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Ungarn | Staatsanwälte nehmen Orbáns Nationalbankchef fest

Vertrauter des gestürzten Regierungschefs unter Verdacht: Unter Aufsicht von Ex-Notenbankchef György Matolcsy sollen Millionen verschwunden sein.

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Der ehemalige ungarische Wirtschaftsminister und spätere Notenbankchef György Matolcsy soll große Summen veruntreut haben. Foto: Yves Logghe/AP/dpa Budapest. Die ungarische Staatsanwaltschaft hat den langjährigen Nationalbank-Gouverneur aus der Orbán-Zeit, György Matolcsy, unter Korruptionsverdacht festgenommen. Der einst enge Vertraute des im April abgewählten rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán werde des Wirtschaftsbetrugs und der Dokumentenfälschung verdächtigt, bestätigte sein Anwalt gegenüber der Nachrichtenagentur MTI. Gegen die Festnahme habe er Beschwerde eingelegt, fügte der Anwalt hinzu.

Matolcsy war von 2010 bis 2013 Wirtschaftsminister in der damaligen Orbán-Regierung und von 2013 bis 2025 Chef der Ungarischen Nationalbank (MNB), der Notenbank des mitteleuropäischen EU-Landes. Die Oberstaatsanwaltschaft für Zentrale Ermittlungen brachte gegen ihn noch keine konkreten Beschuldigungen vor, nahm aber weitere Personen fest und führte in den Anwesen von Matolcsy und von anderen Verdächtigen Hausdurchsuchungen durch, wie ungarische Medien berichteten.

Die Staatsanwaltschaft sprach von Ermittlungen im Zusammenhang mit der »Causa MNB«. Unter der Leitung von Matolcsy gründete die MNB mehrere Stiftungen, die der Förderung von Kultur und Wissenschaft dienen sollten und in die sie mehrere Milliarden Euro pumpte. Ein Teil dieser Gelder soll aber verschwunden sein. Der ungarische Rechnungshof bezifferte die mutmaßliche Schadenssumme im März des Vorjahres mit mindestens 375 Millionen Euro. Matolcsy bestritt jegliches schuldhaftes Verhalten. Eine Strafanzeige des Rechnungshofs soll schließlich auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ausgelöst haben.

Diese begannen unmittelbar nach der Parlamentswahl im April, die zum Sturz Orbáns und zur Regierungsübernahme durch den bürgerlichen Ministerpräsidenten Péter Magyar geführt hatte. Magyar, der selbst aus Orbáns Machtpartei Fidesz kommt, mit dieser aber vor mehr als zwei Jahren radikal gebrochen hatte, hatte im Wahlkampf versprochen, die unter Orbán grassierende Korruption zu beenden und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

Matolcsy, der sich als Mitstreiter Orbáns gerne als »Vordenker« einer »unkonventionellen Wirtschaftspolitik« inszenierte, ist die bislang symbolträchtigste Persönlichkeit der Orbán-Zeit, die die Justiz in Gewahrsam genommen hat. Seit drei Wochen befinden sich Ex-Kultusminister Balázs Hankó und Ex-Entwicklungsminister Miklás Seszták in Untersuchungshaft. Hankó soll Kulturfonds-Gelder für Wahlkampfzwecke missbraucht, Seszták von überteuerten Beschaffungen von öffentlichen Bussen profitiert haben. dpa/nd

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