernst, die Zustände im Bildungssystem, Sozialkürzungen oder die drohende Wehrpflicht sind doch die eigentlichen Probleme, nicht irgendwelche kleinen Sachbeschädigungen. Außerdem ist es sowieso sehr zu bezweifeln, dass die Proteste hier in Deutschland solche Ausmaße annehmen wie in Frankreich.

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Auch wenn es unterschiedliche Herangehensweisen an Proteste gibt: Wichtig ist, dass wir zusammenhalten und nicht damit anfangen, uns voneinander abzugrenzen. Diese rassistische Hetze oder die Aufteilung in „gute“ und „linksextreme“ Demonstrierende soll uns nur spalten und ungefährlich machen. Darauf dürfen wir uns nicht einlassen – wir demonstrieren nicht, um in den Medien gut dazustehen, sondern weil wir sehr berechtigte Anliegen haben.

Woran werdet ihr den Erfolg des 31. Oktober messen?

Daran, was danach passiert! Wir wollen nicht bei einem Aktionstag stehen bleiben. Am 20. November ist zum Beispiel der nächste internationale Schulstreik gegen Wehrpflicht. Und auch dazwischen und danach müssen wir weiter für unsere Forderungen einstehen. Wie gesagt, wir müssen uns zusammenschließen und aus vereinzeltem Protest eine schlagkräftige Bewegung machen. Das wird nicht einfach, aber der 31. Oktober kann der Startschuss dafür sein. Wir wollen in Augsburg auf jeden Fall auch nach dem 31. Oktober Treffen organisieren und uns auch bundesweit mit anderen Gruppen vernetzen.

Der Beitrag „Die größten Krawallmacher sitzen doch in der Regierung“ erschien zuerst auf Perspektive.

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