Faultline Faultline Kommando 161

Politics · Perspektive Online · · 1h

25 Jahre 11. September – 25 Jahre Krieg und Terror

Deutsch (original) · Read in English ⇄

Vor 25 Jahren entführten al-Qaida-Attentäter in den USA vier Passagierflugzeuge und flogen zwei von ihnen ins New Yorker World Trade Center. Die US-Regierung nahm den Anschlag zum Anlass für die Kriege in Afghanistan und im Irak. Deren Folgen zeichnen Westasien bis heute. – Ein Kommentar von Thomas Stark.

Der Präsident las gerade aus einem Kinderbuch vor, als die Nachricht kam: Am Morgen des 11. September 2001 schlugen zwei Passagierflugzeuge in die beiden Türme des World Trade Center in New York ein. Die Gebäude stürzten kurz darauf ein. Eine halbe Stunde später flog ein weiteres Flugzeug in der Nähe der US-Hauptstadt Washington D.C. ins Pentagon, das Gebäude des Verteidigungsministeriums. Ein viertes Flugzeug stürzte im Bundesstaat Pennsylvania ab.

Bei den Terroranschlägen vom 11. September kamen 2.977 Menschen ums Leben. Als Drahtzieher der Anschläge identifizierte das FBI das selbsternannte jihadistische Netzwerk al-Qaida, das von dem früheren saudi-arabischen Unternehmer Osama bin Laden gegründet und geführt wurde. Bin Laden entstammte einer der mächtigsten Familien Saudi-Arabiens, die dem dortigen Königshaus nahestand. Als Organisator des 11. September gilt der Pakistaner Chalid Scheich Mohammed.

Kampf um Öl, Geld und Einfluss: Beginn des Zweiten Golfkriegs vor 35 Jahren

Krieg und Überwachung

US-Präsident George W. Bush erklärte nach dem Anschlag einen globalen „War on Terror“. Bereits am 12. September hatte die NATO erstmals in ihrer Geschichte den Bündnisfall ausgerufen. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nannte die Anschläge eine „Kriegserklärung gegen die gesamte zivilisierte Welt“ und versicherte den USA die „uneingeschränkte Solidarität“ der BRD. Am 7. Oktober 2001 griffen die USA und Großbritannien Afghanistan mit der Begründung an, dass die dortige Taliban-Regierung al-Qaida Unterschlupf gewähre. In den folgenden Monaten beteiligten sich auch Deutschland und weitere NATO-Staaten an der Invasion und Besetzung des Landes.

Im Inneren erweiterten die USA mit dem „Patriot Act“ die Überwachungs- und Ermittlungsbefugnisse von FBI und NSA. Ebenso errichteten sie auf dem Marinestützpunkt Guantanamo in Kuba ein außergerichtliches Gefangenenlager. Deutschland weitete mit zwei Anti-Terror-Paketen ebenfalls die Befugnisse der Geheimdienste aus, führte Rasterfahndungen gegen muslimische Männer durch und verschärfte das Ausländer- und Aufenthaltsrecht. Der „War on Terror“ war der Ausgangspunkt einer jahrelangen rassistischen Hetze und des Generalverdachts gegen arabische und muslimische Migrant:innen.

„Strategisches Scheitern“ in Afghanistan – die Folgen imperialistischer Außenpolitik

Das Greater Middle East Project

Die US-Regierung blieb jedoch nicht beim Afghanistankrieg stehen. Im März 2003 griff sie den Irak an und stürzte dort die Regierung von Saddam Hussein. Die offizielle Begründung, die irakische Regierung habe Verbindungen zu al-Qaida und besitze Massenvernichtungswaffen, erwies sich später als Lüge. Die eigentliche Strategie hinter den Kriegen in Afghanistan und dem Irak lieferte die Bush-Regierung beim G8-Gipfel im Juni 2004 mit der „Greater Middle East Initiative“ nach: Ihr Ziel war die politische Neuordnung Westasiens und Nordafrikas.

Die Folgen dieser Strategie sind bis heute zu sehen: Allein die Kriege in Afghanistan und im Irak haben Schätzungen zufolge 500.000 Menschenleben gekostet. Die USA besetzten den Irak bis 2011. Die Besetzung Afghanistans, auch durch deutsche Truppen, hielt sogar zwanzig Jahre an. Nach dem Abzug überrannten die Taliban im August 2021 das Land und übernahmen wieder die Macht. Im Irak hatte die Auflösung der Armee und der staatlichen Strukturen durch die US-Besatzung ein Machtvakuum geschaffen, das ab 2006 zu einem Bürgerkrieg zwischen schiitischen und sunnitischen Kräften und zu einem Erstarken des iranischen Einflusses führte. Im Chaos des kriegszerstörten Irak sowie später in Libyen, Syrien und Jemen erstarkten regionale Ableger von al-Qaida und der Islamische Staat (IS), in dem auch ehemalige Offiziere der irakischen Armee und Geheimdienste aufgingen. In Syrien ist mit der HTS heute sogar ein al-Qaida-Ableger an der Macht.

Während Osama bin Laden 2011 von den USA in Pakistan getötet wurde und Chalid Scheich Mohammed bis heute in Guantanamo sitzt, sind deren Nachfolger also weiter aktiv und zum Teil wieder Partner des Westens. Denn heute setzen die USA und Deutschland ihre Interessen in Westasien nicht mehr gegen, sondern wieder im Bündnis mit den selbsternannten Gotteskriegern um.

Dieser Text ist in der Print-Ausgabe Nr. 114 vom September 2026 unserer Zeitung erschienen. In Gänze ist die Ausgabe hier zu finden.

Der Beitrag 25 Jahre 11. September – 25 Jahre Krieg und Terror erschien zuerst auf Perspektive.

Read the full story at the source →

Source: Perspektive Online