World · nd · · 2h
USA | Sydney Sweeneys Skandalwerbung: Oops!... I did it again
Deutsch (original) · Read in English ⇄
Sydney Sweeney wirbt sexistisch für Sportwetten und wird von Sportlerinnen kritisiert. Foto: Scott A Garfitt/Invision/dpa Die US-amerikanische Schauspielerin Sydney Sweeney, bekannt aus den Kult-Serien »Euphoria« und »White Lotus«, steht wegen eines Werbeclips in der Kritik. »Du denkst, du kennst dich mit Sport aus? Beweis es!«, fordert die 29-Jährige die Zuschauer*innen in dem Clip heraus. Mit verschiedenen Sportaccessoires und Bällen posiert sie meist nackt vor der Kamera – oder so gut wie – und zeigt so all die verschiedenen Sportarten auf, auf die man bei dem Sportwetten-Anbieter »Novig« alles wetten könne.
Kern der Kritik ist dabei nicht ihre Zusammenarbeit mit und Werbung für eine derart destruktive Branche wie Sportwetten, die unzähligen glücksspielsüchtigen Menschen den Ruin bringt, sondern das Frauenbild, das Sweeney im Sport vermittelt. Bekannte Sportlerinnen machen ihre Enttäuschung und Wut darüber nun im Internet öffentlich.
So erklärt die ehemalige australische Schwimmerin und vierfache Olympiasiegerin Ariarne Titmus, Sweeneys Kampagne sei »nicht nur ein Schlag ins Gesicht für jede Frau, die ihr Leben der Perfektionierung ihres Könnens gewidmet hat, sondern auch für jede Frau, die Sport für das schätzt, was er wirklich ist – Teamarbeit, Freundschaft, Hingabe, Exzellenz, Zusammenhalt.« Als Reaktion auf Sweeneys Werbeclip hat sich im Internet ein neuer Trend entwickelt: Zahlreiche Sportlerinnen veröffentlichen Videos von sich, in denen sie einfach ihren Sport betreiben unter dem Schlagwort: »So sieht Sport aus«.
Ironischerweise dürfte Sweeney durch ihren jüngsten Film einen Einblick in die Welt des Frauensports bekommen haben. In »That’s Why The Lady Is A Champ« spielte sie Christy Martin, die erfolgreichste Boxerin der 90er Jahre. Der Film handelt von den verschiedenen Kämpfen Martins, als Frau im Boxsport nicht ernstgenommen zu werden, ihren Boxkämpfen selbst, aber auch von der missbräuchlichen Beziehung, in der sie gefangen war.
Es ist nicht das erste Mal, dass Sweeney, die neben ihrer Schauspielkarriere einen Abschluss in Entrepreneurship an der University of California erworben hat, für einen Werbeclip hart kritisiert wird. Vor einem Jahr warb sie in einer Kampagne mit dem Titel »Sydney Sweeney has great jeans« – Sydney Sweeney hat großartige Jeans – für das US-Modelabel »American Eagle«.
Die Anspielung durch großartige Gene, die auf English genauso ausgesprochen werden wie »Jeans«, zog einen Aufschrei nach sich. Sweeney wurde vorgeworfen, in Trumps Amerika mit der Propaganda der extremen Rechten, also mit weißer Überlegenheit und Eugenik zu kokettieren. In besagter Werbung erklärte die Blondine mit blauen Augen: »Jeans (oder eben Gene) werden von den Eltern an ihre Nachkommen weitergegeben und bestimmen oft Merkmale wie Haarfarbe, Persönlichkeit und sogar Augenfarbe. Meine Jeans sind blau.« Beendet wurde jeder Clip mit: »Sydney Sweeney hat großartige Jeans.«
Sie selbst erklärte nach langem Schweigen, dass sie über die Reaktionen auf die Jeans-Werbung überrascht gewesen sei: »Jeder der mich kennt, weiß, dass ich immer versuche, Menschen zusammenzubringen. Ich bin gegen Hass und Spaltung.« Geholfen haben ihr die provokanten Werbeclips in der Kultivierung ihrer eigenen Aufmerksamkeits-Ökonomie wahrscheinlich dennoch. Und künftige Filmdeals wird der feministische Aufschrei vermutlich auch nicht verhindern.
Die »nd.Genossenschaft« gehört denen, die sie lesen und schreiben. Sie sichern mit ihrem Beitrag, dass unser Journalismus für alle zugänglich bleibt – ganz ohne Medienkonzern, Milliardär oder Paywall.
→ unabhängig und kritisch berichten → übersehene Themen in den Fokus rücken → marginalisierten Stimmen eine Plattform geben → Falschinformationen etwas entgegensetzen → linke Debatten anstoßen und weiterentwickeln
Mit »Freiwillig zahlen« oder einem Genossenschaftsanteil machen Sie den Unterschied. Sie helfen, diese Zeitung am Leben zu halten. Damit nd.bleibt.
Read the full story at the source
Source: nd