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Deutscher Staat erwirbt 50 Prozent der Anteile des Panzerherstellers KNDS

Die Bundesregierung steigt beim Hersteller von Leopard 2, Puma und Panzerhaubitze 2000 ein. Der Konzern hält in Europa 69 Prozent des Kampfpanzer-Marktes. Parallel baut er seine Kapazitäten aus, auch

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Die Bundesregierung steigt beim Hersteller von Leopard 2, Puma und Panzerhaubitze 2000 ein. Der Konzern hält in Europa 69 Prozent des Kampfpanzer-Marktes. Parallel baut er seine Kapazitäten aus, auch durch die Übernahme von Autowerken.

Im Jahr 2015 fusionierte das französische Rüstungsunternehmen Nexter mit dem deutschen Konglomerat Kraus-Maffei Wegmann (KMW). Es entstand der Konzern KNDS, der eine Monopolstellung im Bau von Panzerfahrzeugen erlangte. Zur Produktpalette gehören die Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc, der Schützenpanzer Puma, die Panzerhaubitze 2000 und die Haubitze RCH 155. KNDS besitzt bei dem Verkauf von Kampfpanzern in Europa einen Marktanteil von 69 Prozent.

Für die deutschen und französischen Heere liefert KNDS alle verwendeten Kampfpanzer. Bei allen Arten von Panzerfahrzeugen kommt KNDS in diesen beiden Ländern auf einen Marktanteil von insgesamt 68 Prozent. Sowohl für Frankreich als auch für die BRD stellt diese Rüstungsschmiede also einen kritischen Bestandteil für das militärische Potenzial dar.

Nach langen Verhandlungen will der deutsche Staat nun selbst Eigentümer von 50 Prozent der Unternehmensanteile werden. Das Handelsblatt zitiert aus einem als Verschlusssache eingestuften Dokument des Bundesministeriums der Finanzen, dass sich der Bund mit dem bisherigen Eigentümer, der Wegmann Unternehmens-Holding GmbH & Co. KG, auf den Verkauf geeinigt hätte. Der Kaufvertrag solle demnach im November unterzeichnet und die Übergabe der Anteile im Dezember erfolgen. Der Kaufpreis steht noch nicht fest, aber dieser soll niedriger sein als ursprünglich geplant. Im Juni dieses Jahres war noch der Erwerb von nur 40 Prozent der Anteile für 7,2 Milliarden Euro geplant.

Telekom, Mercedes & KNDS – In Deutschland entsteht ein Militärisch-Industrieller Komplex

Als Ursache für den Anstieg der erworbenen Anteilsmenge werden verschiedene Gründe genannt. Einerseits wolle man mit dem französischen Staat Parität wahren, der bereits die andere Hälfte des KNDS-Konzerns besitzt. Die Präsidentschaftswahlen nächstes Jahr könnten laut dem Dokument für einen politischen Wandel in Frankreich sorgen, weswegen man durch die Erhöhung des eigenen Besitzanteils an KNDS die eigenen Sicherheitsinteressen schützen müsse.

Andererseits wolle man eine Beteiligung Dritter an der Kontrolle über das Unternehmen verhindern. Nachdem ein geplanter Börsengang nicht zustande kam, suchte die Wegmann-Holding nach einem Abnehmer für ihre Anteile. Die tschechische Czechoslovak Group und das US-amerikanische Investmentunternehmen Warburg Pincus werden als potenzielle Konkurrenten genannt.

KNDS als Rückgrat der deutschen Aufrüstung

Das baldige Staatsunternehmen KNDS plant, seine Produktionskapazitäten stark auszuweiten. In der Praxis wird dies durch die Übernahme von Werken ermöglicht, die zuvor zivile Fahrzeuge fertigten. In Görlitz hat KNDS bereits die dortige Waggonfabrik übernommen, wo in Zukunft Panzerteile produziert werden sollen. Geplant sind außerdem die Übernahmen des VW-Werkes Osnabrück und Mercedes-Benz-Werkes Ludwigsfelde. Florian Hohenwarter, CEO von KNDS Deutschland, betonte im April dieses Jahres, dass die eingespielte Belegschaft eines Automobilwerkes ideal sei, um in der Rüstungsproduktion zu arbeiten.

Von Autos zu Panzerfahrzeugen: KNDS plant Übernahme von VW- und Mercedes-Standorten

Der Chef des KNDS-Gesamtkonzernes Jean-Paul Alary gab auf der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz an, dass sich die Produktionskapazitäten von KNDS in den letzten drei Jahren verdreifacht hätten. Dieses Unternehmenswachstum lässt auf eine doppelte Funktion des KNDS-Konzernes für den deutschen Staat schließen. So fungiert KNDS als eine faktische Holdinggesellschaft für unrentable Betriebe der Automobilindustrie. Wo sich die Automobilproduktion für VW, Mercedes-Benz und BMW nicht mehr lohnt, könnte KNDS in Zukunft Kriegsgerät im profitablen Staatsauftrag herstellen.

Auf der militärischen Seite wird das Unternehmen durch den kommenden Staatsbesitz zu einem Instrument, um die Kriegsproduktion in staatliche Hände zu überführen. Somit kann der Staat seine langfristigen und kostspieligen Rüstungsprogramme durchführen, ohne dabei auf kurzfristige Profitinteressen von privaten Anteilseignern achten zu müssen.

In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg führten ähnliche Überlegungen zu der Errichtung des Staatskonzernes Reichswerke „Hermann Göring“. Das NS-Regime wollte somit den Nachschub an Rohstoffen wie Stahl sicherstellen und unabhängig von den Interessen der privaten Montanindustrie werden. Im Laufe des Krieges wurden die Reichswerke zu einer Holding für Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall-Borsig.

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