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Video zum Jahrestag | Mannheimer Polizeigewalt folgenlos – aber nur für die Täter

Der Pfleger Eric Omoregie wurde 2023 auf dem Weg von der Arbeit von Polizisten grundlos überwältigt. Zum Jahrestag hat er ein Video veröffentlicht.

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Eric Clifford Omoregie war mit seinem E-Roller auf dem Heimweg von der Arbeit in einem Pflegeheim. Den Polizist*innen kam dies verdächtig vor. Foto: Youtube Am Donnerstag jährte sich zum dritten Mal ein Polizeieinsatz in Mannheim, bei dem die Pflegefachkraft Eric Clifford Omoregie auf einer Brücke von zwei Beamt*innen gegen ein Brückengeländer gedrückt, mit Gewalt zu Boden gebracht, herablassend behandelt und anschließend in Gewahrsam gebracht wurde. Der Nigerianer war mit seinem E-Roller auf dem Heimweg von der Arbeit in einem Pflegeheim.

Omoregie hatte Anzeige gegen den Beamten erstattet. Die Staatsanwaltschaft Mannheim stellte das Verfahren jedoch ein und klagte stattdessen Omoregie an. Ihm wurden Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, vorsätzliche Körperverletzung und ein tätlicher Angriff gegen einen der Beamten vorgeworfen. Die Polizisten hatten angegeben, Omoregie habe sich »hysterisch« verhalten und fliehen wollen. Aufnahmen städtischer Kameras von der Brücke widersprechen der Schilderung. Darauf ist zu erkennen, dass er still dasteht, als der Polizist plötzlich zugreift.

Ende Januar 2025 sprach das Amtsgericht Omoregie frei, der Richter hielt die Polizeikontrolle für rechtswidrig. Die vorgeworfenen Widerstandshandlungen wären, falls sie stattgefunden hätten, als Notwehr gegen die Polizeigewalt zu werten gewesen. Für den Beamten blieb der Vorfall ohne Konsequenzen, eine Anzeige gegen ihn wurde nicht weiterverfolgt. Auch Disziplinarmaßnahmen wurden soweit bekannt nicht verhängt.

Die Staatsanwaltschaft erklärte auf nd-Anfrage, sie habe das Urteil zum Freispruch Omoregies angefordert und daraufhin geprüft, ob das bereits im Oktober 2024 mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellte Verfahren gegen die Polizeibeamten wiederaufgenommen wird. Das sei nicht erfolgt, weil trotzdem nicht ausgeschlossen werden könne, dass die »Anwendung unmittelbaren Zwangs« gerechtfertigt gewesen sei.

Mit der Gegenanzeige der Polizist*innen sei deren Opfer zum Täter gemacht worden, kritisiert Jordan Schwarz von »Leuchtlinie«, einer Fach- und Beratungsstelle für Betroffene von rassistischer Gewalt im Bundesland Baden-Württemberg, die den mittlerweile 29-jährigen Omoregie unterstützt. Dass dieser trotzdem an die Öffentlichkeit gegangen sei, verdiene großen Respekt. »Es braucht deshalb unabhängige Beschwerdestellen und ein ernsthaftes Vorgehen gegen Polizeigewalt und Racial Profiling, wie es schwarze Communities seit Langem fordern«, sagt Schwarz.

Der von der Polizei überwältigte Pfleger hat am Donnerstag eine Videobotschaft veröffentlicht und beschreibt darin, wie gewaltsam er den Einsatz erlebt habe. Er sei nüchtern gewesen und habe den Beamt*innen auch erklärt, er komme von der Arbeit. Dennoch sollte er vor Ort eine Urinprobe abgeben. »Ich habe schon gemerkt, ja, ein schwarzer Mann allein auf der Brücke mit zwei Polizisten, das würde nicht gut gehen.«

Mit den feindseligen Beamt*innen ins Dunkel unter die Brücke zu gehen, lehnte Omoregie ab und wurde daraufhin mit einer Verhaftung bedroht. Aus der Situation sei er nicht mehr herausgekommen, sagt er. Er schaltete deshalb die Kamera seines Handys ein, um den Wortwechsel, aber keine Gesichter festzuhalten. Der Polizist untersagte das und verlangte das Gerät. Omoregie weigerte sich. Im Video schildert er, was dann geschah:

»Er griff mich. In diesem Moment war alles so schnell. Ich habe nur Hilfe geschrien. Hilfe, Hilfe. Er hat mich an das Brückengeländer gedrückt, mit meinem Kopf nach hinten. Ich gucke, da ist Wasser. Ich kann nicht schwimmen. Dann kommt Angst auch hoch.« Dann sei ein Mann vorbeigekommen und habe gefragt, was los sei. Nachdem der Polizist und die Polizistin etwas gesagt hätten, sei der Mann weggegangen. Plötzlich seien viele Polizist*innen dort gewesen. »Dann hatte ich keine Kraft mehr, mich zu wehren.«

Was danach folgte, beschreibt Omoregie ebenfalls ausführlich. Die Polizist*innen hätten ihn auf dem Fahrradweg auf den Boden geworfen und ihm Handschellen angelegt, während andere auf seinen umgeknickten Fuß gedrückt hätten. »Die Handschellen waren sehr, sehr eng. Ich habe es in meiner Haut gespürt. Ich schreie, ich weine. Es tut weh. Es tut weh.«

Er habe den Beamt*innen gesagt: »Ich habe euch nichts gemacht. Ich komme von meiner Arbeit. Ich will nach Hause zu meinem Kind gehen.« Dann habe eine Polizistin angefangen zu lachen und »Penner« gesagt – was diese bestreitet. Omoregie schildert weiter: »Ich habe gesagt, ich bin kein Penner. Ich habe auch ein bisschen Respekt verdient. Ich arbeite hier. Ich bezahle auch meine Steuern. Ich habe, seit ich nach Deutschland kam, niemandem wehgetan. Warum muss es bei mir passieren?«

Es folgten die Fahrt im Polizeibus und eine Blutentnahme gegen seinen Willen. Dazu erklärt Omoregie: »Dann waren wir in diesem Polizeirevier. Auf einmal kommen viele Polizisten. Da kommt ein Mann: ›Bist du jetzt ruhig?‹ Ich sage: ›Ich war die ganze Zeit ruhig. Was wollen Sie von mir? Ich habe Handschellen an.‹«

Die ganze Zeit in Gewahrsam Omoregie geweint. Eine Polizistin habe sein Handy-Passwort verlangt, er habe abgelehnt. Die Tests auf Alkohol und Drogen fielen schließlich negativ aus. Omoregie durfte die Wache verlassen, das Fahren mit seinem E-Scooter wurde ihm jedoch nach eigener Aussage untersagt, bei Zuwiderhandlung mit einer neuerlichen Verhaftung gedroht.

»Ich war total am Boden. Ich war fix und fertig«, sagt Omoregie zu der Zeit nach dem Übergriff. Hätte er Geld gehabt, hätte er sofort den teuersten Anwalt genommen. Zum Gerichtsverfahren sagt er, die Kamera auf der Brücke habe ihn gerettet. Was die Polizist*innen in ihren Bericht geschrieben hätten, habe nicht mit dem Video übereingestimmt. »Jeder hat es gesehen, und dann auf einmal fangen die Leute im Gerichtssaal an zu murmeln und zu schreien. Gott, jeder war auf meiner Seite.« Es habe ihm Hoffnung gegeben, dass Menschen den Prozess beobachtet hätten.

Die Anzeige gegen die Polizist*innen und deren Gegenanzeige waren nicht die erste rechtliche Auseinandersetzung Omoregies in Deutschland. Ihm habe trotz Ausbildung vor zehn Jahren die Abschiebung gedroht, weshalb ihm sein Arbeitgeber einen Anwalt zur Seite gestellt und für ihn gekämpft habe. Bei der Arbeit im Pflegeheim spiele auch seine Hautfarbe eine Rolle: »Nicht jeder Bewohner mag es, wenn ein Mann kommt, oder nicht jeder Bewohner mag es, wenn ein schwarzer Mann zu denen kommt.«

In seiner Ansprache gibt Omoregie außerdem einen Rat an alle, die ähnliche Polizeigewalt erleben: »Wenn du für deine Rechte kämpfst, dann wird auch das Recht siegen, und du kriegst dein Glück zurück.«

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