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Wolf Biermann | Ist Netanjahu für Biermann ein Antisemit?
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Hallo, alle mal herhören, hier ist der Wolf! Foto: dpa/Marcus Brandt Wolf Biermann greift wieder ein. Er braucht das, der Kulturbetrieb braucht das, das Marketing braucht das. Nächsten Monat wird er 90 und diese Woche ist Buchmesse, wo er gleich drei neue Bücher vorstellt. Kürzlich hat ihn jemand aus der CDU für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Das war ganz nach seinem Geschmack. Denn Wolf Biermann, von Beruf Staatsdichter und Preußens letzter Liedermacher, liebt die große Geste.
Und deshalb hat er jetzt in einem Interview mit der dpa erzählt, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sei Antisemit. Biermann glaubt, »die schlimmsten und gefährlichsten Antisemiten« lebten »im Moment in Israel«, und meint damit die israelische Regierung, weil sie dabei seien, das »Land in einen reaktionären, brutalen Unterdrückerstaat zu verwandeln«. Für ihn seien das »Lemuren«, »Helfer des Teufels« wie in Goethes »Faust«, weil sie im Gaza-Krieg Kriegsverbrechen begehen. Und das »tut vielen Menschen auf der Welt weh. Aber mir doppelt und dreifach«. Auch der Schmerz ist bei Biermann so laut wie sein Gesangsstil: leise anfangen und dann die Stimme steigern. Hallo, alle mal herhören, hier ist der Wolf!
Netanjahu ein Antisemit? Hat man das schon mal gehört? Wäre das ein Fall von staatsbezogenem Antisemitismus? Üblicherweise bezeichnet Netanjahu die Gegner seiner Regierungs- und Militärpolitik als Antisemiten. So werden oft auch die propalästinensischen und pazifistischen Demonstranten gegen den Gaza-Krieg bezeichnet, die deshalb schlimmer sein sollen als der Krieg, der dann nicht so wichtig ist, rein moralisch. Inklusive der jüdischen Menschen, die dagegen sind. Das hat teilweise etwas Absurdes.
Wechselt Biermann jetzt die Richtung? Bis zum Untergang des Realsozialismus, der ihn 1976 ausbürgerte (einer der größten Fehler der DDR), war er Sozialist. Und danach das Gegenteil, unterstützt von konservativer Seite. Das hat ihm gut gefallen. Wie auch die Kriege des Westens seitdem. Aber jetzt geht es gegen Israels Regierung, denn damit kommt man immer in die Medien. Wie auch schon Günter Grass 2012 mit seinem Gedicht »Was gesagt werden muss«. Kennt das noch jemand? Diese selbstverliebte Geste des Unbedingten hat Biermann jetzt auch drauf, aber immer noch keinen Nobelpreis. Aber was ist mit Netanjahu? Der führt Kriege, um nicht ins Gefängnis zu kommen, aber das weiß man schon.
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Source: nd