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Alter Vorschlag unter neuen Vorzeichen: Selenskyj will die Frontlinie einfrieren

Nach Spekulationen über einen amerikanisch-russisch-chinesischen Gipfel, bei dem es auch um die Ukraine gehen soll, hat der ukrainische Präsident Selenskyj ein sofortiges Einfrieren der derzeitigen Fr

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Nach Spekulationen über einen amerikanisch-russisch-chinesischen Gipfel, bei dem es auch um die Ukraine gehen soll, hat der ukrainische Präsident Selenskyj ein sofortiges Einfrieren der derzeitigen Frontlinien für möglich erklärt. Substanziell neue Vorschläge liegen bisher jedoch nicht auf dem Tisch.

Neue Initiative im Ukraine-Krieg? Am Mittwoch erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gegenüber dem US-Sender Fox News, er sei bereit, die derzeitigen Frontlinien mit Russland sofort einzufrieren. „Ja, wir müssen jetzt die Frontlinien einfrieren“, sagte er im Gespräch und ergänzte: „Ich denke, das ist ein echter Weg, diesen Krieg zu beenden.“

Das Einfrieren und eine Waffenruhe seien „das absolute Minimum, was wir heute von Russland fordern“. Die Erklärung Selenskyjs erfolgte auf die Frage, ob er „ein Friedensabkommen akzeptieren würde, das den Status quo berücksichtige“, sodass die Ukraine „weiterhin 75 Prozent oder mehr“ ihres Landes behalte. Er sagte dabei ausdrücklich nicht, dass die Ukraine den Frontverlauf als dauerhafte territoriale Teilung akzeptieren und die russischen Gebiete völkerrechtlich anerkennen würde.

Neu ist der Vorschlag Selenskyjs auch nicht. Schon mehrere Male hatte die Ukraine ein Einstellen der Kämpfe entlang des aktuellen Frontverlaufs vorgeschlagen. Die Vorschläge waren jeweils von Russland abgelehnt worden, da sie der Ukraine nach der Darstellung Moskaus nur eine Atempause zur Wiederaufrüstung verschaffen würden.

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Spannungen zwischen Ukraine und USA

Interessant ist jedoch der Hintergrund, vor dem Selenskyj diesen Vorschlag erneut unterbreitet. In den vergangenen Wochen ist die Ukraine nämlich vermehrt unter Druck seitens der USA geraten. Mitte Oktober etwa berichteten ukrainische Streitkräfte über plötzliche Einschränkungen der militärischen Satellitenkommunikation Starshield, die zum Starlink-System des US-Konzerns SpaceXAI gehört. Diese führten dazu, dass die Ukraine mehrere Drohneneinsätze abbrechen musste. Nach Recherchen von CBS News ging die Entscheidung zur Einschränkung von SpaceXAI-Chef Elon Musk aus, der zuvor Gespräche mit Vertreter:innen der Trump-Regierung geführt habe. Die US-Regierung bestreitet, die Einschränkung von Starshield angeordnet zu haben.

Zuvor war ein Abkommen zwischen den USA und Russland zur Lieferung russischen Diesels seitens der Ukraine auf heftige Kritik gestoßen. Nach der Bekanntgabe intensivierte die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ölanlagen. Daraufhin forderte US-Präsident Trump eine Ablösung Selenskyjs und warf der Ukraine vor, die immense finanzielle und militärische Unterstützung der USA nicht zu würdigen: „Wir haben der Ukraine viel gegeben – sie hat uns nichts gegeben.“ Trump forderte die Ukraine außerdem auf, die Kämpfe einzufrieren und einem Abkommen mit Russland zuzustimmen.

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Witkoff führt Gespräche mit Ukraine und Russland

Anfang dieser Woche telefonierte Selenskyj mit den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner. Dabei wurden mögliche Schritte zur Wiederaufnahme von Verhandlungen erörtert. Am Dienstag traf Selenskyj Witkoff dann persönlich im norwegischen Oslo, zusammen mit Vertretern mehrerer europäischer Staaten sowie von NATO und EU. Zu den Gesprächsthemen gehörten unter anderem ein möglicher Friedensrahmen, Sicherheitsgarantien für die Ukraine, ein wirtschaftlicher Wiederaufbauplan für die Nachkriegszeit, eine europäische Sicherheitsordnung und die Vorbereitung direkter Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den USA.

Im Anschluss an die Gespräche in Oslo ging es für Witkoff weiter nach St. Petersburg, wo er den russischen Präsidenten Wladimir Putin traf. Kreml-Berater Juri Uschakow kritisierte die aus Oslo übermittelten Vorschläge nach dem Treffen als „wenig substanziell“. Russland sei aber „im Prinzip bereit“, trilaterale Verhandlungen mit den USA und der Ukraine wieder aufzunehmen. Als möglichen Zeitrahmen nannte er Mitte November, also nach den US-Midterm-Wahlen. Zudem wolle Russland die Gespräche auf die Frage einer Nachkriegs-Sicherheitsordnung fokussieren.

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Ein gewisses Aufsehen erregte außerdem ein Vorschlag Putins für ein Dreier-Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Dieser Vorschlag war bereits vor Witkoffs Russlandreise durch einen Zeitungsbericht bekannt geworden und wurde am Mittwoch von russischer Seite bestätigt. Bei einem solchen Dreiergipfel könnte dem ursprünglichen Bericht zufolge auch über ein Ende des Ukrainekriegs verhandelt werden. Als möglicher Termin wurde der APEC-Gipfel im chinesischen Shenzhen Mitte November genannt. Eine Bestätigung, dass der Dreiergipfel tatsächlich stattfinden wird, gibt es bislang nicht.

Der Vorschlag wurde in Europa und der Ukraine vor allem als russische Provokation aufgefasst. Selenskyj drängte darauf, dass die Ukraine ebenfalls an solch einem Zusammentreffen teilnehmen müsse. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) pochte ebenfalls auf die direkte Teilnahme europäischer Vertreter:innen an allen Ukraine-Verhandlungen.

Die Donbass-Frage

Dass Selenskyjs Vorstoß für ein Einfrieren der Frontlinie keine substanziell neue Position darstellt, wird an der Frage der Donbass-Region deutlich. Diese umfasst die bisherigen ukrainischen Verwaltungsgebiete Donezk und Luhansk. Russland beansprucht beide Gebiete vollständig, obwohl es sie militärisch noch nicht komplett kontrolliert. Einer Analyse des Institute for the Study of War (ISW) zufolge habe die Ukraine Mitte Oktober immer noch gut 20 Prozent der Fläche der Oblast Donezk kontrolliert.

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An der russischen Forderung nach einer Kontrolle über den gesamten Donbass waren auch die US-Vermittlungsversuche im Jahr 2025 gescheitert, wie die New York Times in einem Hintergrundartikel zum Jahreswechsel nachzeichnete. Die strittigen Gebiete, die sich noch nicht unter russischer Kontrolle befinden, würden Russland in eine deutlich günstigere Ausgangsposition bringen, um große Städte der Ukraine wie Charkiw, Cherson, Odessa oder Kiew zu bedrohen.

Vor diesem Hintergrund zeichnet sich gerade nicht ab, dass die Ukraine oder Russland größere Zugeständnisse in den Raum stellen. Trotzdem könnte Selenskyjs Vorschlag eine praktische Grundlage für neue Verhandlungen schaffen und damit auch die ukrainisch-amerikanischen Beziehungen deeskalieren.

Geschossen wird derweil unvermindert weiter. Russland griff in der Nacht zu Donnerstag die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Raketen an, während aus Moskau Drohnenangriffe gemeldet wurden.

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