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UN-Bericht | Die globalen Wasserspeicher schrumpfen

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Zusammengeschrumpfter Gletscher im Naran-Tal in Pakistan im Juli 2016 Foto: AFP/Aamir Qureshi Die Kontinente trocknen aus. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Bilanz der Weltmeteorologieorganisation (WMO) hervor. Der Dachverband der nationalen Wetterdienste stellt darin fest, dass 2025 eines der Jahre mit dem geringsten Abfluss in die Ozeane seit 1990 war. Die an Land in Form von Eis, Schnee, Grundwasser, Seen und Flüssen gespeicherte Wassermenge würde seit Mitte des letzten Jahrzehnts abnehmen. Es gibt sogar eine ganze Reihe von Flüssen und großen Strömen, deren Durchfluss trotz größerer Niederschlagsmengen in ihrem Einzugsgebiet geringer wird. Besonders in sehr trockenen Regionen ist das der Fall, hat eine Ende August im US-Fachblatt »Geophysical Research Letters« veröffentlichte Studie ergeben.

Die Ursache dürfte unter anderem in steigenden Verdunstungsraten liegen. Je höher die Lufttemperatur, desto mehr und schneller verdunstet das Wasser, und da der Planet sich erwärmt, nimmt auch die Verdunstungsrate zu. Tatsächlich wird schon seit einiger Zeit beobachtet, dass der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre steigt. Dieser setzt, wenn er in der Luft kondensiert, eine nicht zu unterschätzende Menge an Energie frei, die einer der Motoren für Winde und Stürme ist. Mehr Wasserdampf bedeutet also stärkere Stürme und natürlich heftigere Niederschläge, da mehr Wasser abregnen kann.

Dazu passt die Feststellung der WMO, dass der Wasserkreislauf erratischer und damit unzuverlässiger geworden sei, das heißt, dass er stärker zwischen zu wenig und zu viel schwankt, zwischen Niedrigwasser und zerstörerischen Fluten.

Im vierten Jahr in Folge haben alle großen Gletscherregionen der Erde an Eismasse verloren.

Was das bedeuten kann, haben deutsche Chemiebetriebe und andere Branchen an Rhein und Main dieses Jahr mal wieder spüren müssen. Extrem niedrige Pegelstände in den Flüssen führten dazu, dass die Flusskähne nicht mehr voll beladen werden konnten, was wiederum die Fracht erheblich verteuerte. Für viele Betriebe, die per Binnenschifffahrt mit Grundstoffen beliefert werden, wurde das zu einer finanziellen Belastung.

Ursache für das Niedrigwasser war vor allem die große Trockenheit, unter der in diesem Sommer weite Teile Europas mit Ausnahme des Nordostens zu leiden hatten. Besonders ausgeprägt war das Manko am Oberlauf des Rheins in der Schweiz, aber auch ganz Süddeutschland war betroffen, was in der Landwirtschaft vor allem den Weidebauern Sorgen bereitete. Viele mussten für ihr Vieh Futtermittel zukaufen, heißt es bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft auf Nachfrage. Selbst zurzeit würde noch Heu aus Norddeutschland bis nach Österreich verkauft, was wegen der hohen Transportkosten erhebliche zusätzliche Ausgaben für die Betriebe bedeutet.

Wie die großen Ströme Asiens wird der Rhein auch von Gletschern gespeist. Doch diese sind auf dem Rückzug. Im vierten Jahr in Folge seien sie 2025 in allen Gebirgen auf allen Kontinenten gleichzeitig geschrumpft, so der WMO‑Bericht. Daten des von der EU-finanzierten Klima-Monitoring-Dienstes Copernicus zeigen, dass die globale Gletschermasse seit 1993 von Jahr zu Jahr kleiner wird und der Schwund sich mehr und mehr beschleunigt. Episoden, in denen sich der eine oder andere Gletscher ein wenig erholt, werden immer seltener. In den letzten fünf Jahren war der globale Gletscherverlust im Durchschnitt mehr als doppelt so hoch wie noch vor 25 Jahren.

Perspektivisch macht das die Wasserversorgung und Wasserstände in den Flüssen noch unzuverlässiger. Gletscher, Grundwasser und saisonale Schneedecken sind so etwas wie das Sparbuch des Planeten, meint WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo: »Sie fungieren als Puffer, als Reserven, die dafür sorgen, dass nicht eine Dürre oder eine zu trockene Saison gleich zu einer Wasserkrise führt.« Seit einer Reihe von Jahren leben wir von diesem Ersparten. Saulo erklärt: »Die weltweiten terrestrischen Wasserspeicher weisen seit 2014 bis 2016 einen rückläufigen Trend auf – ein anhaltendes, seit einem Jahrzehnt bestehendes Signal. Im vierten Jahr in Folge haben alle großen Gletscherregionen der Erde an Eismasse verloren. Das Grundwasser erzählt eine ähnliche Geschichte.« Fast zwei Drittel der weltweit überwachten Brunnen wiesen demnach im Jahr 2025 Werte unterhalb der historischen Norm auf.

Ein besonderer Aspekt des Gletscherverlustes und des Auftauens des dauerhaft gefrorenen Bodens, des Permafrosts in den Hochgebirgen sind katastrophale Ausbrüche von temporären Schmelzwasserseen oder Hangrutsche, wie im Mai 2025 im schweizerischen Blatten, wo ein ganzes Dorf unter einer Schlammlawine begraben wurde. Oder wie exakt 15 Monate später Ende August nördlich von Kathmandu an der nepalesisch-chinesischen Grenze. Am 26. August war dort ein Felshang auf einer Fläche von zwei Quadratkilometern abgebrochen und zusammen mit Teilen des auf ihm lastenden Gletschers 1400 Meter tief in einen Fluss gestürzt.

Die enorme Energie, die durch diesen Felssturz freigesetzt wurde, ließ einen Teil des Eises aufschmelzen, sodass eine Lawine aus Schlamm und Geröll mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 188 Kilometern die Stunde talwärts schoss. Zahllose Wohngebäude, 20 Schulen, eine wichtige Grenzstation und mehr als ein Dutzend kleinerer Staudämme wurden weggerissen. Rund 1500 Tote wurden bisher gefunden, 5000 bis über 6000 Personen werden nach unterschiedlichen Quellen noch vermisst. 33.000 Menschen haben ihr Obdach verloren.

Die Ursache des Felssturzes ist noch nicht restlos geklärt. Bekannt ist, dass in der Region die Lufttemperatur im Juli und August ungewöhnlich hoch war. Klimawissenschaftler haben zwischenzeitlich diese Hitzewelle statistisch untersucht und kommen zu dem Ergebnis, dass sie durch die globale Erwärmung erheblich wahrscheinlicher geworden ist. Die langfristige Erwärmung und der Wechsel der Niederschlagsform von Schnee zu Regen könnten die Stabilität des Berghangs beeinträchtigt haben, schreiben die Forschenden auf der Webseite »World Weather Attribution«.

Folgerichtig hat die Regierung in Kathmandu darauf hingewiesen, dass die überwiegend für den Klimawandel verantwortlichen reichen Länder endlich für die angerichteten Schäden aufkommen müssen. Nepal hat nun eine Kompensation über den UN-Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste beantragt.

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Source: nd