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Wahre Freunde | Tiger und Bär machen weiter
Fürchtet euch nicht! Janosch ist gestorben, doch seine beiden wichtigsten Figuren sind unsterblich freundlich.
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Foto: Janosch Vor langer Zeit, vor fast einem Vierteljahrhundert, sang die Hamburger Band Blumfeld ein schönes Lied: »Alles macht weiter«. Es war eine Weiterentwicklung eines noch älteren Gedichts des Hamburger Schriftstellers Hubert Fichte. Blumfeld sangen: »Alles macht weiter / die Zeit und ihr Garten / der Baum vor dem Fenster / das Hoffen und Warten (…) / die Einsamkeit in der Menge / die glücklichen Stunden / Phantasien und Pläne / Planten un Blomen / Enten und Schwäne ...« Man müsste es nun ergänzen um »Kleiner Tiger und Kleiner Bär«, den wichtigsten Helden aus den Kinderbüchern von Janosch, der eigentlich Horst Eckert hieß. Denn die beiden machen auf jeden Fall weiter, auch wenn ihr Autor am vergangenen Dienstag gestorben ist, er wurde 95 Jahre alt. Das Weitermachen in der Fantasie schaffen nur die wenigsten literarischen Figuren. »›Jawohl‹, sagte der kleine Bär, ›ich bin stark wie ein Bär und du bist stark wie ein Tiger. Das reicht‹«, heißt es im Trickfilm ihrer bekanntesten Geschichte »Oh, wie schön ist Panama«.
Und einmal mehr irrt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, als er verkündete: »Mit Horst Eckert verlieren wir alle auch ein Stück Kindheitsgeschichte«. Wir haben nichts verloren, denn Kleiner Tiger und Kleiner Bär machen ja weiter. Der Trick ist, dass sie keine Angst haben und sehr freundlich, friedlich und gemütlich sind. Auch aus dem Grund, weil ihr Autor von seinem Vater regelmäßig verdroschen wurde. Und wer das jemals erlebt hat, will das nicht mehr sehen oder fühlen. Deshalb ziehen die beiden furchtlos durch die Landschaft. Das berühmteste Zitat lautet: »›Wie gut‹, sagte der kleine Tiger, ›wenn man einen Freund hat, der ein Floß bauen kann. Dann braucht man sich vor nichts zu fürchten.‹«
Sie wollen zu Fuß nach Panama, aber niemand kann ihnen sagen, wie man da richtig hinkommt, und so laufen sie im Kreis und freuen sich, als sie wieder zu Hause sind. Auf dem Sofa ist es auch sehr schön. Jeden Tag fängt der Kleine Bär Fische und der Kleine Tiger sammelt im Wald Pilze. Der Kleine Bär brät den Fisch mit Salz, Pfeffer, Zitrone und Zwiebeln – eigentlich täglich. Variante: Geschmorte Pilze. Dazu gibt es Wasser, das hier »Gänsewein« genannt wird. Nur als der Kleine Tiger krank ist, darf er sich etwas wünschen: Forellen mit Mandelkernsoße und Semmelbröseln. Dazu fehlen aber die Zutaten, also gibt es Kraftbrühe mit Petersilie.
Es ist diese lässige Laxheit, die die Janosch-Bücher auszeichnet, sie sind meilenweit entfernt von der heutigen Leistungsoptimierung in Kindergarten und Grundschule, wo die Kinder immerzu etwas lernen sollen, um die anderen neoliberalistisch zu übertrumpfen. Tiger und Bär aber sind souverän-solidarische Kumpels. Sind sie vielleicht queere Pioniere, so wie Ernie und Bert?Wenn der Bär angelt, fühlt sich der Tiger einsam. Und der Bär wird eifersüchtig, als der Tiger mit dem Kleinen Schweinchen abhängt und sogar zu ihm zieht. Doch sie können das gemeinsam lösen. Ja, sie sind voll die Lieben. Und Blumfeld singen: »Alles macht weiter wie bisher / die Zeit vergeht und steht doch still / die Vögel ziehen übers Meer / und der Wind weht, wohin er will.«
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