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Warenhäuser | »Filialschließungen und Personalkürzungen sind keine Strategie«
Galeria-Betriebsrätin Andrea Grisail über die Lage in der Kaufhauskette und ihre Erwartungen an das Insolvenzverfahren
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Die Zukunft der Galeria-Kaufhäuser ist ungewisser denn je. Foto: Imago/Arnulf Hettrich Die Warenhauskette Galeria hat bereits zum vierten Mal binnen sechs Jahren Insolvenz angemeldet. Kam die erneute Pleite für Sie überraschend?
Wenn keine Veränderungen eintreten, warum sollte man dann überrascht sein? Keine Zukunftsstrategie außer massive Personalkürzungen ist beziehungsweise kann nicht die Antwort auf die veränderten Bedingungen und die Wünsche der Kunden sein.
Haben Warenhäuser wie Galeria überhaupt noch eine gesicherte Zukunft angesichts der schier übermächtigen Konkurrenz von Discountern und aus dem Internet?
Andrea Grisail ist Betriebsratsvorsitzende von Galeria in Mülheim an der Ruhr.
Um es kurz zu sagen: Ja. Verkäufer*innen leisten einen wichtigen Beitrag, um ein Produkt in Bedienung und Beratung dem Kunden zu erklären und näherzubringen. In der anonymen Welt des Internet wird es immer wichtiger, echte soziale Kontakte zu pflegen. Treue Stammkund*innen zeigen uns, wie wichtig dieser Austausch ist, und es gibt Produkte, die ohne Beratung nicht die Erwartungshaltung der Kunden erfüllen und wieder umgetauscht werden. Wenn Billiganbieter ohne Zertifizierungen und EU-Richtlinien mit ihren Produkten den deutschen Markt überschwemmen, weil es der finanziellen Not geschuldet ist oder die »Geiz ist geil«-Mentalität aufkommt, verkennt man die wichtige Arbeit dieser Menschen im Handel. Es kostet alles Geld, um diesen Service anzubieten, und somit werden diese Produkte verständlicherweise immer teurer sein als im Internet. Uns dann noch die Beratung abzuverlangen und dann im Internet günstiger einzukaufen, lässt uns sehr oft frustriert zurück.
Warum konnte trotz mehrerer Rettungs- und Sanierungsversuche keine langfristig tragfähige Lösung gefunden werden?
Die Belegschaft hört jeden Tag, was der Kunde wünscht. Zuhören wäre seitens der Geschäftsführung schon einmal super. Bedienung und Beratung gehen nicht mit Personalkostenreduzierung, davon bin ich überzeugt.
Die etwa 12.000 Mitarbeiter verzichten nun schon seit Jahren auf Gehalt und Sonderzahlungen. Nach Verdi-Angaben sind es bis zu 30 Prozent im Vergleich zum Flächentarifvertrag im Einzelhandel. Droht den Beschäftigten und Galeria nun der komplette Kahlschlag?
Hier werde ich keine Antwort geben, weil alles Spekulation wäre und ich nur mit Fakten arbeite. Aber ich kann erkennen, dass reine Filialschließungen und Personalkürzungen keine Strategie sind.
Wenn Sie einen neuen Investor auswählen könnten: Welche Bedingungen wären für Sie unverzichtbar?
Eigentum verpflichtet. Wenn es jemanden gibt, der mit Leidenschaft, so wie wir, Einzelhandel betreiben will, wäre das super. Investitionen, Warensortimente, die an Kundenwünschen zu orientieren sind, und eine Zukunftsstrategie mit dem Ziel, sich gegenüber dem Internet in Bedienung und Beratung deutlich besser aufzustellen, wären ein Traum. Meine Kolleginnen und Kollegen verdienen einen Investor, der sie unterstützt, wertschätzt und ihnen die Arbeitsmittel zur Verfügung stellt, um ordentlich ihren Job zu erledigen.
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