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Volleyball | Deutschlands Volleyballer spielen die EM ohne ihren Leitwolf
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Gemeinsam wollen die deutschen Volleyballer die großen Fußstapfen des 41-jährigen Diagonalangreifers füllen. Foto: imago/Conny Kurth Als klar war, dass er es nicht zur Europameisterschaft schaffen würde, richtete Georg Grozer einige Worte an sein Team. Der auf Klubebene mit Abstand erfolgreichste deutsche Spieler der vergangenen zwei Jahrzehnte schwor die deutsche Nationalmannschaft darauf ein, beim EM-Turnier vom 9. bis 26. September erstmals seit Jahren auf ihn als Fixpunkt verzichten zu müssen. Immerhin ist der 41-Jährige wie ein großer Bruder für viele im Team. Allein seine Anwesenheit hebt viele Spieler auf ein anderes Level.
Doch wegen eines eingeklemmten Nervs kann Grozer diesmal nicht dabei sein. »Wir haben die ganze Zeit geprüft, ob er in der Lage ist, dem Team zu helfen. Letztlich bin ich traurig, diese Entscheidung treffen zu müssen, weil er ein bedeutender Teil der Geschichte dieses Nationalteams ist«, erklärte der neue Bundestrainer Massimo Botti.
Angesichts der Verletzung, die Grozer aus der Klubsaison mit ins Nationalteam geschleppt hat, macht es keinen Sinn, auf den Topscorer zu setzen. »Es war notwendig, diese Entscheidung für das Team zu treffen. Meiner Meinung nach ist die beste Lösung, Yann Böhme ins Aufgebot zu berufen, weil er uns den gesamten Sommer über geholfen hat«, legte sich der Bundestrainer fest.
Der 2,04 Meter große Böhme ist ein Späteinsteiger. Erst mit 18 Jahren begann er mit Volleyball und arbeitete sich in den vergangenen zehn Jahren Station für Station nach oben. Zwar ist Böhme bereits 29 Jahre alt und spielte zuletzt in der starken türkischen Liga bei Gaziantep Gençlik Spor.
Doch mit 49 Länderspielen fehlt es ihm im Vergleich zu Grozers 218 Einsätzen an Erfahrung – vor allem bei großen Turnieren. Auch Botti weiß: »Niemand kann Georg Grozer eins zu eins ersetzen, denn er ist einer der besten Diagonalspieler in der Geschichte des Volleyballs. Niemand kann die gesamte Verantwortung übernehmen.«
Daher zählt Botti neben dem einzigen nominellen Diagonalangreifer Böhme auch auf Erik Röhrs. Der nominelle Außenangreifer hat aufgrund seiner Athletik und Schlaghärte das Potenzial für die Königsposition, von der aus häufig die meisten Punkte erzielt werden. Doch Röhrs muss eigens dafür umlernen, andere Bewegungsabläufe vor allem im Hinterfeld-Angriff trainieren und die Abstimmung mit den Zuspielern Johannes Tille und Jan Zimmermann.
Und natürlich ist es auch eine Gelegenheit für die deutsche Mannschaft, ohne den Leitwolf neue Hierarchien zu entwickeln. »Es ist auch eine Chance, das nicht nur mit einer Persönlichkeit, sondern mit mehreren aufzufangen«, sagte der 33-jährige Zimmermann vor dem Turnierstart. »Ich glaube, dass wir genug Spieler haben, die inzwischen in einem fortgeschrittenen Alter sind und genug Erfahrung haben, um das aufzufangen.«
In der Tat haben die Mittelblocker Anton Brehme, Tobias Krick und Florian Krage-Brewitz, die Außenangreifer Tobias Brand und Moritz Karlitzek, Libero Ruben Schott und eben Teamsenior Zimmermann jede Menge Reife, um Grozers Abwesenheit zumindest zu kaschieren – auch wenn keinen die Aura des Ausnahmespielers umgibt. Dabei ist vor allem die Personalie Karlitzek spannend, weil der Außenangreifer aus der polnischen Topliga aus privaten Gründen den gesamten Sommer über fehlte und eigentlich schon vor dem Aus im Nationalteam stand. Weil nun aber Röhrs auf der Grozer-Position gebraucht wird, ist Karlitzek mit seinem Punch auf der Position vier wieder unverzichtbar.
In der anspruchsvollen Vorrundengruppe mit Auftaktgegner Türkei, Lettland, Gastgeber Rumänien, der Schweiz und Frankreich geht es für die DVV-Männer am Vorrunden-Spielort im rumänischen Cluj darum, sich die bestmögliche Ausgangsposition für das Achtelfinale zu erspielen, wo dann in Sofia unter anderem Polen, Bulgarien oder die Ukraine warten könnten. Topfavoriten auf den Titel sind Ko-Gastgeber und Weltmeister Italien, Olympiasieger Frankreich sowie Polen und Vize-Weltmeister Bulgarien.
Gegen die besser in der Weltrangliste platzierten Mannschaften sei sein Team »sicher nicht der Favorit, aber ich glaube an das Potenzial und die Einstellung meiner Mannschaft, im richtigen Moment das Beste aus sich herauszuholen«, betonte Botti. »Wir sind in einer guten Form.« Und Routinier Moritz Reichert ergänzte: »Natürlich ist unser Ziel das Viertelfinale und dann zu sehen, wie weit es gehen kann. Aber erst einmal müssen wir uns auf die Gruppenspiele konzentrieren. Wenn man sich eine gute Ausgangsposition erarbeitet, kann sich in so einem Turnier auch viel entwickeln.« Auch ohne Fixpunkt Grozer.
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Source: nd