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Volkswagen | Rüstungsgüter statt Cabrios bei VW in Osnabrück

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Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) verkündete die Unterzeichnung einer Absichtserklärung. Foto: dpa/David Ebener Osnabrück. Das VW-Werk Osnabrück soll mit Rüstungsaufträgen eine Zukunft bekommen. Volkswagen, das Land Niedersachsen und die deutsche Investmentfirma Aurelius Capital haben Eckpunkte für einen Verkauf vereinbart, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Nach dem Ende der Auto-Produktion 2027 soll der Standort schrittweise zu einem »Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen« entwickelt werden. »Diese Partnerschaft schafft realistische Chancen für langfristig hochwertige Beschäftigung an einem Standort, der seit 125 Jahren für industrielle Exzellenz steht«, sagte Olaf Lies (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen.

Der Plan sieht vor, dass Aurelius als Mehrheitseigentümer gemeinsam mit dem Land die Volkswagen Osnabrück GmbH übernimmt. Das Ziel der Transaktion sei, den Standort langfristig zu erhalten. Die jetzt angesteuerte Lösung bietet nach Angaben des Betriebsrats eine Zukunft für knapp 1400 der derzeit 1800 Beschäftigten.

Als erstes Ankerprojekt vorgesehen ist demnach eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael. Das Unternehmen produziert Luftverteidigungssysteme und Lenkflugkörper und Anlagen für den elektronischen Kampf. Bekannt ist es als Hersteller des »Iron Dome«, mit dem Israel Raketen, Marschflugkörper und Drohnen bekämpft. 

Die Kooperation soll den Weg für weitere Projekte unter dem Dach der neuen Gesellschaft ebnen. Rafael-Chef Joav Tourgeman teilte mit: »Heute bauen wir eine langfristige industrielle Partnerschaft mit unseren deutschen Partnern auf mit dem Ziel, dass die Technologie vollständig in Deutschland produziert wird, um Deutschland und Europa zu schützen.« Zunächst werde sich die Zusammenarbeit auf die mögliche Entwicklung und Produktion von Komponenten für Luftabwehrsysteme konzentrieren. Nach VW-Angaben soll die Belegschaft in Osnabrück beim Aufbau der Fertigung und der Industrialisierung eine zentrale Rolle übernehmen. 

Von einem »wichtigen Meilenstein für unsere Kolleginnen und Kollegen in Osnabrück« sprach die VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo. Christiane Benner, Vorsitzende der Gewerkschaft IG Metall, betonte, die industrielle Perspektive für Osnabrück und die Region bedeute »vor allem Sicherheit für die Beschäftigten und ihre Familien«. Sie entbinde Volkswagen »jedoch nicht von der Aufgabe, auch für die verbleibenden Beschäftigten verlässliche Zukunftsperspektiven zu schaffen«.

Kritik kam dagegen vom Zukunftswerk Osnabrück, einem Zusammenschluss von militärkritischen Initiativen: Es habe »Vorschläge einer Demokratisierung der Produktion sowie einer Umstellung auf Kleinbusse für den öffentlichen Nahverkehr« gegeben, sagte Annika Fuchs vom Umweltverband Robin Wood. »Solche zivilen Alternativen hat VW jedoch nicht ernsthaft ausgelotet.« Andreas Buderus von der Kampagne »Sagt Nein!« ergänzte: »Besonders bitter ist es, dass auch die örtliche IG Metall und der Betriebsrat den einzigen Weg für ›Sicherung von Arbeitsplätzen‹ in einer Rüstungskonversion sehen. Dabei ist klar, dass damit auch die Arbeit davon abhängig wird, dass weltweit Kriege geführt werden.«

Die Vereinbarung ist indes noch kein vollzogener Verkauf – soll aber die Grundlage für die nächsten Schritte bilden. Der Vollzug stehe unter dem Vorbehalt abschließender Vereinbarungen, erforderlicher Gremienbeschlüsse und behördlicher Prüfung. Über Einzelheiten werde informiert, sobald belastbare Ergebnisse vorliegen. 

Das Volkswagen-Werk in Osnabrück ist aus dem traditionsreichen Karosserie- und Auftragsfertiger Karmann hervorgegangen. Das Unternehmen baute seit 1949 das Käfer-Cabrio und fertigte später im Auftrag verschiedener Hersteller Nischenmodelle, vor allem Cabrios und Sportcoupés. Zu den Kunden zählten neben Volkswagen unter anderem BMW, Renault, Jaguar, Kia und Mercedes-Benz. Weltweit bekannt wurde Karmann mit dem von 1955 bis 1974 gebauten Karmann Ghia.

Im Krisenjahr 2009 rutschte der Betrieb in die Insolvenz. Volkswagen übernahm anschließend große Teile des Werks. Eine wichtige Rolle spielte dabei Christian Wulff, der als niedersächsischer Ministerpräsident im VW-Aufsichtsrat saß. In dieser Funktion machte sich der CDU-Politiker, dessen Wahlkreis in Osnabrück lag, dafür stark, dass VW sich in der Stadt engagierte und große Teile des Standorts übernahm. Der Autohersteller führte den Standort als kleines Mehrmarken-Werk weiter – spezialisiert auf Klein- und Kleinstserien sowie auf Überlaufproduktionen aus anderen Konzern-Fabriken. 

Doch zuletzt blickten die dortigen Beschäftigten in eine ungewisse Zukunft: Die Produktion der in Osnabrück gefertigten Porsche-Modelle ist bereits Ende 2025 ausgelaufen. Außerdem sagten die Stuttgarter einen erhofften Folgeauftrag für einen E-Sportwagen ab. Aktuell wird in Osnabrück nur noch das T-Roc Cabrio von VW gebaut. dpa/nd

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