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Weltherztag | Mehr Herzschwäche im Osten

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Im Schatten der Abraumhalden: Zwischen 2020 und 2040 soll Bevölkerungszahl in Mansfeld-Südharz Prognosen zufolge um 21,1 Prozent schrumpfen. Der Anteil der Älteren wird immer größer. Foto: dpa/Jan Woitas Armut macht krank – dieser Merksatz beweist seine Richtigkeit nun auch anhand der Verteilung der Herzschwäche in der Bevölkerung hierzulande. In ihrem aktuellen Gesundheitsatlas hat sich das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) mit diesem Aspekt genauer befasst. Der Bericht wurde in der vergangenen Woche veröffentlicht.

In Deutschland lebten 2024 rund 3,2 Millionen Menschen mit einer Herzinsuffizienz. In der Bevölkerung ab 30 Jahren sind etwa 5,5 Prozent betroffen. Aber die Spreizung je nach Region reicht von 6,8 Prozent bis 4,4 Prozent. Die höchsten Werte sind in ökonomisch und sozial benachteiligten Regionen zu finden. Es sind drei ostdeutsche Bundesländer: Sachsen-Anhalt (8,9 Prozent), Sachsen (7,9 Prozent) und Thüringen (8,5 Prozent). Wird noch genauer geschaut, nämlich auf die Ebene der 400 Landkreise und kreisfreien Städte, erreicht Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt einen Wert von 13,9 Prozent der Bevölkerung. Am oberen Ende der Skala steht Frankfurt am Main mit 2,8 Prozent.

Sozioökonomische Risikofaktoren sind nicht von der Medizin auszugleichen, ebenso wenig allein von der Gesundheitspolitik.

Eine sehr geringe Verbreitung der Herzinsuffizienz findet sich zudem in vielen Kreisen um Hamburg und München, außerdem im Rhein-Main-Gebiet sowie im südlichen Baden-Württemberg. Aber bei den höchsten Werten wird es auf Kreisebene noch einmal interessant: Dazu zählen neben vielen ostdeutschen Kreisen auch etliche in Nord- und Ostbayern. Laut Wido-Geschäftsführer Helmut Schröder lässt sich nur ein geringer Teil der regionalen Unterschiede auf Alters- und Geschlechtsstrukturen zurückführen.

Das Risiko für eine Herzinsuffizienz steigt mit dem Alter stark an. Am deutlichsten wird das bei den Zahlen der Hochbetagten: Bei den über 90-Jährigen sind 35 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen daran erkrankt. Vorgänger beziehungsweise Risikofaktoren dafür sind Bluthochdruck, die koronare Herzkrankheit (KHK) einschließlich Herzinfarkt sowie weitere Erkrankungen des Herzens, darunter Klappenfehler oder Muskelentzündungen.

Klarer wird der soziale Bezug bei weiteren, teils vermeidbaren Risikofaktoren, darunter Rauchen und Typ-2-Diabetes. Und hier sind die Geschlechter unterschiedlich betroffen: Der Raucheranteil bei Männern war bislang immer deutlich höher als jener der Frauen. Auch der Bluthochdruck wird bei Männern früher als bei Frauen diagnostiziert. Der Anteil der Menschen, die wegen einer Hypertonie behandelt werden, verhält sich analog zum Anteil der Herzinsuffizienz-Patienten. Ist der erste Wert relativ hoch, ist das auch bei der Herzschwäche so.

Was nun tun? Auf jeden Fall ist es bei der medizinischen Versorgung in den besonders betroffenen Regionen ratsam, mehr Wert auf die Prävention zu legen, so auch die Wido-Empfehlung. Genau auf diesen Fokus lenkt der Weltherztag an diesem Dienstag die Aufmerksamkeit, genauer auf acht wichtige Risikofaktoren, die nicht nur jeder einzelne selbst beachten sollte, sondern die auch in der medizinischen Versorgung große Aufmerksamkeit erhalten: Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Übergewicht, Rauchen, Diabetes. Hinzu kommen gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung.

Das klingt einfach, ist aber ein dickes Brett: Insbesondere Ältere, deren Haus- und Facharztpraxen immer schwerer erreichbar sind, dürften eher schwer für Lebensstiländerungen zu gewinnen sein. Im Hintergrund bleiben die schlechteren Werte bei Einkommen, Bildung und Beschäftigung in den genannten Regionen im Vergleich mit industriell geprägten Bundesländern im Westen. Wer wenig verdient oder von staatlichen Transferleistungen leben muss, wer einen niedrigen Schulabschluss hat oder immer wieder arbeitslos ist beziehungsweise war, wird sich eher weniger mit der eigenen Fitness befassen oder gesundes Essen zelebrieren. Sozioökonomische Risikofaktoren sind nicht von der Medizin auszugleichen, ebenso wenig allein von der Gesundheitspolitik. Aber genau sie beeinflussen die Krankheitslast der Regionen nicht unerheblich.

Weltweit sind bis zu zwei Prozent der Bevölkerung an einer Herzinsuffizienz erkrankt, generell steigt die Verbreitung unter den Älteren – auf über zehn Prozent aller Menschen über 75 Jahre. Das Risiko, im Verlauf des Lebens die Diagnose zu bekommen, hat bis zu ein Viertel aller Menschen. Während die Risikofaktoren für eine solche Erkrankung in den Industrienationen hier schon benannt sind, kommen für den globalen Süden noch einige spezifische hinzu, darunter infektiöse Herzerkrankungen – unter anderem in Verbindung mit Tuberkulose.

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Source: nd