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Audi-Chef bei Trump-Wahlkampf: Profitinteressen an erster Stelle
Audi-Chef Döllner trat am Wochenende bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Trump auf. Dort verkündete er ein neues Audi-Werk in den USA. Der Auftritt zeigt, dass Profitinteressen über verm
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Audi-Chef Döllner trat am Wochenende bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Trump auf. Dort verkündete er ein neues Audi-Werk in den USA. Der Auftritt zeigt, dass Profitinteressen über vermeintlicher Sozialpartnerschaft stehen. – Ein Kommentar von Herbert Scholle.
Mal wieder sorgt der VW-Konzern für Aufsehen und Empörung. Am Wochenende trat Audi-Chef Gernot Döllner auf einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump auf. Dort verkündete er stolz ein neues Audi-Werk, das im US-Bundesstaat Georgia an den Start gehen soll. Dort will Audi vier Milliarden US-Dollar investieren und 4.500 Arbeitsplätze schaffen um das Q9-Modell in den USA herzustellen.
Vor allem dürfte es dabei darum gehen die hohen Strafzölle zu umgehen, die beim Export der Fahrzeuge in die USA anfallen würden. Doch auch darüber hinaus scheint es Verhandlungen zwischen dem VW-Konzern und der US-Regierung zu geben. So berichtet Wirtschaftswoche von mehreren VW-Jets, die in den vergangenen Wochen in der Nähe von Donald Trumps Mar-a-Lago Anwesens in Florida landete. Während der Konzern fest darauf pocht, das Döllner nur mit Georgias Gouverneur verhandelt habe, wird die Anwesenheit anderer Konzernangehöriger offengelassen.
Darauf, dass Döllners Auftritt Teil einer größeren Strategie ist, deutet auch hin, dass VW-Chef Oliver Blume diesen im Vorfeld abgenickt hatte. Die VW-Führungsriege hat sich also ganz bewusst entschieden den faschistischen US-Präsidenten in seinem Wahlkampf für die US-Midterms zu unterstützen und dafür auch die eigenen Unternehmensregeln zu politischer Neutralität zu brechen.
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Lautstarke Kritik an Döllners Auftritt
Der Auftritt des Audi-Chefs sorgt in Deutschland derweil für einen großen Aufschrei, der sich durch viele verschiedene Bereiche zog. So wurden beispielsweise verschiedene Stimmen aus der Politik laut: Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) spricht von einer „politischen Inszenierung“, bei seinem Baden-Württembergischen Pendant Cem Özdemir (Grüne) hinterlasse der Auftritt „ein erhebliches Störgefühl“ und Linken-Ko-Chef Luigi Pantisano fordert sogar den Rücktritt Döllners.
Auch der IG Metall stößt die Zusammenarbeit mit Donald Trump sauer auf: „Die Art und Weise, wie Gernot Döllner sich und Audi in den USA präsentiert hat, ist höchst peinlich, politisch inakzeptabel und dem Unternehmen, vor allem aber den Audianerinnen und Audianern, nicht würdig“, teilte IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner mit.
Die lauteste Kritik kommt dabei aber wohl aus den eigenen Reihen. So macht VW-Betriebsratschefin deutlich, wie inakzeptabel sie den Auftritt findet: „Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie – und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe.“
Auch unter den VW-Beschäftigten sorgt der Auftritt für großen Unmut. Unter einer internen Mitteilung über das Vorhaben in den USA musste der Konzern die Kommentare abschalten, nachdem es zu lautstarker Kritik kam, die laut der internen VW-Redaktion „den Rahmen eines sachlichen Meinungsaustauschs verlassen“ habe. So erbost waren VW-Arbeiter:innen scheinbar, dass sie auch unter Angabe ihres Klarnamens ihrem Unmut Ausdruck verliehen.
Werksöffnung in den USA, Werksschließungen in Deutschland
Die Kritik bezieht sich dabei neben der Unterstützung einer faschistischen Regierung vor allem auf den Widerspruch zwischen dem Umgang mit deutschen VW- und Audi-Beschäftigten und den Plänen in den USA. Während in Georgia Milliarden investiert und neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollen, sieht es in Deutschland ganz anders aus.
Dabei steht vor allem die geplante Schließung des Audi-Werks in Neckarsulm im Fokus. 2034 soll dort die Produktion enden. Damit sind in Neckarsulm 15.000 Arbeitsplätze bedroht. Darüber hinaus will der Mutterkonzern drei weitere VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden nicht mehr weiterführen.
Insgesamt fällt die Entscheidung einer großen Investition in eine Zeit, in der vor allem Arbeiter:innen die Folgen der kriselnden Automobilindustrie zu spüren bekommen. VW will weltweit unter anderem 100.000 Stellen abbauen. Hinzu kommen die anstehenden Tarifverhandlungen mit VW, bei denen der Konzern scheinbar eine Nullrunde durchdrücken will.
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„Im Interesse des Unternehmens“
Audi-Chef Döllner weist die Kritik derweil von sich. Er bedauere zwar, dass sein Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung „als politisches Signal wahrgenommen wurde“, sieht sich aber dennoch im Recht. Die Annahme der Einladung sei „im Interesse des Unternehmens“ gewesen.
Damit dürfte er, wenn man die Situation rein betriebswirtschaftlich betrachtet, wahrscheinlich Recht behalten. Die Empörung der letzten Tage dürfte ein kleiner Preis sein, wenn Audi und der VW-Konzern im ganzen dafür einen besseren Zugang zum US-amerikanischen Absatzmarkt erhält. Trotzdem ist Döllners Auftritt ein öffentlichkeitswirksames Problem für den VW-Konzern im Vorlauf zu den anstehenden Tarifverhandlungen. Denn er zeigt erneut: Profit steht an oberster Stelle.
Dass könnte auf der einen Seite für eine größere Kampfbereitschaft bei den eigenen Beschäftigten führen, was die Tarifverhandlung erschweren könnte. Wobei dies natürlich auch in großen Teilen von der IG Metall abhängt. Andererseits ist es gewissermaßen ein Problem für die Umsetzung der eigenen Konzerninteressen in der Politik, wo man immer wieder die vermeintliche Wichtigkeit der Sozialpartnerschaft betont. Dass die Interessen des VW-Konzerns und die Interessen der VW-Beschäftigten allerdings deutlich auseinandergehen, wurde in den vergangenen Tagen deutlich.
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