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Angriffe auf CSDs: Mehr als die Hälfte aller Veranstaltungen betroffen

Laut einer Recherche der Amadeu Antonio Stiftung waren in diesem Jahr mehr als die Hälfte aller CSDs in Deutschland von Störungen betroffen. Derweil kürzt die Bundesregierung Hilfsmittel und bedroht t

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Laut einer Recherche der Amadeu Antonio Stiftung waren in diesem Jahr mehr als die Hälfte aller CSDs in Deutschland von Störungen betroffen. Derweil kürzt die Bundesregierung Hilfsmittel und bedroht teils selbst queeres Leben.

Die Angriffe auf Christopher Street Day-Veranstaltungen (CSD) häufen sich. Laut einer Recherche der Amadeu Antonio Stiftung waren in diesem Jahr 156 von 299 CSDs in Deutschland von Störungen betroffen – mehr als die Hälfte. Damit nimmt die Entwicklung der steigenden Zahl von Angriffen weiter ihren Lauf und erreicht einen neuen Höhepunkt.

Störungen reichen dabei von Hasskommentaren und verbalen Anfeindungen bis hin zu Bedrohungen und körperlicher Gewalt. Auch rechte Gegendemonstrationen werden häufig als Mittel der Bedrohung gegen LGBTI+ Veranstaltungen genutzt. Allerdings stellte die Amadeu Antonio Stiftung in diesem Jahr dabei einen Rückgang fest. Einen Grund für Entwarnung gibt es allerdings trotzdem nicht – stattdessen nehmen „unorganisierte Angriffe und Störungen“ deutlich zu.

Trotzdem gibt es Grund zur Freude, betont die Stiftung. Die Zahl der Störungen sei zwar auf einem Rekordhoch, ebenso ist es aber die Zahl der CSDs selbst. Auf steigende Bedrohung von queeren Menschen wird also zunehmend mit lautstarker Unterstützung und Widerstand reagiert.

Deutschlandweite Solidaritätskundgebungen nach Anschlag auf den CSD Berlin

Erschreckender Trend setzt sich fort

Dass CSDs in Deutschland immer öfter Ziel von Angriffen werden, ist dabei nicht nur ein Gefühl, das sich immer mehr breit macht, sondern ein statistischer Fakt. Schon im letzten Jahr waren mit 112 von 245 fast die Hälfte aller CSDs von Störungen betroffen.

Diese Entwicklung ist allerdings nicht nur von quantitativer Natur – auch werden Angriffe immer extremer. Den bisherigen Höhepunkt dieser Entwicklung stellt wohl der Anschlag auf den Berliner CSD im Juli dar. Ein junger Mann fuhr mit einem Kastenwagen in eine Menschenmenge, verletzte mehr als 30 Menschen und tötete eine Frau. Der Anschlag löste eine landesweite Schockwelle aus und verdeutlichte, wie real die Bedrohung geworden ist.

Doch auch abseits der CSDs selbst nimmt Gewalt gegenüber LGBTI+ Personen immer mehr zu. So führt die Statistik zur „politisch motivierten Kriminalität“ des Bundeskriminalamts für das vergangene Jahr mehr als 2.000 Hassverbrechen wegen sexueller Orientierung – ein Anstieg von 17 Prozent im Vergleich zu 2024. Auch im Themenfeld „geschlechtsbezogene Diversität“ verzeichnet die Statistik rund 12 Prozent mehr Vergehen als im Jahr zuvor. Es ist darüber hinaus von einer deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen, da viele solcher Taten aus Angst vor der Polizei gar nicht erst zur Anzeige gebracht werden.

Zunehmende Gewalt: Sechs LGBTI+ feindliche Angriffe in Berlin in zehn Tagen

Staat kürzt Hilfsmittel für LGBTI+

Dass die Bedrohung also kontinuierlich zunimmt, ist klar ersichtlich. Damit aber nicht genug, nehmen auch staatliche Hilfen für den Schutz und die Unterstützung von LGBTI+ Personen immer weiter ab. So beklagt die Amadeu Antonio Stiftung, dass die fehlenden Förderungen von queeren Projekten und Projekten in der Demokratiearbeit unter anderem dazu führen, dass Schutzmaßnahmen nicht ausreichend finanziert werden.

Auch über den reinen Schutz von LGBTI+ Menschen hinaus werden Mittel gekürzt. Ein besonders brisantes Beispiel hierfür ist die Ende Juli beschlossene Streichung der Mittel für den Verein Lambda zum Jahresende. Das queere Jugendnetzwerk schafft vor allem LGBTI+ Angebote für junge Menschen und hilft dabei, dass diese sich selbst organisieren können, um für ihre Interessen einzustehen.

In einigen Fällen sorgt der Staat sogar selbst für die Bedrohung und Einschränkung von queerem Leben. So etwa in den Fällen Angel und Mark: Zwei schwule Geflüchtete Uganda, die trotz ihrer sexuellen Orientierung zurück in ihr Heimatland abgeschoben wurden oder werden sollen. In Uganda droht ihnen enorme Verfolgung bis hin zur Todesstrafe. Auch polizeiliche Repressionen bleiben ein großes Thema, wie beispielsweise bei der kürzlichen Razzia im queeren Zentrum Casa Kuà.

Razzia im Casa Kuà: Trans Personen können sich nicht auf diesen Staat verlassen!

Instrumentalisierung statt Schutz

All diese Maßnahmen stehen im Widerspruch zu den Aussagen von Politiker:innen nach dem Anschlag in Berlin. Dort hatte die Regierung beteuert, das Leben von LGBTI+ Personen schützen zu wollen. Davon ist aber bisher nichts umgesetzt oder auch nur auf den Weg gebracht worden.

Stattdessen nutzt die Regierung den Anschlag, um den islamistischen Terror als oberstes Feindbild auszurufen und die innere Aufrüstung voranzutreiben. So stellte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) im September einen „10-Punkte-Plan zu einem besseren Schutz vor islamistischem Terrorismus“ vor, der den Sicherheitsbehörden diverse neue Kompetenzen verleihen soll. Der Schutz von LGBTI+ Personen findet darin keinen Platz.

Auch dass die größte Bedrohung für LGBTI+ Personen in Deutschland laut eigener Statistik von rechten und faschistischen Kräften ausgeht, bleibt von der Regierung unerwähnt. Auch bei der Rhetorik gegen den fundamentalistischen Islamismus geht es selten um die ihm zugrunde liegende faschistische Ideologie, die den Hass auf LGBTI+ Personen schürt, sondern vielmehr um die Identität der Anhänger:innen.

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