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Anstieg transfeindlicher Angriffe in Deutschland: Nur die Spitze des Eisbergs

Transfeindliche Gewalt kennt viele Formen und häuft sich zuletzt auch in Deutschland. Gezielte Organisierung und Widerstand von trans Personen muss dem etwas entgegensetzen. – Ein Kommentar von Chell

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Transfeindliche Gewalt kennt viele Formen und häuft sich zuletzt auch in Deutschland. Gezielte Organisierung und Widerstand von trans Personen muss dem etwas entgegensetzen. – Ein Kommentar von Chell Duncker.

In den frühen Stunden des vergangen Samstags wurde in der Bremer Neustadt am Neustadtswall eine trans Frau bewusstlos geschlagen. Zuvor wurde sie in einem Club von einer Gruppe junger Männer gewaltsam belästigt, die sie dabei auch an den Haaren gezogen hatten. Als sie den Club verlassen wollte, verfolgten die Männer sie, beschimpften sie als „scheiß Transe“ und einer von ihnen schlug ihr ins Gesicht, woraufhin sie kurz das Bewusstsein verlor und ins Krankenhaus musste.

Es ist nicht der einzige transfeindliche Angriff in Bremen in den letzten zwei Jahren. Im März beleidigte ein Mann zwei trans Frauen und schlug kurz darauf einer der beiden ins Gesicht. Im Juli 2025 schlugen zwei Jugendliche an einer Haltestelle eine 18-jährige trans Person nieder und traten sie weiter als sie am Boden lag.

Unklar bleibt bei diesen Angriffen, ob die Täter aus dem Umfeld faschistischer Gruppen kamen, oder es unorganisierte Einzelpersonen waren. So oder so istb aber klar: Transfeindliche Hetze wirkt. Sie ist Teil einer faschistischen Propagandawelle gegen LGBTI+ im allgemeinen und trans Frauen im besonderen.

Das zeigt sich auch durch Angriffe auf explizit queere Veranstaltungen. Wie aus einem Bericht der Amadeu-Antonio-Stiftung hervorgeht, wurde 2026 jeder zweiter CSD angegriffen.

Angriffe auf CSDs: Mehr als die Hälfte aller Veranstaltungen betroffen

Betroffene sexualisierter Gewalt werden nicht ernst genommen

Ein Fall aus Linz im Mai 2026 zeigt dabei sehr deutlich, wo es Überschneidungen in der patriarchalen Gewalt von cis und trans Frauen gibt. Auch zeigt er, wie trans Frauen besonders bedroht sind.

Viola fand sich morgen in einer unbekannten Wohnung, sie war vergewaltigt worden, vermutlich wurden ihr zuvor K.O.-Tropfen verabreicht. Um diese noch nachzuweisen ist eigentlich schnellstmöglich eine Blut oder Urinprobe nötig. Jedoch musste Viola stundenlang warten, bis sie überhaupt behandelt wurde. Zuerst kam der Krankenwagen, den die Polizei gerufen hatte erst nach 45 Minuten, was für so einen Fall ungewöhnlich ist, wie die Polizei in ihrem Bericht bemerkte.

Doch auch im Nachhinein gehen die Eskapaden weiter. Zwei Krankenhäuser weisen sie ab, beim ersten begründet eine Gynokologin, dass sie ja keine „phänotypische Frau“ sei. Die Polizei kann dabei auch keine Spurensicherung vornehmen, weil sie nicht zuständig ist. Erst beim dritten Krankenhaus wird sie aufgenommen, wobei es auch hier fast nicht geklappt hätte. In all diesen Stunden leidet Viola unter extrem körperlichen und psychischen Schmerzen, gegen die sie keine Medikamente bekommt.

Erst im Jahr davor wurde in Linz eine weitere Frau, die Opfer einer Vergewaltigung wurde, von einem Krankenhaus aufgrund mangelnder zuständiger Stellen abgewiesen. Daraufhin wurde eine Gewaltambulanz in Oberösterreich eingerichtet.

Der Staat als Mittäter

Bürgerliche Staaten wie Deutschland sind dabei aber in der Regel keine Hilfe. Ganz im Gegenteil sorgt die Staatsgewalt oft selbst für Gewalt gegen LGBTI+. Auch auf CSD-Protesten dieses Jahr gab es vermehrt Polizeigewalt. Immer wieder berichten trans Personen von sexualisierter Gewalt bei der Festnahme.

Konferenz gegen sexualisierte Polizeigewalt: Schweigen brechen und Frauensolidarität leben

Auch vermeintlich fortschrittliche Gesetze, für die Politiker:innen sich selbst feiern, offenbaren die Prioritäten des Staates. In Baden-Württemberg gilt seit dem 01.11. eine Verordnung zum Selbstbestimmungsgesetz (SBGG), die es der Polizei ermöglicht einzusehen, wer per SBGG den Geschlechtseintrag geändert hat und wie der gesetzliche Vorname davor (Deadname) war. Diese Verordnung wurde vielerseits als neue „Rosa Liste“ bezeichnet, da es parallelen zu der Überwachung und Verfolgung homosexueller und transgeschlechtlicher Personen im Hitler-Faschismus aufweist.

Der baden-württembergische Innenminister weichte nach Protest die Verordnung etwas auf. Nun seien „nur“ trans Personen betroffen, die schonmal straffällig geworden sind. Das wird natürlich vor allem politisch aktive trans Personen treffen. Insgesamt zeigt sich: Die Verfolgung von politisch unliebsamen Aktivist:innen stehen über der Selbstbestimmung.

Andere Staaten setzen noch stärker als Deutschland sexualisierte Gewalt als gezieltes Mittel ein um politische Aktivist:innen zu brechen. So berichtete die deutsche Aktivistin Paula Maier, wie sie in einem türkischen Gefängnis von einem Beamten vergewaltigt wurde und arbeitet nun daran mehr Aufmerksamkeit zu schaffen und politischen Widerstand dagegen zu stärken.

Paula Maier im Interview: „Sexualisierte Gewalt zielt darauf ab, uns Frauen zu demütigen und mundtot zu machen“

Im November auf die Straße!

Immer mehr trans Personen sehen die Notwendigkeit sich gegen Kapital und Patriarchat zu organisieren. So gibt es im Juni und Juli auch immer mehr Proteste um den Jahrestag der Stonewall-Aufstände.

Auch im November gibt es wieder Grund für Proteste: Am 20.11. findet jährlich der Tag gegen transfeindliche Gewalt statt, wo auf die weltweite Gewalt gegen trans Menschen aufmerksam gemacht wird. Gruppen wie Pride Rebellion rufen zu Aktionen in Verbindung mit den Gen-Z-Protesten am gleichen Tag auf.

Wenige Tage später am 25.11. ist auch internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen. Besonders für trans Frauen bietet sich also die Möglichkeit organisierten Widerstand an beiden Tagen auf die Straße zu tragen.

Dabei ist es von enormer Wichtigkeit beide Tage als relevante Kampftage wahrzunehmen – insbesondere für die sozialistische und klassenkämpferische Bewegung. Sonst bleibt maan hinter den Notwendigkeiten zurück und verliert Teile der Klasse. Wenn sich Gruppen ernsthaft der Abschaffung des Patriarchats verschrieben haben müssen sowohl trans Personen darin eine tragende Rolle einnehmen, als auch cis-Personen diese als Klassengeschwister ernst nehmen.

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