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Carsten Breuer: Generalinspekteur der Bundeswehr wird militärischer NATO-Chef
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Carsten Breuer ist aktuell als Generalinspekteur der Bundeswehr-Soldat höchsten Ranges. Ab kommendem Jahr soll er der neue Vorsitzende des NATO-Militärausschusses werden. Für den deutschen Staat ist das ein militärpolitischer Erfolg, der den eigenen Führungsanspruch unterstreicht.
Ab Juli 2027 soll Deutschland den neuen Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses stellen. Ganz konkret geht es dabei um den aktuellen Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer. Am vergangenen Samstag erhielt Breuer bei einer vertraulichen Wahl die Zustimmung der Mehrheit der NATO-Verteidigungschefs. Bis er sein neues Amt im kommenden Jahr Antritt, wird der Posten noch vom italienischen Admiral Giuseppe Cavo Dragone übernommen. Dieser trägt diesen Posten bereits seit 2025.
Die Rolle Breuers in der Militarisierung Deutschlands
Hinter Breuer liegt eine lange Karriere, die Nach ihrem Beginn 1984 als Offiziersanwärter der Heeresflugabwehrtruppe, verschiedenste Führungsaufgaben, sowohl innerhalb der Truppe als auch im Verteidigungsministerium umfassten. Bevor er im Jahr 2022 zum ersten Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr ernannt wurde, übernahm er 2021 die Leitung des Corona-Krisenstabs der Bundesregierung.
Seit dem 17. März 2023 ist er, als Nachfolger des Generals Eberhard Zorn, in der Funktion des Generalinspekteurs der Bundeswehr tätig und ist damit einhergehend auch ihr ranghöchster Soldat. In seiner Rolle als Generalinspekteur trägt er die Verantwortung die Zeitenwende militärisch zu gestalten, die 2022 von Olaf Scholz ausgerufen wurde. Im April diesen Jahres setzte er in diesem Rahmen die erste Militärstrategie in der Geschichte der BRD in Kraft.
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Bereits zu Beginn seiner Zeit als Generalinspekteur machte er bereits deutlich, wohin er die Bundeswehr entwickeln wolle. In einer Rede, die er auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2023 abhielt, erklärte er, dass mit der „Zeitenwende“ auch eine gewisse „Gedankenwende“ einhergehen müsse. Er machte deutlich, dass es ihm nicht mehr nur darum ginge, sich verteidigen zu können, sondern Kriege auch zu gewinnen: „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen, ist nicht mehr genug. Wenn wir in der Zeitenwende glaubwürdig abschrecken und somit letztendlich Krieg verhindern wollen, müssen wir vor allem eins: gewinnen wollen, weil wir gewinnen müssen.“
Um das ganze Bewerkstelligen zu können forderte er damals bereits eine Umstrukturierung der Bundeswehr. Neben einer Verschmelzung von Politik, Gesellschaft und Militär brauche es auch in der Führung der Bundeswehr ein Umdenken auf „Agilität, Risikofreude und Verantwortungsübernahme“. Auch der Einbindung großer Teile der Bevölkerung misst er einen hohen Wert bei: „Alle müssen zu uns in die Arena kommen. Platz auch den Zuschauerrängen gibt es nicht und Popcorn ist auch alle.“
Künftig soll er dann diesen Kurs als Vorsitzender des NATO-Militärausschusses weiterführen. Im Rahmen seiner Wahl zu diesem Posten erklärte er inwieweit er die NATO an die Umwälzung der Kriegsführung anpassen wolle: „Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, können wir uns nicht mehr auf die Strategien von gestern verlassen“, verkündete Breuer am vergangenen Mittwoch bei einer Veranstaltung des International Institute for Strategic Studies (IISS) in Prag.
Welche Rolle spielt der NATO-Militärausschuss?
Der NATO-Militärausschuss ist die oberste militärische Instanz der NATO. Der Vorsitzende dieses Ausschusses ist neben dem militärischen Oberbefehlshaber in Europa einer der wichtigsten Militärs der NATO und der wichtigste Berater des Generalsekretärs.
Der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses stellt das Bindeglied zwischen den Generalstabschefs der NATO-Mitgliedsstaaten und den verschiedenen politischen Entscheidungsgremien dar. Außerdem werden Weisungen und Richtlinien des Militärausschusses über ihn an die strategischen Befehlshaber der NATO und den Generaldirektor des internationalen Militärstabs weitergeleitet.
Breuer wird als Vorsitzender des NATO-Militärausschusses darüber hinaus die Durchführbarkeit und Finanzierung verschiedener Operationen überprüfen. Auch das Vermitteln und die Schaffung eines Konsenses zwischen den verschiedenen NATO-Staaten fällt somit in seinen Aufgabenbereich.
Der Militärausschuss selbst berät obendrein den Nordatlantikrat sowie die nukleare Planungsgruppe in militärischen Angelegenheiten.
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Die Führungsrolle Deutschlands in Europa
Deutschland stellt sich mit zunehmenden Rüstungsausgaben immer mehr auf Krieg ein. Aktuell liegt Deutschland mit seinen 125 Milliarden Euro unter den europäischen NATO-Staaten auf Platz Eins.
Seit diesem Jahr besetzt Deutschland darüber hinaus auch mehr Spitzenposten in der militärischen Kommandostruktur der NATO als die USA. Sowohl diese personelle Quantität als auch die Wahl Breuers zum Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses sind Ausdruck davon, dass Deutschland eine immer größere militärische Rolle innerhalb Europas spielt.
Im Mai 2025 erklärte der aktuelle Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dass die Bundeswehr „konventionell zur stärksten Armee Europas“ umgewandelt werden soll. Auf so ein Ziel folgt dementsprechend auch ein gewisser Führungsanspruch innerhalb der NATO, dem Deutschland immer mehr gerecht wird. Auch das eigene regionale Armeekommando der Bundeswehr mit Fokus auf Estland und Lettland, so wie die permanente Stationierung von Bundeswehr Truppen in Litauen sind Ausdruck dieses Anspruchs.
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Das Deutschland eine immer größere Rolle innerhalb der NATO spielt ist dabei allerdings noch kein Ausdruck davon, dass die USA zurückgedrängt werden würden. Stattdessen spiegelt diese Entwicklung eine zunehmende Ausdifferenzierung innerhalb des Bündnisses wider. Deutschland soll sich künftig zunehmend um den Kontrahenten Russland kümmern, der sowohl von Merz als auch Kriegsminister Boris Pistorius (CDU) immer wieder als oberster Feind betont wird.
Die USA entfernen sich hingegen aus Europa und ziehen auch Truppen ab. Das dient jedoch lediglich daran, dass sich der eigene Fokus auf den Indopazifik verschiebt. Aus Sicht der USA stellt nämlich nicht Russland, sondern China die Hauptherausforderung für die eigenen Machtinteressen dar.
Kanadas streben nach Eigenständigkeit
Neben Breuer wurde auch die Generalstabschefin der kanadischen Streitkräfte, Jennie Carignan, nominiert, die sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Hätte sie die Wahl gewonnen wäre sie die erste Frau gewesen, die diesen Posten je belegt hätte. Eine Doppelnominierung ist bei Posten dieser Größenordnung allerdings eher untypisch, da die Verteilung der Posten in der Regel bereits im Vorhinein abgesprochen ist.
Die Nominierung Carignans kann man in die aktuellen militärischen Entwicklungen Kanadas einordnen. Kanada agiert in Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik in letzter Zeit weitaus selbstbewusster. Die Verteidigungsausgaben des Staates sollen bis zum Jahr 2030 beispielsweise verdoppelt werden. Erst im Juli hatte Kanada den deutschen Rüstungskonzern TKMS AG & Co. KGaA mit dem Bau von bis zu Zwölf U-Booten des Typs 212CD beauftragt.
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Carignan hatte sich für das Ziel eingesetzt, eine dauerhafte Stärkung des transatlantischen Bündnisses umzusetzen. Die angespannte Situation zwischen Kanada und den USA scheint auch ein Motivator für die Nominierung Carignans gewesen zu sein. Im Januar erklärte Kanadas Premier Mark Carney, dass es eine Erosion der regelbasierten Weltordnung gäbe, in der Großmächte sich nicht an die Regeln halten müssten. „Mittelmächte“ wie Kanada haben nur eine Chance in dieser zu bestehen, wenn sie sich mit anderen zusammenschließen.
Der Konflikt mit den USA wird jedoch auch maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Kanadierin diese Wahl nicht gewonnen hat. Breuer erhielt im Gegensatz zu Carignan Unterstützung aus Washington.
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Source: Perspektive Online